Der Besucher der Stadtverwaltung lässt die Stellwand der Zukunftswerkstatt rechts liegen. Auf Fotos erklärt die Initiative in wenigen Worten, wie der Bahnhof-West für Rollstuhlfahrer, ältere Menschen mit Gepäck oder Familien mit Kinderwagen problemlos erreichbar sein könnte. „Wo ein Wille ist, ist auch Gleis 1 machbar“, steht unten rechts als Resümee.

Das Thema Barrierefreiheit des Bahnhofs Gaildorf-West ist nur eines auf der Agenda der Ini­tiative. „Wir arbeiten öffentlich“, sagt Gabi Schagemann und deutet auf die beiden Info-Hotlines. Unter 07971/ 4433 und 07971/9559 erfahren interessierte Bürgerinnen und Bürger bei ihr oder Martin Schumacher, wo und wann sich die Zukunftswerkstatt das nächste Mal trifft. „Wir sind bis zu 15 Leute“, erklärt die Buchhändlerin. „Es macht Spaß, mitzuarbeiten“, versichert Hans-­Peter Rzesnitzek. Der pensionierte Gymnasiallehrer bringt sich im Arbeitskreis Barierrefreier Bahnhof ein. „Ich fahre viel mit der Bahn und kenne mich ganz gut aus“, sagt er.

Umgesetzte Projekte

Ganz bescheiden, auf der Rückseite der Stelltafel führt die Zukunftswerkstatt „bereits umgesetzte Maßnahmen“ auf. Der Stadtseniorenrat wurde als Erstes ins Leben gerufen. Seine Treffen am ersten Donnerstag im Monat im Rathaus sind öffentlich. Der Pirschpfad beim Geologischen Pfad ist etwas versteckter. „Über einen QR-Code ist mehr über die jeweiligen Tiere zu erfahren“, informiert die Zukunftswerkstatt. Die Schülerfirma der Parkschule hat den Pfad in Kooperation mit der Firma Rommelag angelegt. Ein drittes Projekt ist die Umgehungsstraße. „Sie war unser Anstoß“, sagt Gabi Schagemann. Sie beschäftigt sich mit Ideen, um auf den 49. Breitengrad aufmerksam zu machen, der mitten durch die Stadt führt. Im Masterplan wurden dazu bereits einige Vorschläge gemacht. Auch diese sind auf der Homepage der Stadt Gaildorf unter Leben/Wissenswertes hinterlegt.

Eine bessere Verkehrsführung für Radfahrer ist ein weiteres Thema. Die Initiative will sich vom Scheitern Gaildorfs in der ersten Bewerberrunde für die Kleine Gartenschau nicht entmutigen lassen. „Wir bleiben dran. In diesem Zusammenhang wollen wir die Bemühungen forcieren, unsere Stadt schöner zu machen. Jeder, der Lust hat, mitzuarbeiten, ist willkommen“, so die Sprecherin der Zukunftswerkstatt. Sie arbeitet in dieser Sache mit den Kleingärtnern des Obst- und Gartenbauvereins zusammen.

„Wir brauchen nicht Leute, die kritisieren, sondern solche, die eine Affinität zum oder eine Ahnung vom Thema haben“, präzisiert Schagemann. Beim Gaildorfer Samstag 2017 hat sie das erste Entenrennen organisiert, in diesem Sommer ein zweites mit dem Ziel, den Abmangel des Gaildorfer Freibads zu verringern. Die Entenrennen haben jeweils etliche Tausend Euro in die Kasse gebracht. Schagemann: „Wir freuen uns über diese Erfolge.“

Strategien zur Diskussion

Die Grünen-Abgeordnete Jutta Niemann hatte Rzesnitzeks Vorschlag für den barrierefreien Bahnhof aufgegriffen und erhielt eine Antwort des Verkehrsministeriums. „Unser Ziel ist es, eine breitere Öffentlichkeit für dieses Thema zu mobilisieren“, erklärt Rzesnitzek. Den Verkehr von Gleis 2 auf das Gleis 1 zu verlegen, erscheint ihm die plausibelste Lösung. „Eine andere wäre, den Aufgang zu Gleis 2 so zu verlängern, dass er weniger steil ist, und die Unterführung bis zum Bahnhofsvorplatz zu ziehen. Das wäre eine teure Angelegenheit“, meint der pensionierte Lehrer. Die Zukunftswerkstatt will jetzt über ihre weitere Strategie diskutieren.