Ob die Erde mitten im Klimawandel stecke oder es sich tatsächlich nur um eine Ausnahme handele, könne er nicht sagen, so Rundschau-Wettermann und Meteorologe Andreas Neumaier. Klar ist: Das Jahr 2018 ist bislang extrem niederschlagsarm, heimische Landwirte sehen sich wegen der Trockenheit mit gravierenden Ernteausfällen konfrontiert (wir berichteten).

Extreme Wettersituationen

Auch in der Vergangenheit gab es immer mal wieder extrem trockene Jahre im Limpurger Land – „in den 30ern, 50ern, 70ern und 90ern“, so Neumaier. „Generell kommt das bei uns etwa alle 20 Jahre vor. 2016 gab es aber auch das Gegenteil, als in Braunsbach fast 200 Liter in nur drei Stunden vom Himmel kamen. Das Gleichgewicht ist irgendwie abhandengekommen, es wird extremer.“

Seine Analyse für die diesjährige Trockenheit in der Region: „Seit Ende März reihen sich bei uns Hochdruckwetterlagen nahtlos aneinander, ständig bekamen wir südliche Strömungen mit warmer Luft, die auf ihrem Weg über den Balkan oder die Alpen getrocknet wurde. Die sonst zuverlässigen Westwinde mit feuchter Regenluft vom Atlantik fehlten komplett.“

Die Auswirkungen dieser Trockenheit spüren neben den Landwirten auch die heimischen Tiere und Pflanzen. Einer, der sich in der Natur auskennt, ist Karl-Heinz Johe. Er ist der Vorsitzende des Nabu Gaildorf-Limpurger Land. „In der Natur gibt es immer Gewinner und Verlierer, wenn solche Extremsituationen auftreten“, erläutert er. Viele Pflanzen hätten einen Wachstumsvorteil, weil der Mehltau an ihren Blättern wegen der Trockenheit weitgehend ausbleibe. Als Verlierer nennt er viele bereits geschwächte Bäume. „Sie konnten Schädlingen wie parasitischen Pilzen und Borkenkäfern fast nichts entgegensetzen. Die betroffenen Bäume werden nur langfristig durch widerstandsfähigere ersetzt“, so Johe.

Besonders betroffen seien allgemein die Pflanzen und Tiere, die in feuchten und nassen Standorten wie Gräben, flachen Tümpeln und kleinen Fließgewässern beheimatet sind. So verlieren Kleinfische in Bächen ebenso wie viele andere Organismen für längere Zeit ihr Zuhause – „sofern sie nicht in andere, noch mit Wasser versorgte Lebensräume auswandern können“, merkt Johe an. Weiteres Beispiel: Gelbbauch­unken, deren Laich in vielen Fällen vertrocknet sei. Zu finden sind die Froschlurche hauptsächlich in kleinen Tümpeln in lichten Wäldern und in mit Regenwasser befüllten Gräben und Radspuren. Um die Gelbbauchunken bei der Fortpflanzung zu unterstützen, hat der Nabu-Ortsverein in der Umgebung Laichbiotope angelegt – unter anderem in einem Seitental bei Eutendorf.

Pflanzen und Tiere gewappnet

„Vögel in Siedlungsgebieten haben Probleme, an Trinkwasser zu kommen. Deshalb sind Vogeltränken eine gute Hilfe“, empfiehlt Johe. In umliegenden Privatgärten haben Nabu-Mitglieder solche Trinkhilfen aufgebaut – genutzt werden sie von Singvögeln wie der Kohlmeise.

Wie gefährlich die Situation für die Tiere und Pflanzen denn nun ist? „Heimische Pflanzen wissen mit solchen Naturphänomenen umzugehen, indem sie zum Beispiel zu Pilzen im Wurzelbereich mit deren großen Myzelgeflechten im Boden Verbindungen haben, um sich gegenseitig mit lebensnotwendigen Stoffen zu versorgen. Diese Methode nehmen circa 95 Prozent der Pflanzen für sich in Anspruch“, so Johe. Und bei Tieren? „Die sind mobil und können innerhalb ihres Aktionsradius auf die jeweilige Situation adäquat reagieren. Verluste werden langfristig wieder ausgeglichen. Durch die Regenfälle der vergangenen Tage hat sich die Situation für die meisten betroffenen Tiere etwas verbessert.“

Die Zukunft ist ungewiss

Zwei Zukunftsfragen drängen sich dem Gaildorfer Nabu-Vorsitzenden auf: „Werden die Zeitabstände solcher Dürreperioden immer kürzer? Generell stellt sich für die Politik die Frage: Wie halten wir Menschen es mit den von uns gesteckten Klimazielen?“

Ob es in der Region in den kommenden Jahren also tatsächlich ebenfalls wieder trocken wird? Meteorologe Neumaier kann keine klare Antwort geben: „Auch die Klimaprofessoren zeichnen da unterschiedliche Szenarien.“ Was er prognostizieren kann: „Ein bisschen kristallisiert sich heraus, dass Wetterlagen, die einmal entstanden sind, länger anhalten.“ Das sei 2018 bei den Hochs deutlich geworden, im Sommer 2016 bei den Tiefs.