Kartoffeln, Milch, bestenfalls Sauermilch, und viel Gemüse. Das stärkt die Abwehrkräfte, da bleibe man gesund. Die Person, die das versichert, muss es wissen. Heute, Samstag, feiert Gertrud Noller im Pflegestift des Gaildorfer Graf-Pückler-Heims ihren 102. Geburtstag. „Mir geht’s gut“, berichtet sie beim Plausch im Garten. Sie könne nachts schlafen, das Essen sei gut und das Pflegepersonal in Ordnung. Dann erzählt sie von ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln, und dass sie sich darauf freut, sie bald wiederzusehen. Ihr größter Wunsch wäre, dass Tochter Ute und Enkel Dick, die in West Virginia leben, nochmal nach Deutschland kämen. Die schwierigen Zeiten mit Kontaktbeschränkungen sind für die Hochbetagte kein Thema. Dass man auf Abstand bleiben und einen Mund-Nasen-Schutz tragen muss, nimmt sie gelassen zur Kenntnis.

Sehr selbstständig

„Mir fehlt nichts“, betont Gertrud Noller. Sich waschen, anziehen, sie mache alles selbst – und sie wisse auch noch alles. Morgens freue sie sich auf das Frühstück und einen guten Kaffee. Dann schweifen ihre Gedanken ab nach Durlach im Badischen. Da kenne sie sich aus, meint sie. Am 1. August 1918 als Tochter eines Masseurs und Physiotherapeuten geboren, ist sie im Karlsruher Vorort aufgewachsen. Mit dem sogenannten Landjahr kam  sie mit 16 Jahren zur Wirtsfamilie Laun nach Reippersberg. Dort lernte sie Paul Noller aus Honkling, ihren späteren Ehemann, kennen. Gaildorf ist ihr zur zweiten Heimat geworden. Hier ging sie arbeiten, versorgte den Haushalt und zog fünf Söhne und fünf Töchter groß. Manche wohnen in der näheren Umgebung.
Als Controllerin in der Buchbinderei der Musterkartenfabrik Schwabenmuster hatte die Altersjubilarin die Blütezeit des Unternehmens miterlebt. Sie ist in die USA geflogen, hat das Weiße Haus und Ronald Reagan gesehen. Mit der katholischen Reisegruppe um Pfarrer Bolsinger war sie beim Papst in Rom. Sie ist mit sich und der Welt zufrieden und hofft, dass man an ihrem Ehrentag draußen sitzen und Kaffee trinken kann.

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