Dodokay in Gaildorf „Des war an subber Ôbn‘d mit eich!“

Dominik Kuhn, Dodokay, bei seinem Auftritt in der Limpurghalle in Gaildorf.
Dominik Kuhn, Dodokay, bei seinem Auftritt in der Limpurghalle in Gaildorf. © Foto: kr
Gaildorf / Karl-Heinz Rückert 03.12.2018
Dem Publikum in der Limpurghalle erklärte am Freitagabend ein gewisser Dominik Kuhn die Welt auf schwäbisch - nicht immer ganz ernst gemeint. Der Schwaben-Comedian aus Reutlingen, besser bekannt als „Dodokay“ versetzte seine Zuhörer geradezu in andauernden Lachrausch.

„Der multimedial versierte Dodokay versprach ein Programm „für Veganer ond andere Leit“. Weil es schwierig sei, Schwaben zu motivieren, ließ er es vorsichtig angehen, verriet was hinter dem Programm-Slogan „Genau mein Ding“ steckt und wie er zu seinem Alter Ego Dodokay kam.

Eigentlich wollte er in der Rapper-Szene groß werden und nannte sich diesem Umfeld angepasst „Dodo“ – sein Nickname – und „Kay“ – dem Anfangsbuchstaben seines Familiennamens in englischer Lautsprache entsprechend – „Dodo K.“. Hätte er damals gewusst, dass er als Comedian erfolgreicher sein wird, wäre ein Künstlername vielleicht mit „Hans-Peter Hägele“ sinnvoller gewesen. Die ersten Lockerungsübungen waren nach den pantomimischen Einlagen zu Körperhaltungen von Autofahrern bei der Einfahrt in Tiefgaragen und Bergauffahrten geschafft. Fortan ging es rund in der Limpurghalle.

Wie Schwaben ticken

Seine eigenartigen Geschichten zur schwäbischen Mentalität und dem Dialekt reizten zu wahren Lachsalven im Saal, wenn Dodokay von seiner auf terminbedachten Wohnungsnachbarin erzählte, die gerne die Inhalte seiner Gelben Säcke inspiziert, der Bäckereifachverkäuferin oder der mütterlichen Umsorgung durch schwäbische Arzthelferinnen und ebensolches Pflegepersonal in Krankenhäusern und dessen floskelhafte Betreuungsangebote, die man gezwungenermaßen in demütiger Haltung annehmen müsse.

Ganz makaber war sein Beispiel zum furchtlosen Schwaben, der seine lottrigen Folterinstrumente im Mittelalter zunächst selbst in einen ordentlichen Zustand versetzt, bevor ihm der Garaus gemacht wird. Die schwäbische Sprache sei „strange“, meinte der Comedian und verglich damit einen Banküberfall eines Inders mit passender dialektaler Imitation, die wesentlich freundlicher wirke.

Einprägsame Schlagworte

Zu den szenischen Beispielen gab es immer wieder einprägsame „Schlagworte“. Deren Merkfähigkeit testete der in der Werbebranche erfahrene Dodokay, indem er sie bei anderer Gelegenheit in seine Spaßgeschichten einfließen ließ. Die Lacher bestätigten: Der Wiederholungseffekt funktioniert.

Zwischen den Geschichten zur schwäbischen Mundart und deren mentaler Bedeutung spielte Comedian Dodokay seine schwäbisch synchronisierten Clips mit Prominenz aus Film und Politik ein. „Der Film mit O-Ton der Protagonisten, auf Schwäbisch besprochen, wird immer lustig“, darauf baut sein Erfolgsrezept. Einer der Kracher waren die Clips zum „schwäbischen Verein SV 49“. Szenen aus dem Bundestag hatte Kuhn umsynchronisiert und den Zuschauern als Vereinsbesprechung zur Vorbereitung der Weihnachtsfeier untergejubelt – ein Brüller von vielen an diesem Abend, bei dem Dodokay für die Schwaben eine Lanze brechen wollte. Das ist ihm auch gelungen.

Einziger Kritikpunkt: Für Zugereiste wären Untertitel zum Verständnis der Pointen vorteilhaft gewesen. Für den technisch talentierten Dominik Kuhn sicher kein Problem. Die minimalisierte Bühnenausstattung böte Raum dafür.

Schon am Samstag dankte Dodokay auf seiner Homepage dem Gaildorfer Publikum: „Gaildorf, des war grad gschwend an subber Ôb’nd mit eich!“ und in Anlehnung an seine Wortspielereien im Programm: „ …jetzt fahr i gschwend durch Gschwend. Also: Bis bald!“

Durchbruch auf Online-Plattformen

Kameramann, Radiosprecher, Werberegisseur, Schauspieler, Eventmanager: Viel hat der Reutlinger Dominik Kuhn schon in seinem Berufsleben gemacht, resümiert Anja Weiß vom Metzinger-Uracher Volksblatt, das zum Verbund der Südwest-Presse gehört. Aber der große Durchbruch ist ihm als Dodokay mit synchronisierten Filmen auf Onlineplattformen gelungen. Berühmten Persönlichkeiten legte  Dodokay schwäbischen Nonsens in den Mund. Sei es Nicolas Sarkozy, der Amerikaner mit Zuckerguss forderte, Barack Obama, der sich über im Hausgang abgestellte Fahrräder erboste oder der Bundestag, der unter dem Titel „Menschen, Meinungen, Maultaschen“ Sitzungen des SV 49 Leimerstetten abhielt – die Filme haben längst Kultstatus.  Dodokay wurde berühmt, es folgten Anfragen von Radio- und Fernsehsendern. Sogar einen Kinofilm hat der Comedian in der Zwischenzeit herausgebracht, einen Fritz-Lang-Klassiker unter dem neuen Titel „Die 1000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse“ mit komplett verändertem Inhalt. rs

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