Schelklingen Zu Besuch beim Labradorzüchter

Schelklingen / Amrei Groß 05.04.2018
Seit zwei Jahren züchtet Florian Einweck aus Schelklingen Labrador Retriever. Aktuell betreut er seinen dritten Wurf.

Frisches Gras unter den kleinen Pfoten, dutzende neue Gerüche in der Nase und die Frühlingssonne im Gesicht: Für die acht Labrador-Welpen von Florian Einweck ist die Welt an diesem Tag ein ganzes Stück größer geworden. Zum ersten Mal dürfen die vier Wochen alten Hunde an diesem Tag nach draußen; zum ersten Mal tauschen sie das warme Welpenzimmer im Haus gegen den großen Garten. Zurückhaltung angesichts der fremden Umgebung kennen die Kleinen nicht: In Windeseile sind sie über den gesamten Garten verstreut, knabbern an Stöckchen und Gras, toben durch das Kies rund um den kleinen Teich, beobachten neugierig die Hühner, die in ihrem Auslauf im Erdreich scharren und knabbern am Fell von Kater Barney, der den Welpen ein geduldiger Spielkamerad ist.

Seit zwei Jahren züchtet Florian Einweck Labrador Retriever. Hunde begleiten den 23-Jährigen sein ganzes Leben lang. 2016 fiel sein erster Wurf seiner ersten eigenen Hündin Cassy. Er habe sich eine Tochter seiner Hündin gewünscht, beschreibt Einweck, wie er zur Zucht kam. „Weil ich es richtig machen wollte“ schloss er sich einem anerkannten Zuchtverband an. Sein Ziel: „Wesensfeste, gesunde, charakterlich einwandfreie und bildschöne Labradore.“ Hunde, die „arbeiten können, aber gleichzeitig in der Lage sind, abzuschalten und nichts zu tun.“

Erfolgreicher Nachwuchs

Mehrere Jahre lang war Einweck mit Cassy in einer Rettungshundestaffel aktiv. Heute hat er mit ihr und seiner Nachwuchshündin Phoebe den Dummysport und die Jagd für sich entdeckt. Zwischenzeitlich ist unter dem Zwingernamen „Hollow Rock’s Labradors“ – Labradore vom Hohlen Fels – der dritte Wurf gefallen. Die Welpen aus den ersten beiden Würfen hätten sich prächtig entwickelt, erzählt der stolze Züchter. Sie arbeiteten als Rettungshunde, Therapiebegleithunde, seien im Sport erfolgreich oder stünden im aktiven jagdlichen Einsatz.

Grund genug für den gelernten Bäcker, auch mit der nun zwei Jahre alten Phoebe in die Zucht einzusteigen. Am 16. Februar kamen ihre ersten Welpen zur Welt. Die vier Hündinnen und vier Rüden wachsen in der Familie auf. „Das ist mir wichtig“, sagt Einweck. Ihr Welpenzimmer ist mitten in seiner Wohnung am Schelklinger Ortsrand; von Anfang an lernen die Kleinen sämtliche Alltagsgeräusche kennen. Das zahlt sich aus. „Die Welpen sind offen für jeden Schmarren“, sagt Einweck und lacht.

Bevor sie mit frühestens acht Wochen zu ihren neuen Besitzern ziehen, bekommen sie von ihrem Züchter eine bestmögliche Prägung und Sozialisation mit auf den Weg. Einweck nimmt Urlaub und baut Überstunden ab, um Zeit für den Nachwuchs zu haben. „In den nächsten Wochen stehen Besuche in Wald und Feld, in einer Kiesgrube und im Ort auf dem Programm“, sagt er. Auch erste Autofahrten werden die Welpen absolvieren.

Mitte April steht der Auszug an. Viele der Welpen bleiben im Schwabenland, einzelne reisen bis nach Österreich. Seine Welpenkäufer hat Florian Einweck aus über 20 Interessenten sorgfältig ausgewählt. „Es ist mir wichtig, dass meine Welpen in gute Hände kommen“, sagt er. Zwingerhaltung lehnt er ab, ein Alleinsein über viele Stunden an jedem Tag ebenso.

Die Hunde entscheiden mit

Und manchmal entscheiden auch seine Hunde, wer einen Welpen bekommt und wer nicht – Einweck erzählt von Welpeninteressenten, die Cassy und Phoebe den gesamten Besuch über keines einzigen Blickes würdigten. „Da war mir klar, da stimmt etwas nicht“, berichtet er. Die Familie fuhr ohne eine Zusage wieder nach Hause.

Sieben der acht Welpen aus dem aktuellen Wurf haben bereits ein neues Zuhause gefunden. Sie werden etwa Rettungs- und Therapiehunde; ein kleiner Rüde soll seinem neuen Besitzer in Zukunft als Diabetikerwarnhund zur Seite stehen. Ein Rüde zieht zu Einwecks Mutter, eine schwarze Hündin ist aber noch auf der Suche nach ihren perfekten Partnern.

Farbenvielfalt als Zuchtziel

Standard Die FCI, der größte kynologische Dachverband der Welt, kennt den Labrador in drei Farbschlägen: Gelb, Schokoladenbraun und auch in Schwarz.

Kontroverse Andere Zuchtverbände akzeptieren die Rasse in drei weiteren Farben: Champagner, Silber und Charcoal – ein dunkles Grau. Die Farbe sorgt immer wieder für Diskussionen zwischen Züchtern unterschiedlicher Verbände. Die einen sehen die „bunten“ Labradore nicht als richtige Vertreter ihrer Rasse an, die anderen kämpfen für ihre Anerkennung.

Geschichte Erstmals tauchten die zusätzlichen Schattierungen in den 1950er Jahren in den USA auf. Woher die neuen Farbvarianten kamen, ist ungeklärt. Diskutiert werden eine Einkreuzung anderer Rassen, etwa des Weimaraners, bei dem das silberne Fell seit jeher zum Standard gehört. Ebenso denkbar ist aber auch eine spontane Genmutation, die die ursprüngliche Farbe aufhellt und so aus Gelb Champagner, aus Braun Silber und aus Schwarz Charcoal werden lässt. agr

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel