Sulzbach-Laufen Abschied von der Fichte

Die Dürre und der damit einhergehende Käferbefall macht den Bäumen zu schaffen. Revierförster Brucklacher sagt, dass die Fichte in Deutschland keine Zukunft hat. Jetzt müssten Bäume gepflanzt werden, die dem Klimawandel trotzen können.
Die Dürre und der damit einhergehende Käferbefall macht den Bäumen zu schaffen. Revierförster Brucklacher sagt, dass die Fichte in Deutschland keine Zukunft hat. Jetzt müssten Bäume gepflanzt werden, die dem Klimawandel trotzen können. © Foto: vk
Sulzbach-Laufen / swp 07.12.2018
Die Forstbetriebsgemeinschaft Sulzbach-Laufen schaut im Gasthaus Steinäckerle in Sulzbach auf das abgelaufene Jahr. Das dreistündige Treffen bietet viele aktuelle Informationen und hat zudem Fortbildungscharakter.

Im Jahr 2019 wird es insbesondere um die künftige Holzvermarktung ab 2020 gehen. Dieses Thema zog sich auch querbeet durch alle Grußworte und Fachvorträge des Abends, teilt die Forstbetriebsgemeinschaft mit. Ulrike Staudt von der Forstkammer Baden-Württemberg berichtete über Entwicklungen im abgeschlossenen Kartellverfahren und den daraus resultierenden Konsequenzen. Das Land übernimmt ab 2020 keine Haftung mehr und so sind die Landkreise und Kommunen sowie die Privatwaldbesitzer darauf angewiesen, neue Verkaufsplattformen für den Holzabsatz zu schaffen. Ein Verkauf über das Land mit ForstBW ist nicht mehr möglich. Allerdings wurde sehr positiv aufgenommen, dass die Beförsterung auch künftig bei der Unteren Forstbehörde bleiben kann. Somit dürfte für die Privatwaldbesitzer und die Gemeinde Revierförster Jörg Brucklacher zuständig bleiben, was von der Versammlung sehr positiv aufgenommen wurde.

Bürgermeister Markus Bock berichtete über das abgelaufene Waldwirtschaftsjahr, für die Sägeindustrie Bernd Hirschbach und Oliver Herrmann von der Holzverkaufsstelle. Das größte Problem ist die massive Trockenheit plus dem großflächigen Käferbefall. In Kombination mit einigen Stürmen fielen 2018 in Zentraleuropa circa 100 Millionen Festmeter Kalamitätsholz an. Diese enormen Holzmengen führen zu einem massiven Preisverfall. Da viele Sägewerke kaum mehr Holz aufnehmen können und sämtliche Kapazitäten ausgereizt sind, raten die Forstbehörden von einem Frischholzeinschlag ab. Dies wiederum führt aber zu einer Brennholzverknappung. Auch im nächsten Jahr wird mit massivem Käferbefall gerechnet, der wohl ab Mai einsetzen wird.

Jörg Brucklacher beleuchtete die aktuelle Waldsituation mit den Dürreschäden. Besonders die heimischen Fichten vertragen keine dauerhaft steigenden Temperaturen und sind auch im Hinblick auf Dürre und Trockenheit anfällig. Die von Jörg Brucklacher aufgezeigten Prognosen zeigen, dass bis zum Jahr 2050 die Fichte in Deutschland kaum eine Zukunft hat. Er ging auf eine drei-Punkte-Strategie ein. Punkt eins ist seiner Ansicht nach die Risikostreuung. Es müssen in Zukunft Baumarten ausgewählt werden, die mit dem sich verändernden Klima zurechtkommen. Punkt zwei der Strategie wäre eine gesunde Durchmischung der Wälder, weg von den Monokulturen. Strategiepunkt drei wäre eine Vitalisierung durch intensive Waldpflege, so auch das Auslichten von zu eng stehenden Kulturen um vitalere und größere Baumkronen zu schaffen.

In den Kommunen kam es wegen einer neuen Order des Landratsamtes zur Reisigverbrennung zu Verunsicherung. Demnach dürfen Privatpersonen kein Reisig oder Grünabfälle mehr verbrennen, da im Zweifelsfall nicht zugeordnet werden könne, ob es sich bei dem gemeldeten Brand tatsächlich um dieses gemeldete Feuer handelt. Jörg Brucklacher wies aber deutlich darauf hin, dass entgegen der Aussage im Merkblatt des Landratsamtes Reisigfeuer nach Paragraph 41 Landes-Waldgesetz zulässig sind.

Landratsamt verunsichert

Allerdings trägt der Forstwirt oder Eigentümer auch die Verantwortung, dass daraus kein Waldbrand entsteht. Sämtliches Reisig auf den landkreiseigenen Annahmestellen abzugeben, würde wohl nicht funktionieren, da diese gar nicht die notwendigen Kapazitäten aufweisen, so Brucklacher.

Für Unmut sorgt bei der Forstwirtschaft, den Sägern und den Holztransportunternehmen die Langholzbeschränkung auf künftig 19 Metern. Ab 1. Januar 2019 darf Langholz nicht mehr wie seither mit 20 Metern, sondern nur noch mit 19 Metern Länge, transportiert werden.

Der Vorsitzende Wolfgang Fahr trug der Versammlung den Jahresrückblick 2018 und einen Ausblick auf 2019 vor. Besondere Highlights waren der zweitägige Ausflug nach Oberfranken/Südthüringen sowie die Wanderung am 15. April zum Tag des Baumes zusammen mit dem Albverein unter Leitung von Forstdirektor Hermann Kirschstein.

Die Regularien waren flott abgearbeitet. Der Kassenbericht von Helmut Hähnle weist einen Jahresüberschuss aus. Die Kassenprüfer hatten nichts auszusetzen. Die Entlastung war einstimmig.

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