Seit dem 30. Januar 2014 bestehen Beziehungen des Landkreises zum Peloponnes. Vor allem in Fragen der Müllentsorgung will der Landkreis helfen. Doch seit Alexis Tsipras die EU-Vorschläge zur finanziellen Rettung des Landes einer Volksabstimmung unterziehen will, sind die Beziehungen der Regierungen auf einem Tiefpunkt angelangt. Das sorgt Landrat Gerhard Bauer, wie er in einem Interview mit unserer Zeitung bestätigt.

Wie schätzen Sie die Situation in Griechenland ein?
GERHARD BAUER:
Ich beobachte die Entwicklung seit Monaten mit zunehmender Sorge. Als Jurist ist für mich völlig klar, dass man sich an geschlossene Verträge zu halten hat und dafür auch Einschränkungen in Kauf nehmen muss. Andererseits erlebe ich bei meinen Kontakten und Reisen die Not der Menschen in Griechenland und weiß, wie verletzend die Vorschriften aus Brüssel auf die Griechen wirken. Der Kopf sagt mir, so kann es nicht weitergehen und das Herz sagt mir, die Freundschaft zu Griechenland verpflichtet uns Deutsche, den Griechen weiter zu helfen. Mich beschäftigt die schwierige Lebenssituation der Bürger in Griechenland. Diese Menschen sorgen sich um ihr täglich Brot und sind in großer Not. Beispielsweise weiß ich von den Sorgen der Landwirte, Winzer und Olivenbauern in der Region Peloponnes, ob und zu welchen Bedingungen sie in Zukunft ihre hervorragenden Produkte im Ausland vermarkten können. Das macht mich sehr betroffen, weil ich unsere griechischen Freunde und ihr wunderschönes Land sehr schätze.

Kann abseits der großen Politik geholfen werden?
Ich differenziere zwischen der großen Europapolitik und der kommunalen Ebene. Gerade deshalb erachte ich eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit auf regionaler und lokaler Ebene für besonders wichtig. Deswegen halten Herr Gouverneur Petros Tatoulis und ich an der engen Verbundenheit und der konstruktiven Zusammenarbeit unbedingt fest. Damit möchten wir öffentlich ein Zeichen der Solidarität setzen. Denn die Zusammenarbeit zwischen der Region Peloponnes und dem Landkreis Schwäbisch Hall kann der griechischen und deutschen Bevölkerung konkret zeigen, dass der Prozess der Verständigung und des gegenseitigen Austausches von unten, von der lokalen Ebene, wachsen kann.

Wie soll die Hilfe für die Griechen konkret aussehen?
Dafür kann ich leider auch keine Lösung anbieten. Klar ist, dass die Griechen den Schuldenberg nicht abtragen können. Ich habe mich deshalb schon lange für einen Schuldenschnitt ausgesprochen. Durch die niedrige Verzinsung und niedrige Tilgung der griechischen Staatsschulden ist das de facto schon weitgehend der Fall. Dringender scheint es mir zu sein, dass in Griechenland eine funktionierende Verwaltungsstruktur aufgebaut wird, ähnlich wie in Deutschland nach dem Fall der Mauer. Die Aufbauhilfe Ost hat funktioniert, weil neben dem Geld auch viel Know-how von West nach Ost geflossen ist. In Griechenland höre ich, dass viele Gelder aus Brüssel gar nicht abfließen, nicht nur wegen der fehlenden Eigenmittel, sondern auch weil die Behörden das verfahrenstechnisch nicht hinbekommen. Das ist ein Problem, weil aktive Verwaltungshilfe von unseren griechischen Freunden schnell als Bevormundung missverstanden werden könnte. Das griechische Volk muss akzeptieren, dass die Geldgeber, die sogenannten Institutionen, zu Recht auf Reformen bestehen und diese umgesetzt werden müssen. Das griechische Volk hätte mit dem Grexit einen katastrophalen Weg vor sich. Aber auch, wenn Griechenland in der EU bleiben und zur Drachme zurückkehren würde, droht eine Leidenszeit. So oder so. Für mich steht die Freundschaft mit den Griechen nicht auf dem Prüfstand. Wir Deutsche müssen den Griechen weiterhin unter die Arme greifen, aktiv mit Rat und Tat helfen, wenn wir darum gebeten werden und ganz wichtig, weiterhin nach Griechenland reisen. Wenn auch noch der Tourismus zusammenbricht, wird alles nur noch schlimmer.

Zusammenarbeit

Peloponnes Der Peloponnes ist eine der 13 Verwaltungsregionen Griechenlands und hat 577000 Einwohner. Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis kam auf Anregung der Deutsch-Griechischen Versammlung zustande, das Memorandum wurde am 30. Januar 2014 unterzeichnet.

SWP