Volksfest Gaildorfer Pferdemarkt startet gemütlich

Gaildorf / Cornelia Kaufhold 12.02.2018
Der Auftakt des 82. Pferdemarkts in Gaildorf wird nicht mit Rekorden in die Annalen eingehen. Die Besucher schlendern entspannt durch die Stadt. In einigen Geschäften aber herrscht Betrieb.

André Korvacs steht mit seinem Funkgerät an der Holzbrücke am Kocher und beobachtet die Passanten, darunter viele Familien und Hundebesitzer. Sie sind auf dem Weg zur Reithalle. Dort reitet Sven Müller in sportlichem Tempo stehend auf dem Rücken zweier Pferde. Für den 28-Jährigen ist die ungarische Post „reine Routine“. Hundert Meter vor der Reithalle stehen Korvacs Feuerwehrkameraden. Sie sind an verschiedenen Stellen alle drei Festtage über im Einsatz und weisen den Autofahrern den Weg. Korvacs ist seit seinem 12. Lebensjahr bei der Feuerwehr. „Sie ist mein Hobby“, meint er gut gelaunt. Auch Felix Schmelzle lacht. Die Feuerwehrleute haben sich warm eingepackt, denn ihre Schicht dauert drei Stunden.

Eine Tasse für den Chef

Gemütlich geht es am Sonntag in Gaildorf zu, bis auf die Parkplatzsuche. Die gestaltet sich etwas schwieriger. Für die Fußgänger ist es ein entspannter Bummel durch die Stadt, ohne Gedränge. Anders in den Geschäften. „Bis halb zwei“, berichtet eine Geschäftsfrau, „war nichts los und dann hätte man meinen können, da wär’ ein Bus angekommen“.

Auch im Geschäft nebenan ist Betrieb. Für die Einzelhändler scheint sich der verkaufsoffene Sonntag zu lohnen. Rosalba Nuraghe strahlt: „Viele Kunden freuen sich, dass wir unsere Eisdiele wieder auf haben.“

Handgetöpferte Tassen für den Chef gibt es im Schlosshof zu kaufen. Die Töpferin Schöffel aus Alfdorf ist wie Rechenmacher Erwin Brehm Stammgast beim Handwerkermarkt. Seit 20 Jahren verkauft er seine handgefertigten Rechen, Vogelhäuschen und Figuren auf dem Pferdemarkt. Brehm ist enttäuscht, dass nebenan Gürtel und Taschen verkauft werden. Dieser Stand, sagt der 65-Jährige, gehöre auf den Markt. „So geht unsere Tradition vollends kaputt“, bedauert er. In der vierten Generation führt er seinen Betrieb. Dieses Jahr vermisst er die Korbmacherin und den Sattler. „Vielleicht kommen die noch.“

Im Schlossgraben beobachten drei Alpakas von ihrem Gehege aus das Treiben. Sie gehören zu der 80 Tiere zählenden Herde des Alpakahofs Kaut in Hof bei Göggingen und liefern die Wolle für Bettdecken. Ihre Kollegen in den Anden den für Schals, Pullover, Mützen, Socken, Handschuhe, kuschelweich und in satten Farben. Von Milchkannen über Hollandschuhe bis zu Tischlampen und alten Backformen reicht das Angebot des Flohmarkts. Auch er ist mit zwei Ständen durchaus überschaubar.

Volles Haus bei Stadtkapelle

Eutendorfs Ortsvorsteher Jürgen Jäckel eilt über die Straße, bleibt einen Moment stehen. „Es ist nicht so viel los“, meint er. „Die sind alle beim Fasching“, stellt er fest. Die Musiker der Stadtkapelle spielen in der Limpurghalle jedoch vor vollem Haus. Viele hungrige Gäste drängen sich in der Körhalle. Michael Würzinger, Security-Teamchef, sitzt am Eingang auf einem zugigen Platz. „Tagsüber ist alles ruhig“, resümiert er. „Wir sind schon vier Jahre auf dem Pferdemarkt, aber so ruhig haben wir ihn noch nie erlebt. Gestern Abend waren circa zwei Drittel weniger Gäste als sonst hier, 100, 150 Leute vielleicht.“ An der Musik kann’s nicht gelegen haben, ist er sicher, „wohl eher am Faschingsumzug in Bühlertann“. In drei Schichten machen die Sicherheitsleute über Nacht Dienst auf dem Hallengelände und bewachen die Stände der Landmaschinenausstellung. Deren Aussteller können sich über mangelnden Besuch nicht beklagen.

In der Viehhalle bilden sich an den Ständen immer wieder kleine Grüppchen von Besuchern und fachsimpeln. Dort gibt es „alles für Stall und Weide“, Forst- und Gartengeräte, ein Zimmerer, ein Fensterbauer und Bad- und Heizungsbauer beraten die Kunden.

Heute steuert der Pferdemarkt auf seinen unvermeidbaren Höhepunkt zu, den Umzug. Er startet bei vielleicht blauem Himmel um 14 Uhr in der Bahnhofstraße und schlängelt sich durch die Innenstadt. Zuvor werden auf den Kocherwiesen Stuten prämiert.

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