Oberrot „Späte Sorten hängen lassen“

Der kleine Philipp hat im Oberroter Ortsteil Stiershof auf seiner Streuobstwiese ganz schön zu tun. Die auf dem Boden liegenden Äpfel sind allerdings aufgrund der Trockenheit „notreif“ vom Baum gefallen. Das ist für die Safthersteller kein idealer Rohstoff.
Der kleine Philipp hat im Oberroter Ortsteil Stiershof auf seiner Streuobstwiese ganz schön zu tun. Die auf dem Boden liegenden Äpfel sind allerdings aufgrund der Trockenheit „notreif“ vom Baum gefallen. Das ist für die Safthersteller kein idealer Rohstoff. © Foto: Anastasia Guseva
Oberrot / Peter Lindau 12.09.2018
Beim Fruchtsafthersteller Streker in Aspach ist man mit der aus Oberrot angelieferten Obstqualität zufrieden. Viel Ware ist biozertifiziert.

Im Rottal ist die Zeit der Alkoholproduktion vorbei – zumindest im großen Stil in Form einer Verschlussbrennerei. Die Obstgemeinschaftsbrennerei gibt es nicht mehr. Doch noch immer rattern Traktoren in Richtung Industriegebiet. Auf den Ladeflächen der Anhänger liegen jede Menge Äpfel. Bei der Wengel KG werden diese vorsichtig in große Silos gekippt. Die Früchte werden alle paar Tage nach Aspach gefahren. Dort verarbeitet sie die Firma Streker Natursaft weiter.

Die Firma Streker ist der neue Partner der rund 1000 ehemaligen Mitglieder der Obstgemeinschaftsbrennerei. Streker unterstützt diese auch bei der Zertifizierung ihrer Erzeugnisse nach dem Bio-Label der Europäischen Union. Das kostet zwar jährlich zwischen 130 und 150 Euro, doch dafür wird für einen Doppelzentner Bioäpfel auch rund das Dreifache wie für normale Ware gezahlt. Bei einer entsprechenden Liefermenge klingelt es dann ordentlich in der Kasse, denn Bio liegt im Trend und gute Rohware ist gefragt.

Ist man bei Streker denn auch mit der Qualität der aus dem Rottal angelieferten Äpfel und künftig auch Birnen zufrieden? Die Antwort von Streker-Geschäftsführerin Petra Streker fällt positiv aus: „Bisher wird den Umständen entsprechend gute Qualität angeliefert.“ Und die Trennung von Äpfeln und Birnen „klappt bisher auch bei Wengels gut“. Petra Streker zeigt sich positiv überrascht. Denn in diesem Punkt „waren wir uns in der Planungsphase nicht ganz so sicher, da diese Trennung bei der Alkoholherstellung nicht so wichtig war“.

Allerdings haben Hitze und lang anhaltende Trockenheit ihre Spuren auf den Streuobstwiesen hinterlassen. „Schwierig sind dieses Jahr die Äpfel, welche wegen der großen Hitze und Trockenheit einen Sonnenbrand bekommen haben“, weiß Petra Streker aus der Praxis der Saftherstellung zu berichten. Bei dem Tradionsbetrieb in Aspach „hoffen wir jetzt auf sinkende Temperaturen und ein wenig Regen, damit wir noch möglichst viele reife Äpfel bekommen“.

Aktuell werde bei Streker viel Obst angeliefert, „das notreif vom Baum gefallen ist“, was der lang anhaltenden Trockenheit geschuldet ist. Teilweise würden auch schon die späten Sorten abgeerntet, „weil die Stücklesbesitzer die vielen Äpfel auf dem Boden fälschlicherweise dahingehend deuten, dass der gesamte Behang schon reif ist“. Petra Streker appelliert daher an alle Streuobstwiesenbesitzer, „die späten Sorten noch hängen zu lassen, bis auch diese wirklich reif sind“.

Was den finanziellen Ertrag aus dem Geschäft mit Streuobst betrifft, liegt das Thema Bio voll im Trend. Der Prozess ist jedoch nicht ganz einfach und erscheint für viele auf den ersten Blick als übertrieben bürokratisch. Doch die Firma Streker bietet dabei ihre Hilfe an, die auch gerne und umfangreich in Anspruch genommen wird. „Die Anzahl an Streuobstwiesenbesitzern, die mit unserer Hilfe biozertifiziert wurden, ist etwas schwierig zu benennen, da sich diese auch teilweise zu kleineren und größeren Gruppen zusammengeschlossen haben“, sagt Petra Streker. Derzeit seien es etwa 200 Lieferanten, „welche direkt von uns betreut werden, hinzukommen die über unsere Partner zertifizierten Stücklesbesitzer“.

175 Jahre Tradition

Bei Streker hat man große Erfahrung in der Produktion von Fruchtsaft. Vor 175 Jahren gründete Michael Streker den Familienbetrieb. Sein Anspruch war die Herstellung qualitativ hochwertiger, schmackhafter und gesunder Getränke aus heimischen Früchten für die Menschen der Region. Das sei auch heute noch Unternehmensziel. Am Sonntag, 16. September, wird bei Streker Jubiläum gefeiert. Dazu ist die Öffentlichkeit auf das Betriebsgelände in Aspach eingeladen.

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