Ihre Hausaufgaben haben sie längst gemacht. Noch vor Frühlingsbeginn war der Antrag fertig, und nun ist die Punktlandung geschafft: Gaildorf, Fichtenberg, Oberrot und Sulzbach-Laufen, die den Gemeindeverwaltungsverband Limpurger Land bilden, und die Nachbargemeinde Gschwend können – neben acht weiteren Kommunen im Land – das Modellprojekt „Digitalisierung und Heimat“ mit Leben erfüllen. Dafür gibt es eine Förderung von 100.000 Euro.

Global vernetzt

Initiiert vom Gemeindetag Baden-Württemberg, hat das Programm einen ernsten Hintergrund: Durch fortschreitende Digitalisierung und Globalisierung befürchten Kommunalpolitiker, dass sich Bürger noch stärker vom realen Gemeindeleben entfernen, Kommunikation nicht mehr auf traditionelle Weise – ob im Verein oder in der Dorfwirtschaft – stattfindet, sondern global vernetzt über soziale Medien. Vor allem der ländliche Raum könnte seine wichtigste Eigenschaft verlieren: nicht mehr Heimat sein im ursprünglichen Sinn. Dr. Klaus Koziol, Inhaber der ersten deutschen Stiftungsprofessur für Social Marketing und an der katholischen Hochschule in Freiburg tätig, fasst die Entwicklung mit dem Begriff der „Entterritorialisierung“ von Heimat zusammen. Er ist Kooperationspartner des Gemeindetags und Mentor des Projekts „Digitalisierung und Heimat“, das dem genannten Trend entgegenwirken soll.

Und von dem auch die Landesregierung überzeugt ist: Man wolle, sagte Innenminister Thomas Strobl bei der Übergabe der Förderbescheide mit Roger Kehle, Präsident und Hauptgeschäftsführer des Gemeindetags, das Heimatgefühl der Menschen stärken. Wer von daheim wegziehe, könne dank der Digitalisierung den Kontakt in die alte Heimat halten. Wer zuziehe, solle über den digitalen Zugang leichter in die realen Gemeinschaft vor Ort aufgenommen werden.

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Mit „Digitalisierung und Heimat“ wolle man, so Minister Strobl, „den Menschen zeigen, wie beides miteinander zusammenhängt“. Der digitale Wandel beginne „dort, wo die Menschen leben und arbeiten, wo sie daheim sind – in den Kommunen“. Und die sieht er als Fundament der Gesellschaft, der Gemeinschaft vor Ort, aber auch digital.

„Der nächste logische Schritt“

Vorreiter im Limpurger Land war die Gemeinde Oberrot, unter deren Federführung das Bewerbungskonzept entwickelt wurde, das im Hause Strobl schon früh zu überzeugen wusste. Für den Gemeindetag ist nun das Modellprojekt „der nächste logische Schritt“ der bisherigen Anstrengungen zur Unterstützung des digitalen Wandels in den Städten und Gemeinden des Landes, wie Präsident Roger Kehle betont.

Die Gemeinschaft stärken

Er weist darauf hin, dass es bereits „viele nützliche digitale Anwendungen“ gebe, die den Alltag der Menschen vor Ort erleichterten. Akzeptanz dafür werde man aber nur dann erhalten, „wenn die Menschen digitale Lösungen auch innerlich annehmen“. Deshalb habe der Gemeindetag das Modellprojekt anstoßen müssen, „das die Identifikation mit der Gemeinde und der örtlichen Gemeinschaft stärkt“. Nur wer in seiner analogen Heimat einen „sicheren Hafen“ finde, werde auch die Potenziale der digitalen Welt voll ausschöpfen.

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„Bewusst wahrgenommen“

Der Vorsitzende des Gemeindeverwaltungsverbands, Gaildorfs Bürgermeister Frank Zimmermann, betont die Vorteile des Programms: „Der Bescheid zeigt, dass das Limpurger Land mit seiner eigenen Identität in Stuttgart bewusst wahrgenommen wird.“ Den Gemeinden werde nun ermöglicht, „zu sagen, wer wir sind und was wir wollen“.

Der Zuschuss zum Programm beträgt 100.000 Euro, das Projektvolumen insgesamt 200.000 Euro, das nach dem gegenwärtigen Einwohnerschlüssel verteilt wird. Das Fördervolumen wird auf zwei Phasen verteilt, der Gemeindeverwaltungsverband hatte mit seinen Bürgermeistern Roland Miola, Daniel Bullinger, Markus Bock und Frank Zimmermann entschieden, sich „ergebnisoffen“ an der ersten Phase zu beteiligen. Unter Federführung der Agentur Arcos in Murrhardt und einer geplanten Kooperation mit der Rundschau wird in den beteiligten Gemeinden durch Veranstaltungen ermittelt, was die Bürger von sich selbst denken und vor allem, wo sie sich und das Limpurger Land in Zukunft sehen.

Das „Wir-Gefühl“ vertiefen

Die zweite Phase, deren Umsetzung noch offen ist, umfasst die Umsetzung und Veröffentlichung des „Gefundenen“. Damit einhergehend soll das „Wir-Gefühl“ im Limpurger Land vertieft und über die Grenzen der Region hinaus transportiert werden.

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