Gaildorf „Klang quert“ begeistert bei Konzert

Die Band „Klang quert“ unterhält die Zuhörer am 34. Gaildorfer Samstag. Die Formation packt im Hof des Alten Schlosses ihre ganze Bandbreite an Musikrichtungen aus.
Die Band „Klang quert“ unterhält die Zuhörer am 34. Gaildorfer Samstag. Die Formation packt im Hof des Alten Schlosses ihre ganze Bandbreite an Musikrichtungen aus. © Foto: Matthias Welz
Gaildorf / Gerlinde Burkhardt 11.07.2018
„Klang quert“ quert beim Open-Air-Konzert im Gaildorfer Schlosshof einen immensen Stilmix: von Pop über Blues, Tango, Soul, Rock, Funk, Bossa Nova sowie immer wieder Jazz und Swing.

Als eines seiner „beeindruckendsten Erlebnisse dieser jämmerlich kurzen Zeitspanne unseres Lebens“ beschreibt Simon Müller theaterreif die Sonnenfinsternis von 1999, als „der Schatten mit 3000 Kilometern pro Stunde  über Deutschland raste, alles still wurde und mit der Dunkelheit der Wind kam.“ Dies ist die Ankündigung zu „Ain’t no sunshine when she’s gone“. Es ist eine von vielen entfesselt erzählten Geschichten, mit denen der Bandleader, Geiger und Sänger als Entertainer glänzt. An diesem Abend dauert es allerdings fast zu lange, bis die Sonne geht, die Dunkelheit kommt und die stimmungsvolle Beleuchtung zur Geltung bringt.

Angefangen haben die Musiker ihr auf 20 Uhr angesagtes Konzert um 19 Uhr, angesichts des schon voll besetzten Schlosshofs. So schwingen sich die Mauersegler vom Schlossdach in den blauen Himmel, während unten Georg Kreislers Moritat vom „Taubenvergiften im Park“ erklingt. Simon Müller beweist auch hier beim wienerisch angehauchten Gesang über den „Hansl, die Maali“ und das  „Zyankaali“  komödiantisches Talent. Nicht nur das Publikum, sondern auch seine Bandmitglieder schmunzeln wie auch beim bayerischen „Ham Kummst“.

Wah-Wah-Effekt

Die Spielfreude greift um sich, die Musiker sind mit kreativer Leichtigkeit und positiver Beschwingtheit voll bei der Sache und alle beherrschen ihr Instrument – ob Simon Müller an der Geige, die man schon sehr gut spielen können muss, um ihr wie beim Tango „El Choclo“ gewollt dermaßen schräge Töne zu entlocken, oder Mathias Rebel an der Zugposaune. Beim angekündigten Walzer swingt er sich im Lauf von „Fly me to the Moon“ in Fahrt beziehungsweise in Flug, brutzelt mit der Posaune, wobei die Wah- Wah-Effekte des Trompeten-Altmeisters Herbert Prokschi ihm zuspielen.

Aus mit Walzer, rein in Swing und Jazz heißt es dann.  So  auch bei Fats Wallers „I’m gonna sit right down and write myself a letter“, dem Trick, mit einem Brief an sich selbst, als wäre er von der Liebsten, um die Stimmung zu heben. Dann die „Weltpremiere“ des ersten eigenen Titels, inspiriert vom legendären Kocherreiter, der mal von was anderem träume, als die Bösen von der Straße zu ziehen. „Er ist geritten schon tausend Mal, den Kopf unterm Arm … konnte sich nicht dreh’ n, stellt die Flügel und befreit sich. Es war so eng für unseren Schmetterling…“, singt Simon Müller den „modernen Soul“ und Paul Urban spielt locker sein Solo auf der Gitarre dazu. Alle rocken mit, auch die versierten Musiker Bernd Scheiderer am Keyboard, Attila Mayer am Schlagzeug und zu guter Letzt Routinier Josef Singer am Bass in der hinteren Reihe.

„Bei mir bist du schön“ wird dann vom Gastgitarristen Marvin Müller aus Leipzig begleitet, durch den Simon Müller Alternativen zur Klassik auf der Geige kennenlernte. Die Leichtigkeit der Schlagzeugbegleitung beim „Oblivion Tango“ schwingt weiter in „La Mer“, charmant gesungen von Chansonsänger Mathias Rebel. Bernhard Fürters Gesangseinlagen, angefangen bei „Bad, bad Leroy Brown“, punkten dagegen mit wuchtiger, aber nuancierter Stimme. Er zelebriert „Summertime“ und singt mit  „Autumn Leaves“ ein stimmungsvolles Abschiedslied.

Beseelte Zuhörer

Noch ein „Märchen“ über eine  nächtliche Tournee durch Gaildorf im Pücklerbus und „Klang quert“ schickt die beseelten Zuhörer mit dem „Russian lullaby“ zum Weiterträumen ins Bett.

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