Gaildorf 76 BK-Kennzeichen reserviert

Heinz Weller aus Sulzbach-Laufen-Weiler hat für seinen Mercedes 190 D, Baujahr 1962, nach jahrelangem Kampf ein BK-H-Kennzeichen bekommen. Das H steht für historisch. Der Oldtimer kostet den 81-Jährigen statt 800 Euro nur 191 Euro Kfz-Steuer.
Heinz Weller aus Sulzbach-Laufen-Weiler hat für seinen Mercedes 190 D, Baujahr 1962, nach jahrelangem Kampf ein BK-H-Kennzeichen bekommen. Das H steht für historisch. Der Oldtimer kostet den 81-Jährigen statt 800 Euro nur 191 Euro Kfz-Steuer. © Foto: kmo
Gaildorf / Cornelia Kaufhold 04.09.2018
Seit 1. September können Autofahrer im Kreis Hall auch mit Backnanger Nummernschild unterwegs sein. Am ersten Tag hält sich der Lokalpatriotismus ins Grenzen: Niemand hat es beantragt.

Heinz Weller aus dem Sulzbach-Laufener Wohnplatz Weiler hat den Anstoß gegeben. Er besitzt einen Mercedes 190 D, Baujahr 1962, mit BK-Kennzeichen. Damals gehörte das Limpurger Land noch zum Landkreis Backnang. Mit der Gebietsreform 1973 wurde er aufgelöst und seine Kommunen auf die drei neuen „Großkreise“ verteilt: Rems-Murr mit dem Kürzel WN (für die Kreisstadt Waiblingen), Schwäbisch Hall mit SHA und Ostalb mit AA (für die Kreisstadt Aalen).

BK ist Geschichte

Die BK-Tafeln verschwanden langsam von der Bildfläche. Es wurden keine neuen Backnang-Kennzeichen mehr ausgegeben, nur wer ein altes an seinem Fahrzeug angebracht hatte, durfte es behalten. Heinz Weller zum Beispiel. An seinem blank polierten Mercedes prangt das BK-Kennzeichen. Dem ging allerdings ein zwölf Jahre währender Kampf mit den Behörden voraus.

Als der Haller Kreistag vor vier Jahren der Wiedereinführung des CR-Kennzeichens zustimmte, sah Heinz Weller seine Stunde gekommen. Er und andere Bürger wandten sich an ihren Bürgermeister, der für die Freie Wählervereinigung im Haller Kreistag sitzt. Markus Bock verlangte Gleichberechtigung und beantragte die Wiedereinführung des BK-Schildes. „Ich habe noch mein SHA-Kennzeichen und werde es auch nicht extra ummelden“, sagt Bock auf Nachfrage unserer Zeitung. „Bei einem Fahrzeugwechsel wäre es eventuell denkbar. Eine gute Lösung als Kreisrat wäre doch der Zweitwagen mit BK und mein Motorrad mit CR. Ich muss aber zugeben, dass mir mein Autokennzeichen nicht so wichtig ist. Ich hatte bislang auch noch kein Wunschkennzeichen“, berichtet Markus Bock. „Mein Vater hat aber noch BK drauf, auf dem Schlepper meines Großvaters, ein MAN-Oldtimertraktor Baujahr 1954. Sollte ich den mal später bekommen, wäre das BK schon schön, weil es seit nunmehr 64 Jahren zu dem Schlepper gehört“, erzählt Markus Bock.

Bei der Diskussion im Kreistag wehte ihm ein scharfer Wind entgegen. Die Rundschau berichtete damals: „Wir machen einen solchen Unsinn nicht mit und lehnen ab“, sagte der Haller OB Hermann-Josef Pelgrim. „So unnötig wie ein Kropf“, kommentierte Claudia Kern-Kalinke. „Ich sehe es mit Blick auf den bürokratischen Aufwand nicht ganz ein“, sagte der Gaildorfer Günther Kubin, der zuvor dem „CR“ noch zugestimmt hatte. Das Abstimmungsergebnis fiel knapp aus: 18 Kreisräte votierten für BK, 16 enthielten sich der Stimme, 16 waren dagegen. Autofahrer in sämtlichen 30 Haller Kreisgemeinden dürfen jetzt zwischen dem bisherigen SHA, dem seit 28. März 2014 wieder ausgegebenen alten CR (für den aufgelösten Kreis Crailsheim) und eben BK wählen.

1870 eingeführt

Wegen vermehrter Fälle von Fahrerflucht begannen einige Behörden in den deutschen Staaten zwischen 1870 und 1890, Nummernschilder für Fahrräder vorzuschreiben. Sie unterschieden sich farblich und wurden lokal ausgegeben. „Im Jahr 1896 wurde in Baden das erste Nummernschild an einem Automobil befestigt. Am 1. Oktober 1906 wurde die erste einheitliche Regelung erlassen, die am 1. Oktober 1907 für die 26 Bundesstaaten des Deutschen Reichs in Kraft trat. 10 115 Pkw, 15 954 Krafträder und 957 Lkw waren damals zugelassen“, weiß das Onlinelexikon Wikipedia.

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