Mauerfall Zeitzeuge beim Mauerfall: Wolfgang Aleker hat den 9. November 1989 in Berlin erlebt

Wolfgang Aleker mit Beatrix Ringelspacher und Schülern der Jahrgangsstufe 2 beim Gespräch mit der finnischen Journalistin Tiina Rajamäkl an der Mauer-Gedenkstätte Bernauer Straße in Berlin.
Wolfgang Aleker mit Beatrix Ringelspacher und Schülern der Jahrgangsstufe 2 beim Gespräch mit der finnischen Journalistin Tiina Rajamäkl an der Mauer-Gedenkstätte Bernauer Straße in Berlin. © Foto: Helsingin Sanomat
ANDREAS HACKER 08.11.2014
Vor 25 Jahren war Wolfgang Aleker dabei, als in Berlin die Mauer aufging. Jetzt ist der Leiter des Ehinger Johann-Vanotti-Gymnasiums als Zeitzeuge von einer finnischen Zeitung zu dem Ereignis befragt worden.

"Lukiolaisia Berliinissä luotsaavan rehtorin Wolfgang Aleker i n kanssa missä olit 9.11.1989 - keskustelu on äärimmäisen kiinnostava" - so beginnt Tiina Rajamäkl, Deutschland-Korrespondentin des Helsingin Sanomat, in der Online-Ausgabe der finnischen Zeitung ihren Beitrag über Wolfgang Aleker, den sie bei Recherchen in Berlin zum 25. Jahrestag der Maueröffnung in der Gedenkstätte an der Bernauer Straße getroffen hat.

Der Leiter des Johann-Vanotti-Gymnasiums in Ehingen war mit Lehrerin Beatrix Ringelsbacher und Schülern der Jahrgangsstufe 2 auf Studienfahrt in Berlin. Als sich die Ehinger Gruppe und die finnische Journalistin an dem zentralen Erinnerungsort an die deutsche Teilung begegnet sind, haben die angehenden Abiturienten Tiina Rajamäkl erzählt, dass ihr Schulleiter vor 25 Jahren in Berlin war, als am 9. November 1989 die Mauer aufgegangen ist. So kam es am historischen Ort - auf dem Areal der Gedenkstätte befindet sich das letzte Stück der Berliner Mauer - zum Gespräch über einen historischen Tag.

Aleker war damals als Deutschlehrer für eine Woche zur Fortbildung am Gesamtdeutschen Institut in Berlin. Eigentliches Thema: die Literatur in der DDR. "Wir haben aber bald gemerkt, dass sich da was tut", erzählt der heute 60-Jährige über die Novembertage 1989, in denen er mit dem Kollegen Uli Meyer aus Freiburg in einem Hotel am Kurfürstendamm untergebracht war. Die beiden organisierten dann ihre eigene Fortbildung: "Als die Mauer aufging und alle rüberkamen, sind wir nach drüben gegangen", sagt Aleker. Vom Alexanderplatz aus sind sie die Käthe-Kollwitz-Straße hinuntergelaufen bis zum Käthe-Kollwitz-Platz: "Es war schlicht und einfach trostlos", erinnert sich Aleker, es war dunkel, an den Häusern fiel der Putz von den Wänden und die gepflasterte Straße war voller Stolperfallen.

Es sei ein Schock gewesen, in Ostberlin die zerrissenen Häuser zu sehen, zitiert Tiina Rajamäkl Aleker in ihrem Beitrag. Es gab aber auch heitere und bewegende Momente in dieser Nacht: Die DDR-Bürger haben von der Bundesrepublik damals 100 D-Mark Begrüßungsgeld erhalten. "Zuerst gab es Schlangen vor den Banken, in denen das Geld ausgezahlt worden ist, und dann gab es Schlangen im Beate-Uhse-Laden in der Nachbarschaft", hat Aleker der finnischen Journalistin jetzt erzählt. Und in den Läden im Westen waren Bananen und Orangen rasch ausverkauft.

"Es war das zentrale historische Ereignis, bei dem ich dabei war", sagt Wolfgang Aleker im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE, "alles andere kenne ich aus dem Radio, dem Fernsehen oder übers Internet." Am Brandenburger Tor ist er auf der Mauer gesessen, hat die Massen und die Trabis gesehen und hält es für ganz wichtig, dass junge Menschen mindestens einmal Berlin besuchen, weil sie in der Bundeshauptstadt sowohl der DDR-Geschichte als auch der Geschichte der Nationalsozialisten begegnen. So wie jetzt die Jahrgangsstufe 2, die auch das Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen besucht hat und das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors. Besonders eindrucksvoll: "Mutter Courage" im Brechttheater am Schiffbauerdamm.