Gaildorf / RICHARD FÄRBER Seit Montag ist der Bahnhof Gaildorf im Besitz der Stadt. In der Gemeinderatssitzung Am Mittwochabend hat Bürgermeister Frank Zimmermann die Beweggründe erläutert, die zum Kauf geführt haben.

In Tausenderschritten gings nach oben. Am vergangenen Montag ließ die DB Netz AG bei der Herbstauktion des Auktionshauses Karhausen in Berlin zehn ihrer Objekte versteigern, darunter auch der Bahnhof Gaildorf West (die RUNDSCHAU hat berichtet). Dann stieg der Makler ein, den die Stadt Gaildorf als "Strohmann" in den BESL-Meistersaal am Potsdamer Platz geschickt hatte. Der telefonische Bieter sei noch bis 50 000 mitgegangen, danach habe die Stadt den Zuschlag für 51 000 Euro erhalten. Grunderwerbsteuer, Maklergebühr, Nebenkosten und das Aufgeld für das Autkionshaus mitgerechnet, wird der Erwerb des denkmalgeschützten Gebäudes den Gaildorfer Vermögenshaushalt außerplanmäßig mit 62 000 Euro belasten.

Die Entscheidung, sich an der Versteigerung zu beteiligen, fiel bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung in einer nicht-öffentlichen Sondersitzung des Gaildorfer Gemeinderates am Mittwoch vor einer Woche. Die Lage des Bahnhofs sei beispielsweise für den Einzelhandel relativ uninteressant, erklärte Zimmermann am Dienstag. Allerdings befinde sich das Gebäude in einer "wahrnehmungsexponierten Lage". Will sagen: Wer mit dem Zug nach Gaildorf kommt oder auch nur vorbeifährt, gewinnt angesichts des Bahnhofs einen ersten Eindruck von der Stadt - und der ist derzeit nicht gut.

Man sei auch verärgert über das Verhalten der Bahn, so Zimmermann. Sie lasse ihre Gebäude oft so lange vergammeln, bis die Gemeinden selbst initiativ werden. Auch die Möglichkeit, das Gebäude einem privaten Investor zu überlassen, sehe man eher kritisch: "Es war eine politische Entscheidung. Noch eine Spielhalle wollen wir nicht." Die Mehrheit der Gemeinderäte sei deshalb in der Diskussion zu dem Schluss gekommen, dass es vernünftige wäre, den Bahnhof selbst zu übernehmen, anstatt ihn einem "ungewissen Schicksal" zu überlassen. "Es war eine politschen Entscheidung", betont Zimmermann,

Jeden Preis hätte der Gemeinderat allerdings nicht bezahlt. Für die Versteigerung wurde ein Maximalgebot beschlossen, dessen Höhe am Mittwoch nicht genannt wurde. Auch ein Nutzungskonzept gibt es noch nicht, einige Ideen seien allerdings bereits geäußert worden. Man wolle den Bahnhof nun aber zunächst optisch auf Vordermann bringen, so Zimmermann an, außerdem werde man die Kosten für die einzelnen Sanierungsabschnitte ermitteln und sich nach Fördermöglichkeiten umschauen.