Eutendorf Landfrauen erschüttert: Scheitert’s am Raum?

Mit dieser Poster-Collage haben die Eutendorfer Landfrauen 2016, zum großen 925-Jahr-Jubiläum Eutendorfs und Ottendorfs, ihre vielfältigen Aktivitäten in Szene gesetzt. Diese Arbeit ist nun wegen akuter Raumnot in Gefahr.
Mit dieser Poster-Collage haben die Eutendorfer Landfrauen 2016, zum großen 925-Jahr-Jubiläum Eutendorfs und Ottendorfs, ihre vielfältigen Aktivitäten in Szene gesetzt. Diese Arbeit ist nun wegen akuter Raumnot in Gefahr. © Foto: Archiv der Landfrauen Eutendorf
Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 06.04.2018
Der Eutendorfer Landfrauenverein darf den Raum im Kindergarten Großaltdorf nicht mehr nutzen. So will es das Gesetz. Die Stadt sucht eine Alternative.

Hängt die Zukunft des engagierten Eutendorfer Landfrauenvereins von 86 Quadratmetern ab? Im Moment sieht es danach aus. Wie berichtet, darf der Raum im Obergeschoss des Kindergartengebäudes in Großaltdorf, den die Landfrauen seit nunmehr 25 Jahren mit Leben erfüllen, nicht mehr „fremdgenutzt“ werden. Darauf hat der Kommunalverband Jugend und Soziales (KVJS) Baden-Württemberg unter Hinweis auf die Rechtslage die Stadt Gaildorf aufmerksam gemacht.

In der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrats von Eutendorf hatten Bürgermeister Frank Zimmermann und Ortsvorsteher Jürgen Jäckel – nach einem Gespräch mit der Landfrauen-Vorsitzenden Hannelore Hohloch – die prekäre und auch für sie überraschende Situation öffentlich gemacht. Der Hintergrund: Die im Bundeskinderschutzgesetz definierten Normen werden strenger als bisher ausgelegt, das Thema Kinderschutz im Allgemeinen erheblich sensibler behandelt als noch vor wenigen Jahren. Demzufolge darf der Raum – der auch für die Kinderbetreuung genutzt wird – während des Kindergartenbetriebs nicht anderweitig belegt sein. Der Gesetzgeber will damit verhindern, dass sich andere Nutzer „unkontrolliert“ im Gebäude bewegen.

Bitte um zeitnahe Lösung

Das heißt: In den Abendstunden dürften sich die Landfrauen dort aufhalten. Ein schwacher Trost, denn an vier von fünf Betriebstagen des Kindergartens herrscht auch tagsüber Bedarf – dann nämlich, wenn der Landfrauenverein Veranstaltungen wie Vorträge oder Kurse mit viel Publikum anbietet. Zumindest auf dieser Ebene lässt sich der Raum-Konflikt also nicht lösen.

Silke Wied, stellvertretende Vorsitzende, nutzte nun die Bürgerfragestunde der jüngsten Gemeinderatssitzung für einen Appell an Stadtverwaltung und Stadträte, gemeinsam und zeitnah eine Lösung zu suchen. Zuvor hatte sie auf das gesellschaftliche Engagement ihres Vereins hingewiesen und dessen Arbeit skizziert. Allein in den Sportgruppen mit vier Kursleiterinnen seien 125 Teilnehmerinnen aktiv. Weiter nannte sie das Angebot „Frühstück 50 Plus“, Tanzkurse und vieles mehr. „Damit“, so Silke Wied, „bilden wir ein ganzes Leben ab“ – mit einem Programm, das von Menschen der gesamten Stadt in Anspruch genommen werde. Darüber hinaus leisteten die Landfrauen auch einen wertvollen Beitrag zur Integration neuer Mitbürger.

Diese Arbeit wird längst auch landesweit beachtet. Silke Wied: „Wir gelten als beispielhafter Verein!“ Deshalb bat sie alle Beteiligten, Stadtverwaltung wie Gemeinderat, „um Verständnis, dass wir schockiert sind!“. Ihr Plädo­yer fand nicht nur Zustimmung in den Reihen vieler Bürger, die zur Sitzung gekommen waren, sondern auch am Ratstisch.

„Auch wir waren schockiert“, kommentierte Rathauschef Frank Zimmermann den deutlichen wie verbindlichen Hinweis des Kommunalverbands, der fast 9000 Kindertagesstätten und rund 500 Jugendheime im Land beaufsichtigt. Aber er könne an den rechtlichen Rahmenbedingungen nichts ändern, „das ist auch für uns neu“. Die Verwaltung arbeite derzeit mit Hochdruck an einer Lösung, um die Eutendorfer Landfrauen, „einen der aktivsten Vereine der Stadt“, zu unterstützen.

Angebote auf der Kippe

Alternative Hallenplätze im Stadtgebiet gebe es, räumte der Bürgermeister ein, eventuell könnten solche für eine gewisse Übergangszeit genutzt werden. Als Übergangslösung könnten sich die Landfrauen eine Nutzung des Sängerraums der Altdorfer Sing- und Spielgemeinschaft vorstellen, heißt es dazu sinngemäß in einem Schreiben, das der Stadtverwaltung vor der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrats zugegangen war.

Stünde den Landfrauen in Zukunft kein Raum mehr zur Verfügung, sieht der Vereine viele seiner Angebote auf der Kippe. Auf der anderen Seite kann die Stadt nicht auf das Obergeschoss des Kindergartens verzichten; für die Kinderbetreuung werden diese Kapazitäten dringend benötigt.

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