Wenige Tage vor dem Bürgerentscheid zur Zukunft der Wasserversorgung der Gemeinde Lauterach lässt das Landratsamt im Alb-Donau-Kreis mit einer Pressemitteilung aufhorchen: Die Wasserversorgung sei nicht mehr in ordnungsgemäßem Zustand, weshalb die Gemeinde Lauterach umgehend Maßnahmen zur Sicherstellung der Trinkwasserqualität umsetzen müsse, ordnet die Behörde an. Dies geschehe ausdrücklich „unabhängig vom Bürgerentscheid am 19. April, da eine daraufhin erfolgende Um- oder Neuorganisation der Wasserversorgung eine wesentliche Zeit in Anspruch nehmen wird und hier der Schutz der Gesundheit aller Bewohnerinnen und Bewohnern der beiden Gemeinden im Mittelpunkt steht“, schreibt Pressesprecherin Désirée Krumrey in der Mitteilung.

Landratsamt: Wasserversorgung seit vielen Jahren dringend sanierungsbedürftig

Die über Boschäckerquelle und Wolfstalbrunnen gespeiste Wasserversorgung Lauterach-Rechtenstein befinde sich seit vielen Jahren in einem dringend sanierungsbedürftigen Zustand, heißt es weiter: „Es ist zukünftig mit weiteren Störfällen zu rechnen.“ Darauf habe das Gesundheitsamt des Alb-Donau-Kreises die Gemeinde Lauterach als Betreiberin mehrfach hingewiesen – zuletzt hatte die Behörde nach einer Begehung im Februar 2020 die Gemeinde schriftlich aufgefordert, bis spätestens 31. März folgende Maßnahmen zu veranlassen: Die Betriebsführung der Wasserversorgung durch Personal, das über die „geforderte notwendige Sach- und Fachkunde“ verfügt; die Einrichtung angepasster Organisationsstrukturen und eines technischen Sicherheitsmanagements sowohl für den betrieblichen Alltag als auch für Extremsituationen sowie die zukünftige unverzügliche Anzeige von Betriebsstörungen wie Rohrbrüchen beim Fachdienst Gesundheit. Letzteres hatte in der Vergangenheit offenbar mehrfach nicht oder erst mit erheblicher Verspätung funktioniert – das hatte der Erste Landesbeamte Markus Möller in einem Schreiben an die Gemeinden Lauterach und Rechtenstein vom 19. Februar kritisiert.

Betriebsführung am 2. April an Firma vergeben

Der 31. März und damit das Ende der gesetzten Frist waren vor mehr als zwei Wochen. „Nachdem die Frist verstrichen ist, ohne dass die Gemeinde die Umsetzung der geforderten Schritte und Maßnahmen dargelegt hat, erließ das Landratsamt die Anordnung mit Androhung von Zwangsgeldern“, schreibt Pressesprecherin Krumrey.

Bürgerentscheid Wasserversorgung Lauterach Klares Votum für das Bussenwasser aus Rechtenstein

Rechtenstein

Auf Anfrage unserer Zeitung teilt Lauterachs Bürgermeister Bernhard Ritzler mit: „Die vom Landratsamt geforderten Maßnahmen sind beschlossen und in Auftrag gegeben.“ In der jüngsten Gemeinderatssitzung am 2. April hatte sich das Gremium tatsächlich einmütig dazu entschieden, aufgrund der Mahnung des Landratsamts die Betriebsführung der eigenen Wasserversorgung an die Firma Keimer aus Tigerfeld zu vergeben. Auch wurde beschlossen, für insgesamt 15 000 Euro Fernüberwachungsmelder an den beiden Hochbehältern Reichenstein und Schwärze installieren zu lassen. Einzig: Bislang habe er das Landratsamt über diese Maßnahme nicht informiert, gibt Ritzler zu. Das wolle er nun nachholen. „Ich gehe davon aus, dass die Anordnung damit hinfällig ist.“

Landratsamt: „Übliche Verwaltungspraxis“, dass Bürgermeisteramt Bericht erstellt

„Wir haben bislang keine offizielle Mitteilung der Gemeinde Lauterach erhalten“, teilt Désirée Krumrey mit. Es sei übliche Verwaltungspraxis, dass nach der Aussprache einer Beanstandung durch das Landratsamt das jeweilige Bürgermeisteramt einen Bericht erstelle: „Sollten zwischenzeitlich die entsprechenden Maßnahmen getroffen worden und eine entsprechende Nachricht unterwegs zu uns sein, wäre dies sehr erfreulich.“