Gaildorf Zecha: „Im Knast wäre das fast lebenslänglich“

Ein Bild mit Symbolcharakter: Der scheidende Stadtrat Martin Zecha schaut aus dem Alten Schloss in den Innenhof, wo das 40-jährige Bestehen der Kulturschmiede gefeiert wird. In diesem Gebäude, das er auch als Kulturschaffender mit Leben erfüllt hat, konnte er 14 Jahre lang die Kommunalpolitik mitgestalten.
Ein Bild mit Symbolcharakter: Der scheidende Stadtrat Martin Zecha schaut aus dem Alten Schloss in den Innenhof, wo das 40-jährige Bestehen der Kulturschmiede gefeiert wird. In diesem Gebäude, das er auch als Kulturschaffender mit Leben erfüllt hat, konnte er 14 Jahre lang die Kommunalpolitik mitgestalten. © Foto: Ferdinand Horcher
Gaildorf / kmo 02.08.2018
SPD-Stadtrat Martin Zecha legt nach 14 Jahren Engagement im Gaildorfer Gemeinderat sein Mandat nieder. Christel Hofmann-Alber rückt für ihn ins Gremium nach.

Aussteigen sei ja in jüngster Zeit in Mode gekommen, witzelt Martin Zecha (66) und verweist auf den aus der Nationalmannschaft zurückgetretenen Kicker Özil, den FDP-Landtagsabgeordneten Bullinger oder – vom scheidenden SPD-Stadtrat wohl als Bonmot eingestreut – den umstrittenen DFB-Chef Grindel. Nein, der nicht, der klebt noch an seinem Stuhl.

„Manches war auch falsch“

Was man Martin Zecha nicht nachsagen kann. Er hatte bereits vor der letzten Gemeinderatswahl signalisiert, aufhören zu wollen – und sich dennoch zu einer weiteren Legislaturperiode breitschlagen lassen. Nun ist es endgültig: Zecha hört auf. Er macht nach 14 Jahren Arbeit im Stadtparlament Platz für Christel Hofmann-Alber, „eine sehr kompetente Frau“, wie er sagt, erfahrene Eutendorfer Ortschaftsrätin und engagierte Kraft innerhalb der Masterplan-Arbeitsgruppe. Sie habe nun die Chance, sich bis zur nächsten Wahl im Mai 2019 zu bewähren, erklärt Zecha.

Zecha bekennt, dass sich sein Verhältnis zum Gemeinderat inzwischen doch etwas „eingetrübt“ habe. Viele Beschlüsse habe er in den vergangenen 14 Jahren – „im Knast wäre das fast lebenslänglich“ – mitgetragen, „manches war auch falsch“. Nun, im Vorfeld weiterer wichtiger Entscheidungen, sieht Martin Zecha jüngere Kräfte gefordert.

Ein Urteil darüber, ob er ein guter Gemeinderat war, überlässt er anderen. Er selber winkt ab: „Das wage ich zu bezweifeln!“ Seinen Ratskollegen legt er mehr gegenseitigen Respekt ans Herz, auch wenn „zerebrale Blähungen“ – von solchen sprach einst Offene-Liste-Stadtrat Bernhard Geißler – oder die fünfte Wiederholung ihre Aufnahmefähigkeit strapazierten. Sein Wunsch: „Möge die Weisheit mit euch sein.“

Dem öffentlichen Leben bleibt Zecha erhalten. Er will sich weiterhin ehrenamtlich engagieren – für die Kunstszene, die er mitgeprägt hat, oder als Vorsitzender des Pferdemarktausschusses. „Und nebenher habe ich ja auch noch einen Blumenladen.“

Fraktionschefin Margarete John dankt dem „Sympathieträger“ für die lange Zeit in der Fraktion. Unter Beifall verabschiedet sie den Querdenker: „Wir werden dich sehr vermissen.“ Bürgermeister Frank Zimmermann wird seine Laudatio in einer der nächsten Sitzungen halten – wenn Martin Zecha offiziell verabschiedet, seine Nachfolgerin Christel Hofmann-Alber auf ihr Amt verpflichtet wird.

Die Frauenquote steigt

Die künftige Stadträtin, die die Sitzung aufmerksam mitverfolgt, wird übrigens die Frauenquote innerhalb der sechsköpfigen SPD-Fraktion auf 50 Prozent steigern. Noch etwas für alle Statistik-Freaks: Die inoffizielle „Martin-Quote“, bislang gehalten von den Martins Bohn, Frey und Zecha, sackt von 50 auf 33 Prozent ab.

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