Ein 64 Jahre alter Arbeiter ist am Montagmorgen im Zementwerk Schelklingen tödlich verunglückt. Das bestätigte zur Mittagszeit die Polizei Ulm gegenüber der SÜDWEST PRESSE, nachdem gegen zehn Uhr am Morgen Rettungskräfte, darunter Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst, auf dem Gelände des Unternehmens gesichtet worden waren. Zu diesem Zeitpunkt war von einem Einsatz in einem Silo die Rede, in dem ein Arbeiter abgestürzt sei.

Wie Elke Schönig, Pressesprecherin von Heidelberg Cement, am Nachmittag mitteilte, ereignete sich der Unfall gegen 9.30 Uhr auf einem Silo für Klinker, ein Vorprodukt in der Zementherstellung, auf dem Betriebsgelände. Ein Arbeiter habe dort an Klinker-Förderbändern Winterreparatur- und Umbau-Arbeiten vorgenommen und befand sich zu diesem Zeitpunkt 30 Meter über dem Grund. Der Arbeiter war als Mitarbeiter eines Subunternehmens im Auftrag der Firma Aumund tätig und stammte gebürtig aus Polen.

Mann stürzte durch die Brüstung ins Silo

Der Mann, erklärte Schönig weiter, sei während seiner Tätigkeit offenbar gestolpert und trotz vorhandener Absturzsicherung rückwärts durch die Brüstung ins Silo in die Tiefe gestürzt. Der 64-Jährige arbeitete nicht alleine, weshalb Mitarbeiter nach dem Unfall sofort die Werksfeuerwehr alarmierten. Daraufhin rückten auch die Schelklinger und die Blaubeurer Feuerwehr sowie die Höhenrettung Ulm an. Die Rettungskräfte konnten allerdings nur noch den Tod des 64-Jährigen feststellen.

War der Verunglückte zur Sicherung eingehakt?

Nun müssen die Ermittler der Kriminalpolizei und der Berufsgenossenschaft klären, wie es dazu kommen konnte, dass der Mann trotz vorhandener Sicherungsmaßnahmen verunglückte. Gemäß Unternehmensvorgaben, sagte Schönig, müssen sich Arbeiter an dieser Stelle zur Sicherheit einhaken. Gegenstand der beginnenden Ermittlungen ist nun, ob das bei dem Verunglückten der Fall war – und falls ja, wieso der Mann dennoch in die Tiefe stürzen konnte.

In Folge des Unfalls fuhren drei Mitarbeiter der Notfallseelsorge Ulm/Alb-Donau-Kreis nach Schelklingen und kümmerten sich um die Kollegen und Mitarbeiter vor Ort, wie Holger Oellermann von der Notfallseelsorge am Montagmittag mitteilte.

Gedenkminute für den Verstorbenen

„Unser tiefes Mitgefühl gilt in diesem Moment den Angehörigen. Mit einer Gedenkminute haben wir des Verstorbenen auf der Baustelle gedacht“, wird Werkleiter Stephan Wehning in einer Unternehmensmitteilung zitiert. Man sei „betroffen und erschüttert, dass es auf unserem Werksgelände erneut zu einem tödlichen Arbeitsunfall gekommen ist“.

Erst Anfang September waren zwei Arbeiter, 20 und 40 Jahre alt, auf der Großbaustelle für die neue Ofenanlage tödlich verunglückt. Damals war ein Gerüst in der Ofenanlage eingestürzt, auf dem sechs Arbeiter tätig waren. Der 40-Jährige stürzte 40 Meter in die Tiefe und konnte nur noch tot geborgen werden, der 20-Jährige stürzte aus zehn Meter in die Tiefe, erlitt dabei lebensgefährliche Verletzungen und starb später in einer Klinik. Die beiden  Männer stammten auch aus Polen, beide waren ebenfalls über ein Subunternehmen auf der Baustelle tätig

Schelklingen

Die Ermittlungen zu dem Unfall im September dauern an, teilte Schönig auf Nachfrage mit. Sie verweist auf ein in Arbeit befindliches Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Ulm (siehe Infokasten unten). Sobald dieses vorliege, ließen sich Schlüsse daraus ziehen und etwaige Verbesserungen im Werk vornehmen, sagte die Sprecherin. Sie betont, dass es sich bei dem Unfall am Montag um eine „komplett andere Situation“ als bei dem Unglück im September handle, die Häufung der Unfälle im Schelklinger Werk in so kurzer Zeit aber „verstörend“ seien.

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Gutachten der Staatsanwaltschaft


Ermittlungen: Die Staatsanwaltschaft Ulm wartet derzeit noch auf den Abschluss eines Gutachtens, das sich mit dem Unfall im September befasst. Dieses soll klären, weshalb das Gerüst damals zusammenstürzte, ob es etwa am Aufbau oder an der Konstitution der Bauteile lag, sagte Oberstaatsanwalt Werner Doster am Montag auf Nachfrage. Er rechnet „demnächst“ mit einem Ergebnis.