Wie kann Integration gelingen? Diese Frage stellte sich eine Gesprächsrunde auf Initiative des SPD-Ortsvereins in der Ehinger Lindenhalle. Man wolle nicht über Flüchtlinge reden, sondern mit ihnen, meinte Klärle Dorner, die SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, zur Begrüßung der Konferenz mit Flüchtlingen. Deshalb saßen im Halbkreis vor dem Publikum auch zwei Menschen, die aus Syrien beziehungsweise Afghanistan nach Ehingen gekommen waren.

Anahita Barri floh aus Syrien, weil sie sich als Mitarbeiterin von „Ärzte ohne Grenzen“ in ihrem Heimatland bedroht fühlte. Die junge Frau ist seit acht Monaten in Ehingen und empfindet Deutschland bereits ein bisschen als Heimat. Der Kontakt zu ihrer Familie in der früheren Heimat sei wegen mangelhafter Stromversorgung nur sporadisch möglich. Anahita Barri hat bereits die Anerkennung als Flüchtling erhalten.

Bereits seit mehreren Jahren ist Souleimani Farhad, ursprünglich aus Afghanistan, in Ehingen. Es vergingen fünf Jahre bis er anerkannt wurde. Vier Jahre lebte er mit seiner Familie im Übergangswohnheim an der Berkacher Straße und engagierte sich dort als freiwilliger Hausmeister. Nun hat er mit Hilfe des Freundeskreises Migranten eine Anstellung als Wasserinstallateursaushilfe bei der Firma Zeller gefunden. Auch sein Chef, Geschäftsführer Jürgen Zeller, saß unter der Moderation von MdB Hilde Mattheis im Gesprächskreis.

Bürgermeister Sebastian Wolf und die Integrationsbeauftragte Ursula von Helldorff lobten das große ehrenamtliche Engagement der Helfer in Ehingen. „Jede Unterkunft hat einen Helferkreis und es fühlen sich viele Menschen von dem Thema Flucht angesprochen, die sich sonst nicht engagierten“, sagte die Integrationsbeauftragte, die übrigens vom Land und nicht von der Stadt finanziert wird. Ehingen habe sehr gute Netzwerkstrukturen, meinte Ursula von Helldorff. Und man bewahre Kontinuität. „Die Helfer sind Helfer geblieben“, sprach sie eine große Anerkennung an die vielen anwesenden Helfer der mit rund 80 Interessierten sehr gut besuchten Veranstaltung aus.

Was jedoch von Ursula von Helldorff und auch Claudia Zanker, der Sprecherin des Helferkreises der Unterkunft am Mühlweg, bemängelt wurde, ist die personelle Ausstattung des Hauptamtes und anderer hauptamtlicher Stellen. „Es geht nicht, dass die Sozialarbeiter nicht ansprechbar sind oder keine Vertretung haben“, sagte Claudia Zanker. Auch die Beschulung der Kinder dauere zu lange und sorge in der Unterkunft für Frustration. Man kenne das Problem, meinte Bürgermeister Sebastian Wolf, der auch auf die verschiedenen Zuständigkeiten aufmerksam machte. Für die Erstunterbringung ist der Landkreis zuständig, um die Anschlussunterbringung muss sich die Stadt kümmern. Man müsse die Flüchtlinge mehr fordern, bemerkte der einstige Chef der Frauenklinik, Dr. Klaus Gnad. So sehe er, dass Flüchtlingsväter oft unbeteiligt daneben stünden, statt ihre Kinder zur Schule zu begleiten. Dem widersprach Claudia Zanker. Die Schulbegleitung laufe mittlerweile.

Dr. Claudia Simon-Kuhlendahl, Schulleiterin der Magdalena-Neff-Schule Ehingen, berichtete aus ihrer Vorbereitungsklasse mit Flüchtlingen, die vom Analphabeten bis zum Studenten alle möglichen Bildungsstufen unter einen Hut zu bringen habe. Deshalb planen die drei Ehinger berufsbildenden Schulen im nächsten Schuljahr dahingehend zusammenzuarbeiten, als dass sie etwa gleiche Bildungsvoraussetzungen zusammenfassen.

Die Schulleiterin stellte fest, dass die Schulsozialarbeiterin vollkommen von den Flüchtlingen vereinnahmt ist und für den normalen Schulbetrieb keine Kapazität mehr hat. Jürgen Zeller sagte, sein Betrieb suche händeringend nach Fachkräften. „Arbeit ist Integration“, sagte der Handwerksmeister. „Ohne Arbeit verlottert man“.