Notfall 55-Jährigem das Leben gerettet

Necati Altunkilic (Bildmitte) mit seinem Lebensretter Marcel Bartenbach. Links Dr. Hans-Jörg Lorenz, Leitender Arzt am Stauferklinikum und Mitinitiator der Aktion „1000 Lebensretter für Schwäbisch Gmünd“ und Notärztin Dr. Marion Haller sowie rechts DRK-Mitarbeiterin Sophie Kopp. Sie organisiert das Lebensretterprojekt.
Necati Altunkilic (Bildmitte) mit seinem Lebensretter Marcel Bartenbach. Links Dr. Hans-Jörg Lorenz, Leitender Arzt am Stauferklinikum und Mitinitiator der Aktion „1000 Lebensretter für Schwäbisch Gmünd“ und Notärztin Dr. Marion Haller sowie rechts DRK-Mitarbeiterin Sophie Kopp. Sie organisiert das Lebensretterprojekt. © Foto: Andreas Franzmann
Schwäbisch Gmünd / Von Andreas Franzmann 03.01.2018
Wie wichtig es ist, dass Ersthelfer am Unfallort mit der Wiederbelebung beginnen, zeigt der Einsatz von Marcel Bartenbach. Er verhindert bei einem Mann das Schlimmste.

In der Buchstraße in Schwäbisch Gmünd erleidet der 55-jährige Necati Altunkilic einen Herzstillstand. Auf offener Straße sinkt er bewusstlos zu Boden. Schnell versammeln sich Passanten um den Verunglückten und bringen ihn in die stabile Seitenlage. Es wird auch ein Notruf abgesetzt, doch niemand beginnt mit Wiederbelebungsmaßnahmen.

Nur dank des mutigen Einsatzes von Marcel Bartenbach wird verhindert, dass Necati Altunkilic schwere gesundheitliche Schäden davonträgt oder den Infarkt gar mit seinem Leben bezahlt. Der 24-Jährige aus Schwäbisch Gmünd beginnt sofort mit einer Herzdruckmassage. Diese übt er aus, bis nach sieben Minuten der Rettungsdienst eintrifft. Nach weiteren zwei Minuten ist der Notarzt vor Ort. Necati Altunkilic wird ins Stauferklinikum gebracht und überlebt. Nach ein paar Tagen kann er die Klinik gesund verlassen.

Marcel Bartenbach erinnert sich noch gut an den Vorfall: „Ich bin mit einem Bekannten im Auto durch die Buchstraße gefahren. Auf Höhe Norma sahen wir, dass ein Mann am Boden lag. Es standen auch schon mehrere Personen um den Verunglückten herum. Wir sind zuerst weitergefahren, haben aber dann doch umgedreht, weil wir sehr beunruhigt waren. Als ich bei dem Mann keinen Puls gefühlt habe, habe ich sofort mit der Reanimation begonnen.“

Dr. Hans-Jörg Lorenz, leitender Arzt des Zentrums für Intensivmedizin am Stauferklinikum, zollte dem Lebensretter großen Respekt. „Wir brauchen dringend mehr Ersthelfer wie Sie“, stellte der Arzt fest. In der Tat hinkt Deutschland im europaweiten Vergleich bei den Ersthelfern hinterher. Wie Dr. Lorenz darlegt, wird im europäischen Ausland vier Mal häufiger mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen als hierzulande. Das traurige Resultat: Wenn eine Wiederbelebung notwendig ist, liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit in Deutschland gerade einmal bei zehn Prozent. Zum Vergleich: Im europäischen Ausland können gut 40 Prozent der Verunglückten wiederbelebt werden. Lorenz fordert deshalb: „Wir müssen es hinbekommen, dass in Deutschland Wiederbelebungsmaßnahmen verpflichtend in den Schulen gelehrt werden. Ein Kurs für jeden Schüler und zwei Auffrischungsstunden pro Jahr sind sicher nicht zu viel, wenn man bedenkt, was auf dem Spiel steht.“ Wenn es nach dem Intensivmediziner geht, könnten die Schulen bereits auf freiwilliger Basis mit der Ersthelferausbildung beginnen. Vorbild ist dabei Dänemark, in dem sich die Überlebensrate seit Einführung verpflichtender Schulungsmaßnahmen verdreifacht hat.

Tobias Gerhardts, Leiter des Rettungsdienstes des Roten Kreuzes Schwäbisch Gmünd, bekräftigt dies: „Der Rettungsdienst ist hier in der Region sehr gut aufgestellt. Dennoch sind wir auf die Mithilfe von Ersthelfern angewiesen.“ Tatsächlich setzt bei einem Herzstillstand nach drei Minuten die Hirnfunktion aus. Nach sieben Minuten erleidet das Hirn irreparable Schäden. Lorenz und Gerhardts bekräftigen die Aktion „Lebensretter“, die gemeinsam von DRK und Stauferklinikum durchgeführt wird. Rund 500 Bürgerinnen und Bürger konnten bereits zu Ersthelfern ausgebildet werden. Die Aktion läuft noch bis Mitte nächsten Jahres. „Ziel ist es, mindestens 1000 Ersthelfer für die Gmünder Region zu gewinnen“, so die für das Projekt beim Roten Kreuz Verantwortliche Sophie Kopp.

Erstes persönliches Treffen

Am Freitag haben sich Marcel Bartenbach und Necati Altunkilic zum ersten Mal nach dem Unfall persönlich kennengelernt. Seinem Retter ist er unglaublich dankbar, denn im Gespräch mit den behandelnden Ärzten und den Mitarbeitern des DRK wird ihm nochmals klar, dass er ohne Bartenbachs beherzten Einsatz nicht so gesund im Stuhl sitzen könnte.

Auch Dr. Marion Haller lobt Bartenbachs Einsatz. Sie ist Mitglied der Sektion Notfallmedizin sowie ärztliche Verantwortliche des Rettungsdienstes und war als Notärztin vor Ort: „Normalerweise übernimmt der Rettungsdienst die Reanimation, sobald er am Unfallort eintritt. Marcel Bartenbach hat das aber so gut gemacht, dass die Kollegen ihn weiter reanimieren ließen und sich selbst um die Beatmung kümmern konnten. Durch sein tatkräftiges Handeln mussten wir den Defibrillator nur noch zwei Mal ansetzen, um das Herz wieder zum Schlagen zu bringen.“

Necati Altunkilic geht es zwei Wochen nach dem Vorfall wieder sehr gut. Die Klinik wird er voraussichtlich noch in dieser Woche verlassen können. Dass er direkt in die Reha an den Bodensee geht, ist für ihn das kleinste Problem und er sagt mit Blick auf Marcel Bartenbach: „Ich bin unendlich dankbar, dass du mir das Leben gerettet hast.“

1000 Ersthelfer für den Notfall

Seit Beginn der Aktion im September haben 17 Kurse im Raum Schwäbisch Gmünd stattgefunden. 500 Teilnehmer konnten bislang zu Ersthelfern ausgebildet werden. Kurstermine können unter www.drk-gd.de eingesehen oder unter 0 71 71 / 35 06 91 abgefragt werden. mf

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