Die Erddeponie Michelbachwiesen hat am Freitagabend den Fichtenberger Gemeinderat beschäftigt. Verbandsbaumeister Manfred Sonner war eigens in die Gemeindehalle gekommen, um die Räte auf eine Entdeckung aufmerksam zu machen, die die seitherigen Pläne für die Deponie praktisch über den Haufen wirft.

Denn: In Teilen der genehmigten und noch nicht genutzten Deponiefläche südöstlich Michelbächle liegt ein Feuchtbiotop. Es hat eine Fläche von knapp 6800 Quadratmetern. Offenkundig wurde das bereits im vergangenen Jahr bei einer Prüfung der Unterlagen im Schwäbisch Haller Landratsamt. Es folgte ein Ortstermin mit Vertretern von Landratsamt und Gemeinde. Unterm Strich bleiben nach Meinung der Experten nur zwei Lösungen: Entweder wird die Auffüllfläche soweit reduziert, dass das Biotop nicht beeinträchtigt wird, oder an anderer Stelle wird ein entsprechender Ausgleich geschaffen. Dann müsste allerdings auch eine Flächendrainage auf dem genehmigten Areal angelegt werden. Mehrere hunderttausend Euro würde das kosten
Sonners Position ist in dieser Frage eindeutig: Er empfiehlt eine Verkleinerung der Deponie. Denn er sieht ein weiteres Problem: Verfüllt man auch das Gelände, auf dem das Feuchtbiotop liegt, tritt nach der Rekultivierung Grundwasser aus. Dieses müsste dann beprobt werden. „Und da haben wir dann das Risiko einer Phosphat-Ausschwemmung“, erklärt Sonner. Die wiederum hätte weitreichende Folgen: Liegt auch nur eine Probe über dem erlaubten Grenzwert, müsste fortan das gesamte austretende Wasser gereinigt werden, ehe es in den Umweltkreislauf gelangt. Das brächte einen immensen Aufwand und damit hohe Kosten mit sich.

Michelbach

Wieso wurde das nicht bereits bei der Genehmigung der Fläche als Erddeponie bemerkt? Darauf hat Sonner eine einfache Antwort: Seinerzeit gab es noch keine Biotopkartierung. Heute weiß man jedoch, dass das Biotop mit der Nummer 170241270040 auf dem genehmigten Areal liegt.
Nach seinen Ausführungen bekräftigt Sonner seine Empfehlung, die Deponie kleiner zu planen als ursprünglich vorgesehen und dem Feuchtgebiet somit auszuweichen. In Zahlen bedeutet das, dass sich das noch verfügbare Auffüllvolumen von 60.000 auf 22.000 Kubikmeter reduziert. Bei einer durchschnittlichen Auffüllung von 4000 Kubikmeter im Jahr – 2018 waren es 5424, im Vorjahr 5004 Kubikmeter – hätte die Erddeponie eine Restlaufzeit von fünfeinhalb Jahren. Kommunale und private Baustellen in der Gemeinde sind die „Lieferanten“ des Aushubs.

Knappes Gut

Wie soll die Gemeinde nun mit dieser Sachlage umgehen? Der Beschlussvorschlag, das Feuchtbiotop aus der Deponiefläche herauszunehmen, wurde bei zwei Enthaltungen angenommen. Danach entspann sich eine Diskussion zu der Frage, ob auch künftig Privatleute anliefern dürfen. Schließlich ist die noch verfügbare Fläche nun ein knappes und damit kostbares Gut. Bürgermeister Roland Miola schlug schließlich vor, dass künftig nur noch die Gemeinde anliefern darf, man aber gleichzeitig nach neuen Flächen Ausschau halte, die als Erddeponie in Frage kommen. Dieser Vorschlag wurde bei einer Enthaltung angenommen. Wer also künftig in Fichtenberg Erdaushub zu beseitigen hat, muss zur Deponie einer anderen Gemeinde ausweichen oder mit seinem Bauunternehmen eine Entsorgungsmöglichkeit besprochen.

Schwäbisch Hall