Kirche 40 Jahre Denkendorfer Modell in Gaildorf

Der Andrang bei der Jubiläumsfeier im und am evangelischen Gemeindehaus ist groß.
Der Andrang bei der Jubiläumsfeier im und am evangelischen Gemeindehaus ist groß. © Foto: Andreas Balko
Gaildorf / Andreas Balko 13.03.2018
Seit 40 Jahren wird im Dekanat Gaildorf Sprachhilfe nach dem Denkendorfer Modell angeboten. Dieser „runde Geburtstag“ wird gebührend gefeiert – und den Unterstützern Lob und Anerkennung gezollt.

Die Glocken der evangelischen Stadtkirche läuten und laden ein, das Jubiläum „40 Jahre Sprachhilfe nach dem Denkendorfer Modell im Dekanat Gaildorf“ zu feiern. In dem Gotteshaus drängen sich Kinder mit ihren Eltern. Auch Mentoren aus den vergangenen 40 Jahren sind gekommen, dazu der Leitungskreis des Denkendorfer Modells, Vertreter von Kommunen, Kirchengemeinden, Förderer, Schulen und Kindergärten sowie die Sprachhelferinnen.

Es ist selten, dass eine so große und bunte Schar von Besuchern das alte Kirchengebäude bevölkert. Als die Glocken verstummen, wird es langsam leise im Raum. Dekan Uwe Altenmüller betritt die Stufen zum Altar. Doch an diesem Samstag liest er keine Bibelgeschichte vor, sondern er erzählt die Geschichte vom Löwen, der nicht lesen und schreiben konnte. Als der sich in eine Löwin verliebt, will er ihr einen Liebesbrief zukommen lassen. Er bittet andere Tiere, die des Schreibens mächtig sind, um Mithilfe. Aber keines trifft den richtigen Ton. Zum Schluss bringt ihm die Löwin höchstpersönlich das Schreiben bei.

Kinder unterstützen

Mit dieser Geschichte macht der Dekan auf anschauliche Weise das Anliegen der Sprachhilfe deutlich: Kinder mit Migrationshintergrund und deutsche Kinder mit Zusatzbedarf zu unterstützen, die deutsche Sprache zu erlernen. Als Dank für ihr Engagement überreicht Dekan Altenmüller allen Sprachhelferinnen eine Rose. Einen großen Chor bilden dann Kinder mit ihren Sprachhelferinnen, als sie miteinander voller Begeisterung zwei Lieder vortragen. Bürgermeister Frank Zimmermann reagiert in seiner Ansprache auf diese fröhliche Darbietung: „Der Funke ist eindeutig übergesprungen.“ Auch im Namen seiner Kollegen bekundet er: „Wir wissen, wie wichtig die Sprachförderung ist.“ Dekan Altenmüller zollt er Respekt für seinen Einsatz, die vor noch gar nicht langer Zeit gefährdete Einrichtung zu erhalten. „Wirklich Chapeau!“, meint er anerkennend.

Ruth Dorn, die sich seit 22 Jahren in der Sprachförderung engagiert und deren Aktivitäten im Bezirk koordiniert, präsentiert danach die Sprachhilfe mit einer abwechslungsreichen Bildershow. Dabei wird auch das Anliegen der Einrichtung deutlich. Sprachhilfe nach dem Denkendorfer Modell will Lust am Sprechen und Freude am Lernen wecken. Dabei geht es um eine ganzheitliche Förderung mit allen Sinnen. Was besonders wichtig ist: Dies geschieht in kleinen Gruppen mit qualifizierten Sprachförderkräfte, die sogenannten Sprachhelferinnen. Für die Kosten kommen das Land Baden-Württemberg, die Kommunen, Kirchengemeinden sowie Förderer auf.

Die hiesige Sprachförderung wird in Kindergärten und Grundschulen in Gaildorf, Ottendorf, Großaltdorf, Unterrot, Sulzbach, Fichtenberg und Oberrot angeboten. Stand Ende 2017 nahmen an den Angeboten 109 Kinder in 23 Gruppen teil, in den Kindergärten 227 Kinder in 31 Gruppen. Insgesamt wurden 1978 Förderstunden geleistet.

Tombola und Sinnes-Parcours

Nach der Auftaktveranstaltung in der Kirche verlagert sich das Geschehen ins und um das Gemeindehaus. Im Freien und im Graf-Gottfried-Haus gibt es viele Angebote zum Verweilen. Eine Traube von Kindern und Erwachsenen bildet sich um den Stand der Tombola, die dank vieler Spender vielfältige Gewinne anbieten kann. Ein Sinnes-Parcours lädt zum Tasten, Riechen, Hören, Sehen und Schmecken ein, und es gibt diverse Bastelangebote. Auch im großen Saal tummeln sich die Menschen. Dort werden Getränke und Kuchen angeboten.

Die Organisatoren blicken am Abend auf einen anstrengenden, aber auch erfolgreichen Tag zurück. Er machte deutlich, welch große Anerkennung die Sprachhilfe im hiesigen Raum genießt.

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