Moment mal Zurück in die Gegenwart

Stefan Bentele 09.10.2018

Ganz oben im Rathaus in Ehingen tickt es nicht mehr richtig. Wohlgemerkt, was die Turm-Uhr angeht, oder genauer gesagt, deren Zeiger. Und das schon mindestens seit Donnerstag vergangener Woche. Die Ursache? „Unklar“, sagt Bettina Gihr, Sprecherin der Stadtverwaltung. An der Elektronik jedenfalls könne es nicht liegen, die sei überprüft worden. Streiken also die Zeiger wegen einer erlahmten Batterie? Gihr winkt ab: Auch an der Stromzufuhr hapert es nicht.

Stimmt, wie die Moment- Mal-Redaktion nach langfristiger Betrachtung über die Mittagszeit (und über den Marktplatz hinweg) beobachten konnte. In der Stunde gestern von 12 bis 13 Uhr zog der Minutenzeiger immerhin von 17 Minuten vor drei Uhr auf 15 Minuten vor drei Uhr. Macht, genau genommen, aus zwei Minuten eine Stunde. Oder aus einer Stunde zwei Minuten, je nachdem, von welcher Seite man die Gleichung zur Mittagszeit betrachten möchte.

Eine Frage des Marketings

Die Stadtverwaltung hat jedenfalls bereits gehandelt und eine Spezialfirma mit der Reparatur beauftragt. Laut Gihr soll das Uhrwerk spätestens von Mitte der Woche an wieder rundlaufen. Aus sozio-ökonomischer Sicht lobenswert und nachvollziehbar, doch vielleicht lässt sich die Stadt da auch einen Marketing-Streich entgehen. Schließlich gibt es eine nicht ganz unberühmten Hollywood- Trilogie, in der eine defekte Rathaus-Uhr sich durch die Handlung zieht: „Zurück in die Zukunft“. Sie wissen schon, die Streifen mit dem wirren Wissenschaftler Emmett Brown und seinem jungen Freund Marty McFly, die gemeinsam mit einem DeLorean – also mit Stil – als Zeitmaschine durch die Geschichte der fiktiven Kleinstadt Hill Valley düsen – im ersten Teil angetrieben von den 1,21
Gigawatt eines Blitzes, der in die Rathaus-Uhr einschlägt, den Chronometer dauerhaft lahmlegt, dafür aber den Saft für die Zeitreise liefert. Ehingen könnte also zusätzlich zu Donau-Radweg und Bierkultur-Stadt sich als das reale Hill Valley samt echt-defekter Rathaus-Uhr präsentieren und so den Tourismus weiter ankurbeln. Dass es wohl kein Blitz war, der den Defekt auslöste, muss ja keiner wissen.

Einziger Haken: Die Rechte an der Marke „Zurück in die Zukunft“ könnten kostspieliger sein als eine Reparatur. Soll die Spezialfirma also besser die Vergangenheit zurückholen und die Turm-Uhr für die Zukunft reparieren, damit die Gegenwart wieder dem üblichen Rhythmus folgt. Und alles in gewohnter Weise tickt.

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