„Barrierefreies Abtsgmünd“ hat sich die Gemeinde auf die Fahnen geschrieben. Auf dem Weg dorthin konnte vor Kurzem mit der Eröffnung der „Toilette für alle“ im Rathaus Abtsgmünd ein weiterer Baustein gesetzt werden. Das Interesse bei der Eröffnung des etwas anderen stillen Örtchens war groß. Rund 30 Mitglieder des Gemeinderats, des Seniorenrats, des Seniorenfahrdiensts und anderer sozialer Einrichtungen nutzten die Möglichkeit, sich die „Toilette für alle“ genau erklären zu lassen.

Was sich hinter dem etwas sperrigen Begriff „Toilette für alle“ verbirgt, wussten bislang nur wenige. Bisher war den meisten nur eine normale Rollstuhl-Toilette bekannt. Eine „Toilette für alle“ allerdings ermöglicht einen menschenwürdigen Wechsel von Windeln bei Erwachsenen. „Sonst bleibt nur, Windeln auf dem Fußboden einer öffentlichen Toilette zu wechseln, auf der Rückbank des Autos oder auf der grünen Wiese“, erläuterte Jutta Pagel-Steidl, Geschäftsführerin des Landesverbands für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg (LVKM).

Doch dazu braucht es viel Platz und zusätzlich eine höhenverstellbare Wandklappliege für Erwachsene, einen Lifter zum Transfer vom Rollstuhl auf die Liege sowie einen Windeleimer. „Wir haben intensiv nach einem passenden Raum für eine solche Einrichtung gesucht. Am Ende zeigte sich, dass nur die bereits vorhandene Rollstuhl-Toilette im Abtsgmünder Rathaus groß genug war, um sie zu einer ‚Toilette für alle’ zu erweitern“, so Bürgermeister Armin Kiemel.

Toilette für alle bekam einen Zuschuss vom Sozialministerium

Für das Vorhaben wurden 13.150 Euro investiert. Das Ministerium für Soziales und Integration förderte die Ausstattung mit einem Zuschuss von 90 Prozent. Bürgermeister Kiemel dankte stellvertretend dem LVKM für die Unterstützung. Die „Toilette für alle“ im Rathaus Abtsgmünd ist die vierte im Ostalbkreis. „Da es keine gesetzliche Verpflichtung gibt, braucht es Bürgermeister und Gemeinderäte, die offen sind für das Anliegen“, so Pagel-Steidl. Gemeinsam habe man an einem Strang gezogen, um eine passgenaue Lösung zu finden. Flankierend zur Seite stand dabei auch Dieter Hebel, der Vorsitzender des Körperbehindertenvereins Ostwürttemberg ist, in Abtsgmünd wohnt und auch im Seniorenrat aktiv ist. Die beste Konzeption für Barrierefreiheit „nützt nichts, wenn sie nicht in der Praxis ankommt“.

Ab sofort steht die „Toilette für alle“ während der Öffnungszeiten des Rathauses für alle offen. Außerdem ist sie bei größeren Veranstaltungen auf dem Rathausplatz zugänglich. Sie ist ausgestattet mit einer höhenverstellbaren Wandklappliege, einem an der Wand befestigten Patientenlifter sowie einem Windeleimer. Ein Hebetuch (Gurt) ist ebenfalls vorhanden.