Gaildorf Lebensraum seltener Falter

Naturschützer des Nabu Gaildorf-Limpurger Land, rechts ihr Vorsitzender Karl-Heinz Johe, betrachten mit Dr. Robert Güsten (Zweiter von rechts) einen Esparsetten-Bläuling. Der Standort Auf der Wacht ist einer von nur 35 deutschlandweit, wo dieser Bläuling vorkommt.
Naturschützer des Nabu Gaildorf-Limpurger Land, rechts ihr Vorsitzender Karl-Heinz Johe, betrachten mit Dr. Robert Güsten (Zweiter von rechts) einen Esparsetten-Bläuling. Der Standort Auf der Wacht ist einer von nur 35 deutschlandweit, wo dieser Bläuling vorkommt. © Foto: ka
Gaildorf / Cornelia Kaufhold 24.07.2018
Im Auftrag des Staatlichen Museums für Naturkunde Karlsruhe erforschen zwei Biologen bedrohte Schmetterlingsarten. Ein Schwerpunkt ist Gaildorf.

Bleiern hängt die Luft über der Wiese. In deren hinterem Teil eilt ein Mensch in gebückter Haltung durchs Gras,  holt mit dem Kescher in seiner rechten Hand aus, lässt ihn ins Gras sausen. Ob er sein  angepeiltes Insekt gefangen hat, ist aus der Entfernung schwer auszumachen. Dr. Robert Güsten trocknet sich mit einem Handtuch den Schweiß von der Stirn. „Das Geschlecht des Falters ist schwer zu bestimmen“, sagt er. Seine Zuhörer  lauschen aufmerksam seinen Ausführungen.

Auf Pflanze spezialisiert

Eine Frau schaut gebannt auf den Plastikbehälter in ihrer Hand. Er enthält einen Esparsetten-Bläuling. Obwohl der Tagfalter in seinem Gefängnis flattert, sind die weiß umkringelten, schwarzen Punkte auf seinen Flügeln deutlich zu erkennen. Die Flügelränder sind von rostfarbenen, blütenähnlichen Tupfen umsäumt. Hübsch. Aber nicht sein Aussehen macht diesen Bläuling so besonders. Er ist eine sehr seltene Art, denn seine Nahrungsquelle ist ausschließlich jene Pflanze, die ihm seinen Namen gibt, die Esparsette.

Und exakt diese Pflanze wächst auf diesem Stück Magerrasen neben der Motocross-Strecke. Sie gehört Ralf Nisener. Dr. Güsten ist mit seinem Kollegen Dr. Matthias Sanetra aus Darmstadt angereist, um auf jenem Stück Wiese und der benachbarten Wacholderheide das Vorkommen und die Lebensbedingungen des Esparsetten-Bläulings und von Nachtfaltern aufzunehmen. Diese Arbeit ist Teil eines auf drei Jahre angelegten und von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg geförderten Projekts. Der Esparsetten-Bläuling ist eine von zehn darin untersuchten Arten, von denen einige auf der Roten Liste stehen. Er ist lediglich noch an drei Standorten an Kocher und Jagst zu Hause. Güsten reicht eine Karte herum, auf der die Standorte akribisch vermerkt sind.

Die Exkursionsteilnehmer, Nabu-Mitglieder aus Gaildorf, Schwäbisch Hall und aus dem Taubertal, fachsimpeln. Es geht um den Zeitpunkt der Mahd. Erfolgt sie zu früh, fehlt der Raupe die Nahrung. „Wir empfehlen die Mosaikmahd“, sagt Güsten, „wenn immer nur ein Teil gemäht wird, findet die Raupe an anderer Stelle Nahrung.“ Es sei schwierig, den passenden Zeitpunkt festzulegen, denn er schwankt je nach Witterung, weiß Rolf Prosi. Der Schmetterlingsexperte aus Aalen steht in engem Kontakt mit den Wissenschaftlern aus Darmstadt und meldet ihnen, wenn er neue Vorkommnisse seltener Schmetterlinge entdeckt. Diese Informationen werden in der Landesdatenbank für Schmetterlinge erfasst.

Ameise als Partner

Güsten wischt sich erneut über die Stirn und zeigt ein Foto einer Raupe auf einem Stengel Esparsette. Eine Ameise sitzt auf ihrem Körper. „Sie saugt zuckerhaltige Lösung, die die Raupe abscheidet. Die Ameise schützt sie vor Raubwanzen“, sagt der Biologe und deutet auf zwei weiße Stifte an einem Ende der grüne Raupe. „Durch diese Drüsen sondert sie Botenstoffe ab, um die Ameisen vor Fressfeinden zu warnen“, erklärt er.

Einer von 30 Spezialisten

Er ist Spezialist für Ameisen, von denen 13.000 Arten weltweit beschrieben und wohl viele noch unentdeckt sind. Auch die Spezialisten für Ameisen sind rar. Güsten schätzt die Zahl der Fachleute in Deutschland, die Ameisen bestimmen können, auf 30.

Die Gruppe geht zur Wacholderheide, entdeckt dort unter vielen Bläulingarten ein Esparsetten-Widderchen. Sechs Stück sitzen auf einer Knautie, der Witwenblume. Güsten ist begeistert, greift zur Wasserflasche und nimmt einen kräftigen Schluck. Zum Einbruch der Dunkelheit stellt Uwe Knorr vom Nabu Schwäbisch Hall spezielle, mit Tüll ummantelte UV-Leuchten im Gelände auf, um Nachtfalter anzulocken. Für Karl-Heinz Johe ist der Abend „recht spannend, was da alles kam, das Große Eichenkarmin zum Beispiel. Das habe ich noch nie gesehen.“ 90 Nachtfalterarten, schätzt Knorr, flattern um die Leuchte, darunter einige Raritäten wie der Grüne Flechten-Rindenspanner oder das Gelbe Ordensband und die Ahorn-Rindeneule.

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