Serie „Sagenhafter Südwesten“: Dreharbeiten zur SWR-Serie haben begonnen

Oberrot / WERNER SCHMIDT 21.06.2016
Von Kelten, Kobolden, Geistern und Schätzen handelt die erste Folge der SWR-Dokumentationsreihe. Gedreht wurde in einem Oberroter Gewölbekeller. Start der Ausstrahlung ist am 2. September.

„Rülpst, schmatzt, macht all das, was die Römer beim Essen auch gemacht haben“, weist Regisseur Jo Müller zwei Schauspieler im Gewölbekeller des Fördervereins Freier Adelssitz in Oberrot an. Hier begannen vor kurzem die Dreharbeiten zu einer neuen SWR-Serie, die ab 2. September jeweils um 21 Uhr ausgestrahlt wird.

Mit dem „sagenhaften Südwesten“ befasst sich die zunächst vierteilige Dokumentationsreihe, und die erste Folge hat „mythische Orte“ zum Thema. Sie beschäftigt sich mit der anderen Welt der Kelten, erzählt von Märchen und Sagen, Kobolden, Geistern und Schätzen. Im Gewölbekeller in Oberrot speisen kameragerecht ein Kelte und ein Römer. Der Raum stammt ursprünglich aus dem ausgehenden Mittelalter und erinnert an römische Keller.

Hausherrin Maria Fassbender bedient die beiden Herren nicht nur in historischer Kleidung, sie hat auch für sie gekocht. Nach antiken Rezeptaufzeichnungen hat sie die Speisen zubereitet und reicht anschließend süßen und schweren Nachtisch. Datteln mit gehackten Nüssen: „Aber man muss sie von Hand hacken, sonst schmecken sie nicht“, sagt Maria Fassbender. Und kleine in Mohn gewälzte Kugeln, die aus Honig und anderen schmackhaften Zutaten bestehen.

Das Essen wird mit hauseigenen Kräutern verfeinert

Die zum gulaschähnlichen Hauptgericht gehörenden Kräuter zupfte sie im eigenen Garten und erfreut Regisseur Jo Müller damit. Er ist begeistert von der Aufgabe: „Wir wollen zeigen, wie einst die Kelten gewesen sind.“ Dafür ist das Team an viele Drehorte gereist. Man war bei den Giersteinen im Nordschwarzwald, hat für die Legenden im Südwesten aber auch Crailsheim besucht und die Sage von den Horaffen aufgegriffen. Ebenso spielt der auf ein Alter von 40.000 Jahren geschätzte Löwenmensch eine Rolle: „Keiner weiß, wie alt er wirklich ist. Aber von der Bedeutung her ist er ähnlich wie die Nofretete“, sagt Müller.

Als Regisseur sieht er sich lieber in einer Reihe mit Stanley Kubrik und John Ford als mit Quentin Tarantino. Jo Müller ist ein Erzähler, er möchte unterhalten, Geschichten erzählen und wachhalten. Und er erzählt, was in einem Spätwestern von John Ford ein Zeitungsreporter dem Filmhelden erzählte: „Wenn die Legende zur Wahrheit wird, dann druck die Legende!“ Daher seien die Filme von Jo Müller immer sehr nah an der Legende aufgebaut: „Wir wollen dem Geheimnis das Geheimnis belassen.“ Er möchte wissenschaftlich nicht ins Detail gehen, das historisch Fassbare aber anregend darstellen und erzählen.

Die „Dokumentationsreihe „Sagenhafter Südwesten“ blicke nicht nur zurück auf mythische und gruselige Orte und Geschichten, auf Käuze, Kräuterhexen, Kulte und Rituale, sondern auch nach vorn: „Wo steckt in der heutigen Gesellschaft noch der Puls einer vergangenen Zeit? Wie haben Grausamkeit, Gläubigkeit oder Naturverbundenheit das Leben verändert?“ Auch wolle man der Frage nachgehen, warum im Menschen das tiefe Bedürfnis nach Geheimnissen, Schauer und Gänsehaut stecke. Am 2. September geht die Suche los.

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