Oberdischingen Wie im Märchen

Der Pavillon im Park von St. Hildegard Oberdischingen präsentiert sich wieder ansehnlich; darüber freuen sich (von links) Hildegard Bareiss, Brigitte Wirth und Peter Strobel von Bareiss, Direktor Walter Fesseler, Schwester Oberin Maria Lucie, Hausmeister Lutz Grütze, Bürgermeister Fritz Nägele sowie Rolf Sautter und Werner Kreitmeier vom Museumsverein.
Der Pavillon im Park von St. Hildegard Oberdischingen präsentiert sich wieder ansehnlich; darüber freuen sich (von links) Hildegard Bareiss, Brigitte Wirth und Peter Strobel von Bareiss, Direktor Walter Fesseler, Schwester Oberin Maria Lucie, Hausmeister Lutz Grütze, Bürgermeister Fritz Nägele sowie Rolf Sautter und Werner Kreitmeier vom Museumsverein. © Foto: Rainer Schäffold
Oberdischingen / RAINER SCHÄFFOLD 22.07.2015
Aus seinem Dornröschenschlaf erweckt wurde das Häuschen im Park von St. Hildegard in Oberdischingen - allgemein "Pavillon" genannt. Es soll einmal als Ort für Ausstellungen und kleinere Feste dienen.

Holprig, steinig und steil sei der Weg, bis der alte Pavillon im Park von St. Hildegard einmal einer neuen Bestimmung zugeführt sein wird. Dies sagte Walter Fesseler, Direktor des Seniorenheims in Oberdischingen, gestern bei einer kleinen Feier. Das Gebäude - im eigentlichen Sinn ist es kein Pavillon - ist in den vergangenen Jahren saniert worden und präsentiert sich nun in einem ansehnlichen Zustand. Zuletzt ist eine alte, hässliche Bautür durch eine neue, schmucke Holztür ersetzt worden, die ortsansässige Firma Bareiss Prüfgerätebau hat sie gestiftet.

Das Gros der Arbeit hat Hausmeister Lutz Grütze in Eigenleistung erbracht. Seit 2007 war er am Werk, hat den alten Außenputz entfernt und neuen aufgebracht, das Haus gestrichen, die originalen Fenster neu verglast und auch der Innenraum erhielt einen neuen Anstrich. Die Außenfarbe wurde in Absprache mit dem Landesdenkmalamt ausgewählt; viele Gäste erinnere sie an ein mediterranes Haus, berichtete Direktor Fesseler.

Zuvor war das Häuschen eingewachsen und verkommen, Grütze habe diesen Zustand nicht mehr ertragen, erzählte er. "Das ist jammerschade", habe er sich gedacht. So hat er das Gebäude aus einem wahren Dornröschenschlaf erweckt, der tatsächlich wie im Märchen nahezu 100 Jahre gedauert hatte. Denn 1920 hatten die Fugger das Anwesen erworben, wie Rolf Sautter in einem Kurzreferat über die Geschichte des Pavillons berichtete, und zu diesem Zeitpunkt versank er im Schlaf - niemand wusste ihn zu nutzen. Auch nicht die Steyler Missionsschwestern, die Gebäude und Park 1929 erwarben und es fortan als Kloster nutzten, bis sie später nach Laupheim umgezogen sind. Seit 1995 ist das Heim unter der Trägerschaft des Deutschen Ordens.

Wann genau der Pavillon erbaut wurde, ist nicht bekannt, sagte Sautter. Sicher ist nur, dass ihn der aus Stuttgart stammende Kaufmann Friedrich Kaulla einst errichtet hat, ungefähr im Jahr 1870, um einen Besprechungsraum zu haben und darin ungestört seinen biologischen Studien nachgehen zu können. So konnte er seine Versuchsreihen stehen lassen, niemandem waren sie im Weg. Kaulla hatte das gesamte Anwesen im Jahr 1851 von Ludwig Anton Reichsgraf Schenk von Castell (1802-1876), einem Enkel des Malefizschenken Franz Ludwig Schenk von Castell, ersteigert. Letzterer hatte Oberdischingen mit der Herrengasse, der Allee und dem Schloss - das allerdings im Jahr 1807, wahrscheinlich von entlaufenen Strafgefangenen, in Brand gesteckt wurde - nachhaltig geprägt. Er hatte auch den Keller bauen lassen, auf dessen Hügel später der Pavillon errichtet wurde, um Wein und Bier kühlen zu können, wie Sautter weiter berichtete.

Diesen Keller trockenzulegen und zugänglich zu machen ist ein Fernziel, das Walter Fesseler anstrebt. Erstmal soll nach seinem Wunsch der Pavillon belebt werden. Ihm schwebt vor, dort wechselnde Ausstellungen zu veranstalten oder kleine Feste zu feiern. Jedenfalls sollen mehr Menschen den Weg in den Park von St. Hildegard finden, auch Jakobspilger, die in großer Zahl in den Ort kommen. "Der Park darf gerne an Bedeutung gewinnen", sagt der Direktor.

Dabei ist ihm auch bewusst, dass dies noch vieler Anstrengungen bedarf - auch finanzieller Art. Die Pflegebeiträge, die das Seniorenheim einnimmt, könnten nicht dafür verwendet werden. So sei er sehr dankbar für weitere Spenden, sagt Fesseler. Diese sollen jedoch nicht für eine Heizung aufgewendet werden, die es bislang nicht gibt in dem Häuschen. "Das wäre viel zu teuer" - so müsse die Nutzung des Pavillons auf die Monate von Frühjahr bis Herbst beschränkt bleiben. Zu sanieren wäre noch der Zugang zum Pavillon, der Weg ist momentan von teils wackeligem Pflaster belegt und zu schmal. Eben holprig, steinig und steil . . .