Metzingen Eine Win-win-Situation

In Metzingen kommt ein Teil-Auto zum Einsatz.
In Metzingen kommt ein Teil-Auto zum Einsatz. © Foto: Archiv
Metzingen / Von Peter Swoboda 12.10.2018

Als Michael Breuer am vergangenen Mittwoch unsere Zeitung aufschlug, war der Metzinger SPD-Stadtrat einigermaßen verblüfft. Stieß er doch auf die Berichterstattung über den geplanten Fahrdienst des Hauses Matizzo.

Seine Gemeinderatsfraktion nämlich beschäftigt sich mit einem solchen Projekt schon seit längerem. Und da der 67-Jährige in dieser Sache die Federführung inne hat und von seiner Fraktion damit beauftragt war, einen entsprechenden Antrag an die Stadtverwaltung zu formulieren, kennt er sich mit solchen Projekten aus. Und am 4. Oktober hat er seinen Antrag per E-Mail an Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler abgeschickt. „Mir persönlich“, sagt Michael Breuer, „liegt ein solches Bürgerauto-Projekt schon lange am Herzen.“ Als Vorbild dient Breuer das Bürgerauto in Eningen unter Achalm. Solche Projekte gibt es laut Breuer in mehreren Kommunen, und überall ist das Projekt anders ausgerichtet und organisiert. Michael Breuer legt Wert darauf festzustellen, dass er überhaupt nichts gegen das Fahrdienst-Projekt des Hauses Matizzo hat, er ist vielmehr der Ansicht, dass es der Stadt gut zu Gesicht stehen würde, wenn sie für ein solches soziales Projekt die Trägerschaft übernehmen würde.

Die Überlegungen der SPD-Gemeinderatsfraktion gehen davon aus, dass in Metzingen viele Bürger kein eigenes Fahrzeug besitzen. Diese sollen durch das Bürgerauto im täglichen Leben unterstützt werden für Fahrten beispielsweise  zum Arzt, zum Einkauf, zum Frisör, ins Café. Der Bedarf für das Metzinger Stadtgebiet sei auf jeden Fall vorhanden. Die Nutzung des Bürgerautos soll auf jeden Fall kostenlos sein. Die SPD-Gemeinderatsfraktion ist davon überzeugt, dass der finanzielle Auifwand kein Hinderungsgrund sein kann. Auf die Stadt kämen jährliche Kosten in Höhe von 4000 bis 6000 Euro zu. Zusätzlich gäbe es natürlich noch die Kosten für die Anschaffung eines Fahrzeugs.

In ihrem Antrag fordert die SPD-Fraktion, dass die Stadtverwaltung ein entsprechendes Konzept erarbeitet. Sie müsste auch nach ehrenamtlichen Fahrern suchen. „Das Modell der Gemeinde Eningen“, so Michael Breuer, „kann in Metzingen eins zu eins umgesetzt werden.“ Das Eninger Modell gibt es seit September 2015. Es wurde eingeführt, um die innerörtliche Mobilität zu verbessern. Die Nachfrage ist offenbar so groß, dass die Gemeinde sich ein eigenes Fahrzeug angeschafft hat. Bis zu 25 Fahrten haben die ehrenamtlichen Fahrer täglich. Das Eninger Bürgerauto fährt montags bis freitags – montags nur nachmittags, freitags nur vormittags.

Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler bestätigt unserer Zeitung gegenüber den Eingang des Antrags der SPD-Fraktion. Er weist freilich darauf hin, dass die Initiative für den Fahrdienst, den ab Januar das Haus Matizzo anbietet, von der Stadtverwaltung ausgegangen war. Peter Nißle, in der Stadtverwaltung zuständig für Soziales, habe sich beinahe ein Jahr lang mit dem Projekt befasst. Fiedler: „Das ist eine komplexe Angelegenheit.“ Gleichwohl ist der OB der Ansicht, dass ein solches Angebot nicht unbedingt von der Kommune aus angeboten werden muss.

Deshalb hat sich die Stadtverwaltung auf die Suche nach einem Kooperationspartner gemacht und ist im Haus Matizzo fündig geworden. „Ziel war es nicht“, so Fiedler weiter, „dass die Stadt das anbietet, wir haben jetzt eine bessere Lösung, wir haben eine Win-win-Situation.“

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