Vieles glaubt man zu wissen, wenn es um die bislang fundiert erforschten Bereiche der Bausubstanz des Gaildorfer Alten Schlosses geht. Die Fundgruben in dem historischen, erstmals im Jahr 1399 urkundlich erwähnten Gemäuer sind in aller Regel im Zusammenhang mit notwendigen Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen erschlossen worden.

Dendrochronologische Bohruntersuchungen, Vermessungen und wenige Inschriften konnten über die wichtigsten Eckdaten zur Baugeschichte des einstigen Sitzes der Schenken von Limpurg Auskunft geben. Doch dann sind die einschlägigen Quellen, die aus wenigen überlieferten Daten gespeist werden, erschöpft. Vor allem auf die wohl wichtigste Frage zur Geschichte des im Lauf der Jahrhunderte oft umgebauten und erweiterten Wahrzeichens der Stadt Gaildorf ist so gut wie nichts zu erfahren: Wer – und unter welchen Bedingungen – lebte damals in dem prächtigen Fachwerkbau?

Seit November vergangenen Jahres gibt es mit dem ersten wissenschaftlich erarbeiteten Buch zur Geschichte der Limpurger Schenken erste Antworten. Die Autorin, Gaildorfs Stadtarchivarin Dr. Heike Krause, dokumentierte mit dem Werk „Die Schenken von Limpurg – … reichen dem Kaiser zu trinken“ das in der Vergangenheit oft nur ansatzweise dargestellte erbliche Amt der Schenken. Nun will die Archivarin für eine weitere Publikation die herrschaftlichen limpurgischen Gebäude erforschen.

„Leider sehr schweigsam“

„Was könnte wohl das Gaildorfer Alte Schloss alles erzählen?“ Seit sie sich mit der Materie intensiv beschäftigt und weiß, dass das Baudenkmal „leider sehr schweigsam“ ist, lässt sie nicht mehr locker. Sie weiß, dass die archivalischen Akten aus dem Hause Limpurg „viel beredsamer sind“ als alle bisherigen Forschungen. Diese Dokumente, die heute vor allem im Staatsarchiv Ludwigsburg aufbewahrt werden, stellen für sie eine große Herausforderung dar. Das ist nachvollziehbar, wenn man um die Menge des historischen Erbes weiß: Es sind, berichtet Heike Krause, „fast 500 Meter“, die im Fundus des Archivs schlummern und erschlossen werden wollen.

Doch erste Erkenntnisse ließen wie so oft auf sich warten: „Zunächst hat man nach dem Aktenstudium mehr Fragen als Antworten.“ Erst weitere Forschungen könnten eventuell die eine oder andere Frage beantworten. Als „sehr aufschlussreich“ weiß sie die alten Rechnungsbücher zu schätzen, in denen sämtliche Einnahmen und Ausgaben eines Jahres verzeichnet sind: „Auch über die finanziellen Transaktionen hatte der Vogt für die Herrschaft und das Amt Gaildorf Buch zu führen.“ Allerdings sei im Lauf der Jahrhunderte mancher Rechnungsband verloren gegangen. Der Bestand weise Lücken auf.

„In der Hunds Stuben“

Für die neuesten Forschungen sind aus Sicht der Archivarin die Kosten für Handwerker von ­großem Interesse. Aus den ältesten noch erhaltenen Rechnungen, die aus dem Jahr 1547/1548 stammen, erfuhr sie etwa, „dass Geld vor allem für die vierbeinigen Hausgenossen ausgegeben wurde“. So habe der Hafner „in der Hunds Stuben“ einen Ofen gebaut, damit die Hunde nicht frieren mussten, der Schreiner neue Türen für die besagte Stube. Schließlich habe der Gaildorfer Zimmermann Jörg Becklin an der „Harnaschkammer geschafft“ und auch sonst noch „etlichs Flickwerk im Schloß“ erledigt, verraten die Dokumente.

Geschichte des Limpurger Landes Fakten entlarven die heile Welt der Schenken

Gaildorf

Keine 50 Jahre später wurde laut Rechnung der alte Pferdestall beim Schloss abgebrochen, ein „Notstall auf der Bleich“ errichtet. Deshalb, wie Heike Krause zu berichten weiß, „um die 22 herrschaftlichen Pferde während des Stallneubaus unterzubringen“. In diesem Zusammenhang sei ein Maurer tätig gewesen, er musste das „Storchsnest“ auf dem neuen Stallgebäude „hinaufmachen“.

Im selben Rechnungsjahr, 1591/92, fertigte der Schreinermeister Paul Boxler von Nördlingen nach Recherchen der Archivarin für Schenk Albrecht VII., Herr zu Gaildorf, zwei „Trisuren“ (Kredenztische) und eine „runde eingelegte Tafel“. Die drei Möbelstücke kosteten laut Beleg über 34 Gulden. Doch die Tafel sei „etwas zu groß“ gewesen. Also habe der Schreinermeister nochmals von Nördlingen nach Gaildorf reisen müssen, um die Tischplatte dem Raum anzupassen.

Auch ein Waffenschrank

Übrigens: Die „14 Stühl um die runde Tafel“ habe der Gaildorfer Schreiner Jörg Rüdinger hergestellt. Von ihm seien auch ein „Rüstbehälter“ (Waffenschrank), zwei „Reisetruhen“, ein kleines „Trühlein“ und zwei „Küchenbehälter“ für insgesamt zwölf Gulden geliefert worden. Heike Krause ist nun sehr gespannt, „was die Akten noch alles preisgeben“.

Von der Hausmeisterin bis zum Küchenjung


In Rechnungsakten vergangener Jahrhunderte stecken auch ganz „menschliche“ Informationen über das Alte Schloss. Aus dem Jahr 1664 hat sich eine Liste mit den Personen erhalten, die „bei Hof gespeist“ werden. Dabei handelte es sich um die im Schloss angestellten Dienstboten, die nach ihrem Rang aufgelistet wurden. An der Spitze stand die „Hausmeisterin“, gefolgt von der „Frau Gräfin Kammermagd“ über „Beschließerin“, Koch, Kutscher und Jäger bis zur Hausmagd und dem „Küchenjung“ – alles in allem 18 Personen. hk