Mutlangen „Mutlanger Manifest“ kommt vor die Uno

Der Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll (Mitte, mit Baskenmütze) ist unter den Demonstranten, die das US-Militärdepot in Mutlangen drei Tage lang blockieren (Archivfoto vom 1. September 1983). Trotz monatelanger Proteste stimmte der Bundestag am 22. November 1983 der Stationierung von Pershing-II-Raketen mit atomaren Sprengköpfen in Mutlangen zu.
Der Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll (Mitte, mit Baskenmütze) ist unter den Demonstranten, die das US-Militärdepot in Mutlangen drei Tage lang blockieren (Archivfoto vom 1. September 1983). Trotz monatelanger Proteste stimmte der Bundestag am 22. November 1983 der Stationierung von Pershing-II-Raketen mit atomaren Sprengköpfen in Mutlangen zu. © Foto: DPA
Mutlangen / Simon Bödecker 19.04.2018
Mehrere Organisationen setzen sich ab kommender Woche in Genf für ein Atomwaffenverbot ein. Darunter sind auch Vertreter aus dem Ostalbkreis.

Die Vertragsstaaten des atomaren Nichtverbreitungsvertrages (NVV) kommen im Rahmen eines Vorbereitungskomitees vom 23. April bis zum 4. Mai in Genf zusammen. In einer gemeinsamen Delegation reisen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener deutscher Friedensorganisationen und engagierte junge Menschen nach Genf, um sich dort für ein Atomwaffenverbot einzusetzen – vor allem für die Jugendlichen und Studierenden eine gute Gelegenheit, das diplomatische Geschehen zu beobachten.

Die Delegation wird organisiert und getragen von der „Friedenswerkstatt Mutlangen“ und der Deutschen Sektion des „Internationalen Versöhnungsbundes“ und unterstützt von „Ohne Rüstung Leben“. Unter Leitung des langjährigen Friedensaktivisten Wolfgang Schlupp-Hauck aus Mutlangen fordert die Delegation die Einhaltung bestehender Abrüstungsverträge und das Inkrafttreten eines weltweiten Atomwaffenverbots.

Erinnerung an Abzug

Ausgangspunkt dafür ist das „Mutlanger Manifest 2017“, ein von den Bürgermeistern für den Frieden (Mayors for Peace) und der Friedensbewegung unterzeichneter Text. Das Manifest erinnert an den Abzug der Atomraketen aus Mutlangen vor 30 Jahren und warnt vor aktuellen nuklearen Gefahren: Mit der technischen Aufrüstung der Atomwaffen drohe eine neue weltweite atomare Aufrüstung. Unter anderem sind folgende Aktivitäten der Delegation geplant:

  • Montag, 23. April, 8.15 Uhr bis 11.58 Uhr: Mahnwache und Kunstaktion zum Konferenzauftakt auf der Place des Nations direkt vor der UNO. Künstlerische Performance und Sammlung internationaler Friedensgrüße. Der Zeitpunkt der Mahnwache erinnert an den Atombombenabwurf auf Hiroshima (8.15 Uhr), den Atombombenabwurf auf Nagasaki (11.02 Uhr) und den aktuellen Stand der „Doomsday Clock“ des Bulletin of the Atomic Scientists: zwei Minuten vor Zwölf.
  • Dienstag, 24. April, 15 bis 17 Uhr: Internationaler Workshop zum „Mutlanger Manifest“ und dem INF-Vertrag (Vertrag zur Abrüstung nuklearer Mittelstreckenraketen) mit Susi Snyder (Pax, Niederlande) und Pavel Podvig (UN Institute for Disarmament Research, Genf ).
  • Mittwoch, 25. April, vormittags: Generationsübergreifender Redebeitrag zum „Mutlanger Manifest“ von Wolfgang Schlupp-Hauck (Friedenswerkstatt Mutlangen) und Jessica Britsch (Praktikantin bei der Deutschen Friedensgesellschaft in Stuttgart) vor den Diplomaten des Vorbereitungskomitees.

Weitere Delegationen aus Deutschland werden nach Genf reisen. Darunter sind rund 30 Studierende der Universität Hamburg und der Technischen Universität Darmstadt, die im Rahmen eines Seminars zur Konferenz fahren.

Außerdem werden zahlreiche Vertreter der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN), dem Friedensnobelpreisträger 2017, sowie weitere Gruppen und Initiativen erwartet, die sich für ein Verbot von Atomwaffen einsetzen.

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