Es geht zwar voran bei der weiteren und von Land und Bund geförderten Sanierung und Erschließung des Gaildorfer Alten Schlosses. Dennoch muss die Stadt neben Geld auch viel Zeit und Geduld investieren, zumal auch – und das in erheblichem Umfang – die Belange des Denkmalschutzes peinlich genau beachtet werden müssen. Das geht aus dem Sachstandsbericht hervor, den Andrea Ingrisch, auf dem Rathaus für die Stadtsanierung zuständig, vor wenigen Tagen dem Gemeinderat vorgelegt hat.
Ein wichtiges Projekt konnte in diesem Zusammenhang abgehakt werden: der Einbau einer Hausmeisterwohnung im Jahr 2019, die nun seit Februar bezogen ist. Zu den Gesamtkosten in Höhe von knapp 320.000 Euro durfte die Stadt etwas mehr als 155.000 Euro an Fördermitteln aus dem Sanierungsprogramm verbuchen.

Ein zähes Ringen

Kummer bereitet den Verantwortlichen die barrierefreie Erschließung des nordwestlichen Schlosstrakts. Zwar hat der Gemeinderat im Januar den vom Neckarsulmer Planungsbüro Kreor erarbeiteten Entwürfen zugestimmt. Eine Entscheidung seitens der Denkmalbehörde des Landes zum geplanten Einbau eines Aufzugs indes steht noch aus. Trotz vieler Abstimmungsgespräche und der Vorlage weiterer Untersuchungsdetails und Planunterlagen.
Stadtverwaltung und Planer haben unterdessen versucht, die Lage des Fahrstuhls – den Anregungen der Denkmalbehörde entsprechend – abzuändern bzw. zu optimieren. Dennoch müssten „immer noch weitere Detailpläne und Untersuchungen“ vorgelegt werden, was das Projekt um weitere Wochen verzögern werde, wie es im Arbeitspapier zur Ratssitzung heißt.

Klare Verhältnisse schaffen

Das Vorhaben wird immer mehr zum Geduldsspiel. Nun will die Stadt diese Verzögerungen nicht mehr hinnehmen und den Bauantrag auf denkmalschutzrechtliche Genehmigung einreichen, um klare Verhältnisse zu schaffen: Wichtig sei eine „grundlegende Entscheidung“, ob nun der Aufzug dort eingebaut werden könne oder nicht.
Etwas mehr Bewegung ist in den aus statischer Sicht problematischen Ostflügel des Schlosses gekommen: Dort sollen nach Abstimmung mit der Denkmalpflege zwei provisorische Stützen eingebaut werden. Wenn die denkmalschutzrechtliche Genehmigung vorliegt, können die Stützen sowie ein Abdichtungsband zwischen den beiden Ostflügeln noch in diesem Jahr eingebaut werden.
Ein weiterer wichtiger Schritt im Sanierungsgebiet „Altes Schloss“ wird der für den Herbst vorgesehene Abriss des Retter-Gebäudes in der Schloss-Straße sein (siehe Inforubrik).

Aufzug für die Bücherei

Als private Sanierungsmaßnahme steht das „Bräuhaus“ in der Grabenstraße auf der Agenda. Wann dort die Arbeiten beginnen werden, steht noch nicht fest.
Ebenfalls in Vorbereitung ist die barrierefreie Erschließung des auf die einstige Stadtmauer aufgesetzten Gebäudes der Stadtbücherei. Für dieses Vorhaben ist der Stadt eine Förderung in Höhe von 250.000 Euro aus dem Sonderprogramm „Soziale Integration im Quartier“ (SIQ) bewilligt worden. Dieser Zuschuss muss bis Ende April 2023 abgerufen werden.

Ausloten, was machbar ist

Um nun den Aufzug optimal zu positionieren, wurde die LBBW Kommunalentwicklung GmbH (KE) als Sanierungsbetreuer beauftragt, eine entsprechende Untersuchung anzustellen. Dadurch erhofft sich die Verwaltung auch wichtige Aufschlüsse darüber, was in diesem Gebäudekomplex „an Nutzung umsetzbar ist“. Sobald die Machbarkeitsstudie vorliegt, wird sich der Gemeinderat damit befassen und das weitere Vorgehen in die Wege leiten.

Im Herbst soll das Retter-Gebäude weichen


Dem Abbruch des ehemaligen Retter-Gebäudes am Alten Schloss steht offenbar nichts mehr im Weg. Die Stadtverwaltung hat die vom Bereich Bauarchäologie des Landesdenkmalamts geforderten Unterlagen eingereicht. Der Abriss erfolgt unter Aufsicht bzw. Begleitung eines Bauarchäologen.

Derzeit wird auf dem Rathaus das Leistungsverzeichnis für den Abbruch vorbereitet. Und weil es sich hier „um einen sehr sensiblen Bereich handelt, müssen verschiedene Punkte vorab geklärt werden, damit der Abbruch möglichst reibungslos abläuft“, heißt es in der Vorlage zur Gemeinderatssitzung. Der Abbruch soll im Herbst erfolgen.