Freizeit Der 55.555. Badegast auf dem Kieselberg

Gaildorf / Cornelia Kaufhold 27.08.2018
Am Samstag steht ein einziges Auto auf dem Besucherparkplatz. Bademeisterin Claudia Markert kann es ruhig angehen. Die Zahl der Badegäste ist ausnahmsweise überschaubar.

Sie hat das Becken für sich ganz alleine, zieht mit kraftvollen Bewegungen Bahn um Bahn. Aus dem Lautsprecher ertönt Andrea Bergs Stimme: „Seemann, lass das Träumen, denk nicht an zu Haus.“ Von der Bank im Freien aus überblickt Claudia Markert das Schwimmbecken. 21 Besucher hat sie bis nachmittags halb vier gezählt. Eine halbe Stunde später sind es bereits 24. „Es könnten heute noch 200 werden, wenn es weiter aufklart“, sagt sie.

Seit vier Jahren arbeitet sie im Gaildorfer Mineralfreibad mit Ronny Bisold, einem ausgebildeten Meister für Badebetriebe. Der Samstag war ein Ausnahmetag mit 14 Grad und bewölktem Himmel. „Nächste Woche soll’s ja wieder heiß werden“, sagt Claudia Markert und zieht an ihrer Zigarette. Dann herrscht wieder Hochbetrieb im Mineralfreibad mit 1000, 1200 Badegäste pro Tag. Am 31. Juli, dem heißesten Tag dieses Sommers, zählte Bisold 2100 Besucher.

Die Hitze über viele Wochen sorgte im Freibad für einen Besucherrekord. Kürzlich hat Bürgermeister Frank Zimmermann die 55.555. Besucherin beglückwünscht: Diana Dieterich und ihr 18 Monate altes Töchterchen Lia Sophie (kleines Foto). Die Mama nahm strahlend eine Familienkarte für die Badesaison 2019 entgegen.

Kostenlose WLAN-Zone

„Rechnerisch wird es jeder Gaildorfer in diesem Rekordsommer sechs Mal ins Freibad geschafft haben“, sagt Daniel Kuhn von der Stadtverwaltung. Sie rechnet mit 65 000 Besuchern in der laufenden Saison, die mit den Ferien am 9. September endet. Im letzten Jahr zählte Bademeister Bisold exakt 58 458 Besucher.

Die Gründe für den 2018er Rekord sieht der Verwaltungschef auch in den „Maßnahmen der Stadt, das Bad attraktiver zu machen“. Dem Besucher fallen als erstes die Holzliegen auf der Wiese ins Auge. Ihre ergonomisch geschwungene Form lädt zum Lümmeln ein. Zudem ist das Freibad jetzt WLAN-Zone.

Die einzige Schwimmerin hat ihr heutiges Pensum geschafft. Fröhlich lächelnd geht Silke Mohl aus Schönberg auf die Umkleide zu. „Ich kann mich noch an die Eröffnung des Mineralfreibads erinnern. Ich bin seit 20 Jahren Stammgast und komme praktisch jeden Tag.“ Im Gaildorfer Freibad gefällt ihr „einfach alles“. Sie liebt das Wasser und schwimmt, „weil es mir gut tut“. Silke Mohl verabschiedet sich und eilt fröstelnd zur Kabine. Die Außentemperatur ist um zehn Grad kälter als das Wasser.

Claudia Markert kennt alle Dauerkartenbesitzer. „Der Älteste ist 88 Jahre alt“, sagt sie. „Viele kommen jeden Tag, ganz egal, wie das Wetter ist.“ Drei Besucher laufen zum Becken, alle braungebrannt und schlank. Ohne zu zögern steigen sie ins Wasser und ziehen ihre Bahnen. „Die drei kommen auch jeden Tag“, sagt Claudia Markert und kuschelt sich in ihre rote Jacke.

Abends um halb zehn macht sie Feierabend, jedoch ohne einmal geschwommen zu sein. „Ich gehe morgens ins Becken, wenn ich die Krake reinsetze, das war’s dann auch.“ Ob ihr die Arbeit Spaß macht? Sie nickt, „ja es ist okay, bloß die Jungen hören nicht alle, aber das liegt ja oft auch an den Eltern.“

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