Orthodoxe Christen feiern Weihnachten erst Anfang Januar. Auch die Eritreer, die in Schelklingen leben, haben gestern gefeiert - die meisten von ihnen gehören der eritreisch-orthodoxen Kirche an. Schon am Tag zuvor fuhren einige von ihnen nach Stuttgart in eine orthodoxe Kirche, um dort am Heiligen Abend mit anderen Gläubigen zusammen zu sein. Die Rückreise war mit Stress verbunden, berichtet Bianca Phieler vom Helferkreis - denn die Kontrolle am Ulmer Bahnhof war nach den Vorfällen in Köln streng. Das Wachpersonal kontrollierte die Kirchgänger intensiv.

Gestern Abend stand dann ein kleines Fest in der Unterkunft in der Schelklinger Innenstadt an. Tayta, die typische Teigfladen der Küche aus Eritrea, standen auf dem Speiseplan. Sigrid Kay, Christa Braun und Bianca Phieler vom Helferkreis waren mit dabei, Kay hatte unter anderem Geschnetzeltes und Gemüse gekocht. Wie wird Weihnachten in Eritrea gefeiert? Üblicherweise schlachte eine Familie extra zum Fest ein Schaf oder eine Ziege, berichtete einer der Eritreer. Auch Geschenke, sogar Weihnachtsbäume seien üblich. Fühlen die Eritreer ein besonderes Heimweh nach ihren Verwandten in Afrika an diesem Tag? Richtig Auskunft dazu geben wollte keiner. "Aber sie haben telefoniert, die Gespräche waren Ihnen schon sehr wichtig", berichtet Phieler. Jedes Gespräch muss aber genau geplant werden - Gespräche nach Eritrea sind teuer, allzuviele Minuten können sich die jungen Männer nicht leisten. Welche Wünsche haben die Eritreer zu Weihnachten? "Glück für jeden", sagt einer. "Und ich wünsche mir, dass die Deutschen genau hin schauen, was wir für Menschen sind." Denn es dürfe nichts verallgemeinert werden. Auch die Muslime aus Eritrea seien überhaupt keine Fanatiker, sagt der junge Christ. Man komme gut miteinander aus. Auch am Tisch in der Schelklinger Stube saß ein Muslim bei den Christen.

Die Betreuer vom Helferkreis haben ebenfalls Wünsche: Werkzeug jeglicher Art wäre gut, in der alten Wohnung gibt es viel zu richten. Und ein Schrank - aber klein muss er sein. Die Decke in der Unterkunft ist extrem niedrig, große Menschen können dort nur mit eingezogenem Kopf laufen.