Gaildorf Motocross: „Man kann sich alles erarbeiten“

Für Henry Jacobi läuft es in der ADAC-MX-Masters derzeit gut. In Gaildorf will er seinen Vorsprung ausbauen.
Für Henry Jacobi läuft es in der ADAC-MX-Masters derzeit gut. In Gaildorf will er seinen Vorsprung ausbauen. © Foto: Rainer Kengeter
Gaildorf / Peter Lindau 07.09.2018
Henry Jacobi führt die Wertung in der ADAC MX Masters an. Die „Wacht“ in Gaildorf gehört zu seinen Lieblingsstrecken. Für das Wochenende peilt er einen Platz auf dem Podium an.

Henry Jacobi ist 21 Jahre alt und fährt leidenschaftlich gerne Motocross. Er startet in diesem Jahr in der MX2-Weltmeisterschaft und in der ADAC-­MX-Masters. Am Wochenende ist der Thüringer in Gaildorf live zu erleben. Vorab sprach er über seine Erwartungen an das Rennen, den Sport, die Rennserie und über sich selbst.

Du führst die ADAC-MX-Masters derzeit an. War das der Plan für diese Saison?

Henry Jacobi: Naja, unser Plan war, unter die Top 3 zu kommen. Dann hat sich Max Nagl am Finger verletzt und ist ausgefallen. Wir rückten nach vorne. Das ist natürlich super. Aber in diesem Sport kann man nicht alles planen.

Wie schätzt du deine Chancen für das Rennen in Gaildorf ein?

Relativ gut. Ich sag mal so, die anderen Fahrer sind alle nicht schlecht. Aber ich denke schon, dass ich eine Chance auf das Podium habe.

Was hältst du von der Gaildorfer Strecke?

Ich finde die richtig gut. Es ist eine meiner Lieblingsstrecken, wenn die Leute von der Strecken­arbeit die Strecke richtig griffig halten können. Sie ist technisch anspruchsvoll.

Wie wird deine Strategie sein?

Da gibt es nicht so viele Möglichkeiten. Ich möchte einfach die bestmögliche Platzierung einfahren. Was am Wochenende dabei rauskommt, werde ich schon sehen.

Kommst du gerne nach Gaildorf?

Ja, auf jeden Fall. Es sind immer viele deutsche Fans da, die Gaildorf noch immer als WM-Austragungsort im Kopf haben. Ja, ich komme echt gerne dahin. Es macht Spaß.

Was war dein eindrucks­vollstes Erlebnis in Gaildorf?

Beim 85er-Junior-Cup bin ich hingefallen. Dann habe ich aufgeholt und in der vorletzten Runde den Zweiten überholt und dann in der letzten Runde in der Zielkurve auch noch den Ersten.

Wann war das?

Das muss 2010 gewesen sein.

Welchen Stellenwert hat die Masters für dich?

Für mich ist sie die zweitwichtigste Serie, die ich dieses Jahr fahre. Ich finde die Masters nicht schlecht fürs Training. Natürlich ist die WM um Klassen besser. Da kommt der ADAC nicht mit. Als Rennserie finde ich die Masters echt gut. Sie ist aber keine WM.

Was könnte man an der Rennserie verbessern?

Ich finde, dass man die Belegschaft der Masters ändern sollte. Die Leute, die entscheiden, sind zu alt. Ja, ich finde, dass viele zu altmodisch denken, die da arbeiten. An den Austragungsorten und den Klassen kann man nicht viel ändern. Ich finde das so echt in Ordnung.

In der MX2 bist du in der Gesamtwertung unter den Top Ten. Geht da noch was nach vorne?

Ja, aber es wird schwierig. Ich bin nach dem WM-Rennen in der Türkei jetzt Zehnter in der Gesamtwertung. Und damit bin ich aber auch Schlusslicht der ersten zehn. Nach vorne könnte da noch einiges gehen. Wenn alles gut läuft, könnte ich noch einen Platz gutmachen. Bis Platz 7 ist rechnerisch noch was möglich.

Mit welchem Bike fährst du in der Masters und mit welchem in der MX2?

Husqvarna TC 350 in der Masters und Husqvarna TC 250 in der WM.

Hast du ein Wunschbike?

Ich finde, ich habe mein Wunschbike.

Macht es Sinn, wichtige Komponenten wie das Fahrwerk deiner Husqvarna FC 350 zu leasen?

Ja, das ist natürlich ein Trend. Dieses Fahrwerk kann man nicht kaufen. Das macht auch Sinn so. Das bekommen nur die Besten zur Verfügung gestellt.

Kannst du dir vorstellen, dass Motocross einmal elektrisch gefahren wird?

Ne. Ehrlich gesagt, nein. Das möchte ich auch gar nicht. Das wäre anti.

Zusammen mit Ken Roczen und Max Nagl bist du ins deutsche Motocross-Nationalteam berufen worden. Wie beurteilst du die deutschen Chancen für das Nations in Red Bud im Oktober?

Nations sind immer was Besonderes. Wir sind ein ordentliches Team. Ich denke, wir haben Chancen auf eine gute Platzierung. Es ist eben ein Einzelrennen. Jeder versucht, in seiner Klasse so gut wie möglich zu sein und am Ende für Deutschland das Beste herauszuholen.

Was ist für dich die bedeutendste Motocross-Nation?

Ganz klar die USA.

Was sind deine Ziele für das nächste Jahr?

In der MX2, wenn möglich, unter die Top 5 zu kommen. Dann muss ich mal sehen, welche Serien ich noch fahre.

Wo siehst du dich in fünf und in zehn Jahren?

Ich hoffe, immer noch auf einer MX-Strecke zu fahren – mit einem guten Motorrad und einem guten Team.

Was empfiehlst du Nachwuchsfahrern hinsichtlich ihrer Karriere?

Ich würde sagen, dass man sich heutzutage auch mit weniger Talent alles erarbeiten kann. Ja, man kann sich im Motocross alles erarbeiten.

Steckbrief Henry Jacobi

Geburtstag: 29. Oktober 1996
Geburtsort: Bad Sulza/Thüringen
Wohnort: Bad Sulza
Familienstand: ledig
Beruf: Motocross-Profi
Hobbys: Golf spielen, Fußball spielen
Team: STC Racing
Größe/Gewicht: 1,76 m, 70 kg
Größte sportliche Erfolge: Junioren-WM-Titel im Jahr 2010
Vorbild: Michael Schumacher
Internet: www.henry-jacobi.de

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