Immer mehr Wasservögel, Insekten und Fische verschwinden, sagt Christina Bosch. Sie will die Wasserqualität in Ach und Blau verbessern und sammelt Unterschriften für eine Petition an den Umweltminister (siehe Info). In allen Kläranlagen des Landes soll eine vierte Reinigungsstufe eingebaut werden.

Denn die derzeitige Filtertechnik in vielen Kläranlagen reinigt das Abwasser nicht komplett. Rückstände von Körperpflegeprodukten oder von Arzneimitteln wie dem Stimmungsaufheller Carbamazepin oder dem Schmerzmittel Diclofenac finden sich nicht nur in den Kläranlagen, sondern auch im Grund- und Trinkwasser. Das berichtet die Ingenieurszeitschrift VDI-Nachrichten. Nach derzeitigem Wissensstand geht von den Mikroschadstoffen zwar für den Menschen keine unmittelbare Gesundheitsgefahr aus. Lebewesen in den Gewässern aber würden nachweislich geschädigt.

BUND fordert vierte Reinigungsstufe für Schelklingen, Ehingen und Blaubeuren

Bereits im vergangenen Jahr hat der Regionalverband Donau­Iller des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) deshalb den Einbau von vierten Reinigungsstufen für die Kläranlagen in Schelklingen, Ehingen und Blaubeuren gefordert. Diese Stufen entfernen mit Hilfe von Aktivkohlefiltern die Rückstände von Medikamenten aus dem Abwasser. Die neue Filtertechnik ist allerdings teuer.

„Manche Fische sehen aus wie Monster“, sagen Fischer

Die beiden Fischer Heiderich Fontana und Joachim Schmid berichten deprimiert, wie sich das ganze Ökosystem an der Blau verändert hat. Seit etwa zweieinhalb Jahren hätten sich Algen sehr stark vermehrt, schildert Fontana. Schmieralgen versiegelten teilweise den Boden und ließen den Insekten und Kleinstlebewesen dort keine Chance mehr. „Da ist das ganze Ökosystem zusammengebrochen“, urteilt Fontana. Von den Fischen seien die Äschen zu etwa 90 Prozent verschwunden, ebenso die Mühlkoppen, die ohne Schwimmblase am Flussboden von Insekten leben. Der Fischer schätzt, dass auch die Fliegenlarven, von denen sich Fische ernähren, um über die Hälfte abgenommen haben. Außerdem nähmen Missbildungen an den Tieren zu. „Manche Fische sehen aus wie Monster“, sagt Joachim Schmid.

Ruckh hat Verständnis für die Forderung

Schelklingens Bürgermeister Ulrich Ruckh versteht die Forderung nach neuer Filtertechik. „Eine vierte Reinigungsstufe wäre sicher wünschenswert“, sagte er bereits im vergangenen Jahr. Es sei verständlich, dass Bürger verlangten, die Medikamentenreste aus dem Wasser zu bekommen. Aber die neue Technik sei noch nicht vorgeschrieben. Sie würde die Stadt laut Ruckh vermutlich einen höheren sechsstelligen Betrag kosten. Wenn sie vom Gesetz verlangt werde, werde die Stadt sie auch einbauen.

Die schlechte Wasserqualität der Ach hat mehrere Ursachen

Wegen der Wasserqualität der Ach hat es im vergangenen Jahr eine Konferenz im Landratsamt gegeben. Ein Wissenschaftler hatte den Fluss eingehend untersucht. Sein Fazit: Die schlechte Wasserqualität beruht offenbar auf mehreren Ursachen – diffuse Einträge wie Dünger aus der Landwirtschaft, Fischzucht, aber vor allem auch aus Wasser aus Regenüberlaufbecken, die in die Ach geleitet werden. Nach dem Schelklinger Freibad nimmt die Fließgeschwindigkeit des Gewässers ab, Sedimente lagern sich ab.

Schelklingen und Blaubeuren investieren kräftig in die Ach

Die Stadt Schelklingen gibt nun viel Geld aus, um die Wasserqualität zu verbessern. So wird für 700 000 Euro ein Rückhaltebecken in Hausen ob Urspring errichtet. Das hilft dabei, die Schelk­linger Kläranlage bei starken Regenfällen zu entlasten.

Außerdem will Schelklingen die Ach naturnaher gestalten. Erste Grundstücke seien schon dafür erworben worden, berichtet Bürgermeister Ruckh. In die Planungsphase will die Stadt 2020 eintreten. Auch Blaubeuren will den Fluss bis zur Gemarkungsgrenze Schelklingen ökologisch aufwerten – beispielsweise durch die Neugestaltung des Ufer- und Böschungsbereichs. So soll der Lebensraum für Wassertiere verbessert werden.

Christina Bosch appelliert an Mitbürger: Es muss ein Umdenken stattfinden

Das Landratsamt hält unter anderem den extrem niedrigen Wasserstand in der Ach – der etwa im vergangenen Jahr herrschte – für eine Ursache des niedrigen Fischbestands.

Die Probleme mit Mikroplastik und Arzneimittelrückständen im Wasser bestünden aber weiter, sagt Christina Bosch. Sie appelliert auch an ihre Mitbürger: „Mir ist es sehr wichtig, dass ein Umdenken stattfindet. Etwa bei der Entsorgung von Restmedikamenten und beim Einkauf von Kosmetik- und Reinigungsprodukten.“

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Mehr als 30 000 Unterschriften


Petition Um ihr Anliegen zum Gewässerschutz und eine vierte Reinigungsstufe in Klärwerken voranzubringen, hat Christina Bosch Infos und Flugblätter über ihre Online-Petition verteilt. Über 31 000 Menschen haben schon unterzeichnet. Jeder kann sich anschließen unter: www.blau-aach.de

Abwasserreinigung Eine sofortige gesetzliche Regelung über eine verbindliche vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen würde Land, Städte und Gemeinden sowie die Bau- und Fachtechnikbranche finanziell und logistisch überfordern, teilt das Landratsamt mit. Daher haben bisher nur Kläranlagen in sehr empfindlichen Gebieten eine zusätzliche Klärstufe – in Westerheim und Laichingen, bald auch in Lonsee.