Die Nachricht hat vor einigen Tagen einen Sturm der Entrüstung unter Tierfreunden in der Region ausgelöst: Zwischen dem 30. April und dem 5. Mai soll demnach ein Rottweiler-Welpe in einem Wald bei Allmendingen an einen Baum gebunden und ausgesetzt worden sein. „Der Hündin wurden der Schwanz gebrochen und die Tatzen verstümmelt“, heißt es in dem Beitrag in der Facebook-Gruppe „Wanted: Ehingen“. Es wurde nach Zeugen gesucht. Da der Finder seinen Fund nicht gemeldet, sondern den Hund einfach weitervermittelt hatte, stand zwischenzeitlich der Verdacht auf Unterschlagung eines Fundtiers im Raum. Der Post wurde mehr als 700 Mal kommentiert und rund 4700 Mal geteilt.

Fund war scheinbar eine Notlüge

Nun hat der Fall eine überraschende Wendung genommen: „Mittlerweile ist klar, dass der Hund nie ausgesetzt war“, sagt Ralf Peßmann, Leiter des zuständigen Tierheims Ulm/Neu­-Ulm, auf Nachfrage. Der Finder sei vielmehr der eigentliche Besitzer der Hündin, ihr vermeintlicher Fund im Wald eine Notlüge, um den Rottweiler-Welpen schneller loswerden zu können.

Ob die Hündin vor der Weitergabe in ihr neues Zuhause tatsächlich misshandelt wurde, wie im „Wanted“-Post ebenfalls behauptet wurde, ist indes weiterhin unklar. „Das wird möglicherweise auch nicht mehr zu klären sein“, sagt Peßmann. Fakt ist, dass das Tier einige gesundheitliche Baustellen hat: Es leidet laut Tierheim an einer Fehlstellung des rechten Vorderbeins, an einer Hinterpfote fehlen zwei Zehen samt Ballen und die Rute weist zwei Knicke auf– ob durch Misshandlung, einen Unfall oder einen angeborenen Fehler sei aber zumindest derzeit nicht zu sagen.

Im neuen Zuhause bestens untergebracht

Immerhin scheint die junge Hündin mit ihren neuen Besitzern, die sie in gutem Glauben als vermeintliches Fundtier übernommen haben, viel Glück zu haben. „Ich habe mir das neue Zuhause selbst angeschaut“, sagt Ralf Peßmann. Aus seiner Sicht spreche absolut nichts dagegen, dass der Hund dort bleibe. „Das sind ganz, ganz nette Leute, die sowohl den Platz als auch die nötigen finanziellen Ressourcen haben, um einen Rottweiler zu halten.“ Um die Fehlstellung des Beins zu korrigieren, seien die neuen Besitzer mit der Hündin in physiotherapeutischer Behandlung. Sollte später doch noch eine Operation notwendig werden, wollten sie auch dafür aufkommen. „Da werden wirklich keine Kosten und Mühen gescheut“, betont Peßmann. Welche Folgen der Fall für den Vorbesitzer des Tieres hat, bleibt abzuwarten.