Kunst Ausstellung: Zeugnisse der Geschichte

Munderkingen / Ingeborg Burkhardt 12.04.2018
Historische Vereine präsentieren einen Rückblick auf fünf Jahrhunderte Vereinsleben in Munderkingen und würdigen die Arbeit ihrer Vorfahren.

Es geht um Fotos und Fahnen, um Dokumente und ganz besondere Relikte wie eine große Töpferscheibe aus dem Jahr 1870: Im Dach­geschoss des Museums in Munderkingen ist die Sonderausstellung historischer Vereine entstanden, die am Freitag mit einem Festakt im kleinen Kreis eröffnet wird. Am Sonntag um 14 Uhr ist die Präsentation mit Zeugnissen aus der Geschichte der ältesten Munderkinger Vereine dann für alle zu sehen. Gezeigt wird, wie die Munderkinger sich über Jahrhunderte hinweg in ihrer Freizeit engagiert haben.

Der Aufbau der Sonderausstellung ist, wie Hermann Lang als Schriftführer des Geschichtsvereins beobachtet hat, anfangs etwas schleppend verlaufen. Doch jetzt sehe das schon ganz gut aus. Eines der besonderen Ausstellungsstücke ist die große Töpferscheibe aus dem Jahr 1870. Erik Bruder, Zunftmeister der Vereinigten Zünfte, und Werner Wald und Harald Valicek haben sie in Teilen die zwei Etagen bis unters Dach heraufgetragen und im Bereich der Werkstätten der Schuster, Bürsten- und Büchsenmacher wieder zusammengebaut. Valicek, Keramiker und Töpfermeister in der sechsten Generation, zeigt Gipsformen, mit denen sein Großvater Karl Mayer einst die Kacheln für Öfen, Blumentöpfe und Gartenzwerge gefertigt hat. Auf einen weiteren Kachelofen hat das Trio verzichtet, denn im Museums gibt es bereits zwei Meisterwerke von Karl Mayer.

Auf der den Werkstätten gegenüberliegenden Seite haben Ernst Fundel und Christian Morgenstern aus der Schützengilde als eine der Ersten beim Aufbau die lange Tradition des Schützenwesens dargestellt. Das reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Damit gehört die Schützengilde mit den Vereinigten Zünften, die es nach Angaben ihres Archivars Alfons Mussotter auch schon vor dem Dreißigjährigen Krieg gegeben hat, zu den ältesten Vereinen in der Stadt.

Mit einem Musikerpaar macht die 1804 gegründete Stadtkapelle auf sich aufmerksam. Den ersten Nachweis über „organisierte Blasmusik“ verdankt der Musikverein Metzgermeister Lorenz Fleischle, der im 1864 erstmals erschienenen Donau-Boten über Ereignisse in den Jahren 1803 bis 1830 berichtet hat.

Fahne und Notenkoffer

Mit einer historischen Fahne, mit einem alten Notenkoffer und Porträts der Vorsitzenden und Chorleiter stellt sich der am 28. Mai 1839 vom Schullehrer Ledergerber gegründete Liederkranz vor, und die Feuerwehr, deren erster Kommandant 1864 Anton Mohn war, erinnert mit alten Löscheimern und Schläuchen an ihre Anfänge.

Eine Kanone hat die 2011 wiedergegründete Bürgerwehr mit ihrem Kommando der Fronleichnam-Grenadiers ins Dachgeschoss gestellt. Mit dabei in der Ausstellung der historischen Vereine sind auch der 1828 gegründete Turnverein, die Fußballer, der Obstbauverein und die Kolpingfamilie, die 1898 als Verein gegründet worden ist. Aus dem Liederkranz heraus entstanden ist 1865 der Gewerbeverein, der Vorläufer des heutigen HGV, mit Uhrmachermeister Benedikt Mohn als erstem Vorsitzenden.

Das Dutzend der historischen Vereine voll machen kann der Geschichtsverein. Dr. Winfried Nuber hat vor einigen Jahren von Günter Gedenk zwei Protokollbücher der Museumsgesellschaft aus dem 19. Jahrhundert erhalten. Nuber gab sie dann ans Stadtarchiv weiter, wo sich Archivarin Ursula Erdt ihrer angenommen hat. Darin findet sich auch das Protokoll der Gründungsversammlung der Museumsgesellschaft von 1864 mit Stadtschultheiß Carl Schmid, A. Mohn und Wilhelm Braunger als Unterzeichner. Weitere Gründungsmitglieder waren demnach Stadtpfarrer Kriegstötter, Präzeptor Hofmeister, Notar Haußmann, Major von Wunster, Dr. Balluff, Posthalter Mayer, die Gemeinderäte K. Lutz, Edel, Willauer, Fidelius Doll, Schürer und Braunger sowie Apotheker Mayer, Stadtpfleger Dangel und vier Lehrer.

Bis zur letzten Versammlung im Januar 1930 hatte der Verein im Städle gesellige und kulturelle Veranstaltungen, Fasnetsbälle und Theateraufführungen organisiert. Archivarin Ursula Erdt ist davon überzeugt, dass sich die Aufarbeitung der Protokollbücher lohne: Das wäre doch Stoff für .eine schöne Zulassungsarbeit für angehende Lehrer.