Die Corona-Pandemie bringt den Terminkalender des internationalen Spitzensports durcheinander. Davon ist auch die Motocross-Szene betroffen. Der Motorsportclub (MSC) Gaildorf möchte am 12. und 13. September wieder Gastgeber für das ADAC MX Masters sein. Doch es gibt Unsicherheiten, was den Terminplan von Europas beliebtester Motocross-Rennserie betrifft.

„Es ist richtig, dass in der aktuellen Situation keiner weiß, was nach dem 31. August 2020 geschieht“, räumt Ralf Schweda für den Vorstand des MSC Gaildorf ein. Jeder versuche „irgendwo noch mit der Zeit zu spielen und mögliche Szenarien durchzurechnen“. Die MX World Championship plant schon bis in den November hinein und füllt den Kalender im Herbst auf, was es für die Veranstalter anderer MX-Serien nicht leichter macht. Fakt sei, „vor dem 1. September ist in Deutschland nichts möglich“, so Schweda. Danach blieben nur noch wenige Wochenenden, Veranstaltungen zu platzieren. Aber auch das sei „aus heutiger Sicht Spekulation“.

Rumpfprogramm möglich

Der ADAC stehe mit den Veranstaltern in permanentem Kontakt und prüfe, wer noch in der Lage wäre, eine Veranstaltung im September und Oktober auf die Beine zu stellen. Dabei sind viele Faktoren zu beachten, gibt Schweda zu bedenken: „Bei einem internationalen Fahrerfeld ist ja nicht nur die Entwicklung in Deutschland zu betrachten. Denn eine Anreise der Teams kann nur mit der Öffnung der Grenzen und einer Lockerung der Reisebeschränkung gewährleistet werden und hierfür müssen diese Länder ebenfalls deutliche Fortschritte machen.“ Der ADAC halte aktuell noch immer eine „Rumpfsaison“ für machbar. Wie viele Rennen aber tatsächlich gefahren werden können, sei offen.

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Gaildorf

„Wir sind aktuell noch gesetzt, da wir unseren Termin im September fix haben. Wir spielen auch noch auf Zeit, da wir aktuell den Zeitpunkt einer Absage für zu früh halten“, so Ralf Schweda zur Einschätzung der Lage innerhalb des MSC-Vorstandes. Der Verein sei gerade dabei „unsere Sponsoren, Partner, Zulieferer, befreundeten Vereine, Hauptverantwortlichen, Helfer und alle die mit der Veranstaltung zu tun haben, abzuholen und abzufragen, wie sie zu der Durchführung der Veranstaltung stehen und was aus deren Sicht weiter möglich ist“. Der Motorsportclub bekomme schon erste positive Rückmeldung, bis hin zu Zusagen, „dass Partner mit bereits geschlossenen Verträgen bei einer Absage mit uns zu einer gütlichen Einigung kommen würden“.

Das Umfeld sei in dieser schwierigen Zeit „sehr solidarisch und dafür sind wir sehr dankbar“. Dennoch berge eine Absage ein finanzielles Risiko, „das wir gerade auch durchrechnen“. Eine Absage des Termins werde den Verein in keine Krise bringen, aber gesteckte Ziele müssten überprüft werden. „Wir haben in den letzten Jahren gut gewirtschaftet und sind es gewohnt, mit spitzem Bleistift zu arbeiten. Ob wir Unterstützung von Corona-Beihilfen benötigen, können wir erst einschätzen, wenn wir Klarheit haben“, sagt Schweda. Die Vereinsarbeit bleibe dadurch „aktuell unbeeinflusst“.

Der Verein werde in diesem Monat seinen Neubau auf dem Renngelände aufrichten „und alles, was möglich ist, nach behördlichen Freigaben wieder anfahren“. Derzeit liegen die Konsequenzen auf der Hand: „Club­abende, Ausflüge und sonstige Termine sind nicht möglich, stehen auf der Kippe oder müssen verschoben werden.“ Aber die Sportfahrer des MSC Gaildorf stünden schon in den Startlöchern und hofften, in Kürze wieder trainieren zu dürfen. Ralf Schweda hält es für wichtig, „den Trainingsbetrieb unter Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen wieder freizugeben“.

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Eine Geisterveranstaltung, wie es sie in der Fußball-Bundesliga gibt, hält man beim MSC aus finanzieller Sicht für nicht machbar. TV-Einnahmen seien, mit Ausnahme der MX1-Weltmeisterschaft, wie bei den meisten Sportdisziplinen, nicht vorhanden. Deshalb sind die Gaildorfer Motorsportler auf die Fans angewiesen. „Wir könnten uns eine Veranstaltung ohne Zuschauer auch gar nicht vorstellen“, stellt Schweda klar. Eine Veranstaltung ohne Zeltbetrieb wäre als „Plan B“ denkbar, würde aber „unser besonderes Flair zerstören, außerdem würden uns Einnahmen fehlen und wir könnten unsere Sponsorenverträge nicht voll erfüllen“. Ob das finanziell tragbar sei, prüfe man gerade und werde das „mit in eine Entscheidung einfließen lassen“.

Abwägen und entscheiden

Eine Veranstaltung, wie man es auf der Gaildorfer „Wacht“ gewohnt ist, werde „unter den aktuellen Vorzeichen mit der Angst vor dem Virus, den wirtschaftlichen Herausforderungen und den persönlichen finanziellen Einschränkungen unserer Fans ebenfalls nicht einfach werden, aber wir würden aus aktueller Sicht, wenn alles passt, versuchen, die Veranstaltung zu machen und etwas zur wiederkehrenden Normalität beitragen“. Im Vordergrund stehe die Gesundheit „von uns allen und deshalb werden wir, wenn es bis Ende Juni keine Veränderung der Situation gibt, uns mit der Absage der Veranstaltung neu auseinandersetzen“.

Verantwortung zeigen

Wenn die Behörden oder der ADAC vorher schon eine Veranstaltung im September untersagen, „werden wir unsere Veranstaltung ebenfalls absagen, denn noch später im Jahr sehen wir ein Event auf Grund der äußeren Voraussetzungen nicht durchführbar“, so die Einschätzung der Gaildorfer ADAC-MX-Masters-
Gastgeber.

Schweda sieht auch soziale Faktoren und meint: „Jedes Menschenleben, das durch die Pandemie verloren wird, ist eines zu viel. Auch wir beim MSC Gaildorf haben mit unseren Ehrenmitgliedern und all den älteren freiwilligen Helfern, die zur Risikogruppe gehören, Menschen, die uns wichtig sind und die wir nicht in Gefahr bringen möchten. Deshalb wird am Ende die Vernunft entscheiden müssen und wir werden bei einer im September anstehenden Gefährdungslage keine Veranstaltung ausführen.“