Kultur Ferienprogramm: Stadtführung für Kinder

Ehingen / CHRISTINA KIRSCH 13.08.2018
Bei der Stadtführung für Kinder ließ Johannes Lang auch raten. Die Anzahl der Orgelpfeifen in der Kirche St. Blasius war besonders schwierig zu schätzen.

„Wie sehen denn die Fenster in den unteren drei Etagen des Kirchturms aus?“, fragte Stadtführer Johannes Lang die Kinder, die sich Ehingen bei einer Kinderführung im Rahmen des Ferienprogramms der Museumsgesellschaft zeigen ließen. „Wie Schießscharten“, antwortete prompt ein Junge. Die Fenster seien ein Hinweis darauf, dass der Turm einst als Wehrturm diente und frei stand, erklärte Johannes Lang. Erst später sei die Kirche angebaut worden. Die Kinder und einige Erwachsene, die bei der Führung mitgemacht haben, erfuhren Wissenswertes über die Ehinger Kirchen St. Blasius und Liebfrauenkirche, über das Franziskanerkloster und die Ehinger Brunnen.

Die Führung begann unter der Mariendarstellung am Marienheim. Zwölf Sterne umkränzen die Heilige. „Wie auf der Europafahne“, stellte Johannes Lang einen weltlichen Bezug her. In der Bibel steht die Zwölf für Vollkommenheit und Einheit. Die Kinder staunten, dass es auf der Wiese im Kirchhof schon einmal eine Kirche gegeben hatte, die wesentlich älter als die Stadtpfarrkirche war. An diese einstige Michaelskirche erinnert die in den 60er Jahren gebaute Michaelskirche im Wenzelstein. Von der ursprünglichen Michaelskirche ist nur noch ein Taufstein erhalten, der nun in St. Blasius steht.

Piepsen und Quäken

Ein Höhepunkt der Führung war die Besichtigung der Orgel in der Stadtpfarrkirche. Dafür durften die Besucher auch die Empore betreten. Kirchenmusikdirektor Volker Linz hatte verschiedene Orgelpfeifen mitgebracht, die alle ausprobiert werden konnten. Die kleinsten Pfeifen piepsten nur, einige quäkten und eine Holzpfeife, die die kleine Julia zum Klingen brachte, gab einen sauberen, warmen Ton von sich. Bei der Schätzfrage, aus wie vielen Pfeifen die Orgel bestehe, lagen die Kinder und Erwachsenen gründlich daneben. Rund 3500 Pfeifen bedient Volker Linz und der Orgelbauer braucht zum jährlichen Stimmen eineinhalb Tage. „Jede Taste hat eine Pfeife“, erklärte Volker Linz und ließ den Wind in die Orgel. Der Organist spielte mal extrem laut und mal extrem leise und zeigte, wie man mit den Lamellentüren die Lautstärke der Töne regulieren kann. Anschließend durfte jeder noch in die Orgel gehen und sich die Pfeifen von hinten anschauen.

Bei der Kirchenführung verstand es Johannes Lang, den Kindern einige Details schmackhaft zu machen. So sollten sie beispielsweise die Darstellung des Bischofs Theodul, der auf einem Seitenaltar als Figur dargestellt ist, mit dem Theodul am Ehinger Marktplatzbrunnen vergleichen. Das gefiel auch den Erwachsenen, die ebenfalls von der Kinderführung profitierten. „Solche Sachen erkennt man nicht, wenn man es nicht gesagt bekommt“, meinte eine Besucherin.

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