Gemeinderat Hangrutsch Munderkingen: Wasser muss weg

Munderkingen / Andreas Hacker 19.05.2018
Der Rutsch an der Stellhalde bringt Munderkingen unter Zeitdruck und in Finanznot. Bürgermeister Lohner spricht von Katastrophe.

Jetzt sind Dimension und Dringlichkeit eines Vorfalls klar, den Bürgermeister Dr. Michael Lohner am Donnerstag im Gemeinderat mehrmals als Katastrophe für eine finanzschwache Kommune wie Munderkingen bezeichnet hat: Mehr als eine Stunde lang hat sich das Gremium jetzt in öffentlicher Sitzung mit dem Hangrutsch an der Stellhalde und mit den damit verbundenen Gefahren fürs Schützenhaus und für die Gemeindeverbindungsstraße nach Gütelhofen befasst. Schon im Januar waren dort in nur 180 Sekunden rund 650 Kubikmeter Schutt in Richtung Donau gerutscht, wie der von der Stadt beauftragte Sachverständige Dr. Matthias Lindinger jetzt nochmals zusammengefasst hat.

Seit Lohner Ende Februar bei der Hauptversammlung der Schützengilde über den Vorfall informiert hat, zieht das Thema seine Kreise. Hauptbetroffene sind zunächst die Schützen, weil der Hangrutsch nur einen Meter vom Vereinsheim entfernt auftrat. Deshalb ruhen dort die Renovierungsarbeiten, bis Ursache des Rutsches und Ausmaß der Gefahr für die Schützen klar sind. Anfang März stand das Thema zwar auch auf der Tagesordnung einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats, doch mehr als die Beauftragung Lindingers ist damals öffentlich nicht behandelt worden.

Ergebnisse liegen vor

Nun ist mit Otto Schweikert aus Bad Wurzach ein weiterer Sachverständiger für Geotechnik eingebunden und es liegen die Ergebnisse von Bodenuntersuchungen vor. Zusammen mit Erfahrungsberichten aus dem Kreis der Schützengilde, die 1955 mit einem ersten Schützenhaus an die Stellhalde gezogen war, ergibt sich ein Bild der Situation, das Lindinger im Gemeinderat vorgetragen hat: Danach hat die Ausräumung der landwirtschaftlichen Flächen oberhalb der Stellhalde dazu geführt, dass bei Starkregen viel Wasser in die Böden eindringt, bis es in einer Tiefe von etwa drei Metern auf die so genannte Gleitschicht trifft und unterirdisch in Richtung Donau drückt. Schützen, die fast ein halbes Jahrhundert überschauen können, berichten, dass es zwar früher schon einzelne Quellen gab, inzwischen aber die Drainage, die beim Neubau des Schützenhauses in den 1970er Jahren vorsorglich gelegt worden ist, Tag und Nacht läuft. Und weiter östlich, in Richtung Munderkingen, gibt es einen zweiten Rutsch.

Mit Blick auf die im Juni zu erwartenden Starkregen mahnt Lindinger zur Eile, vor allem wegen der Sicherheit der Schützen. Das drückende Wasser im Hang ableiten, die Böschung durch einen naturnahen Verbau mit so genannten Kreinerwänden stabilisieren und das Schützenhaus sichern – das sind Kernpunkte seines Konzepts, das laut einem ersten Angebot für rund 200.000 Euro umgesetzt werden könnte. In der kommenden Woche soll es ein zweites Angebot geben; der Gemeinderat hat die Verwaltung ermächtigt, den günstigsten Bieter zu beauftragen.

Ökologisch höchst wertvoll

Mit Landratsamt und Regierungspräsidium seien die Eingriffe abgestimmt, sagte Lindinger. Dem Naturschutz kommt eine ganz besondere Bedeutung zu, denn die Stellhalde ist Natur- und Vogelschutzgebiet, Flora-Fauna-Habitat, Biberschutzgebiet und Donau-Gewässerrand. „Die ökologische Wertigkeit ist nicht zu toppen“, sagte Lohner. Deshalb wird es eine naturschutzfachliche Begleitung der Arbeiten geben, die 20 bis 25 Tage dauern sollen.

Bleibt die Frage der Kosten. „Wir wissen ja gar nicht, wie wir das finanzieren sollen“, hatte Gemeinderätin Monika Veser gesagt. Und Bernd Schumann klagte: „Das nimmt uns im Haushalt die Luft weg.“ Lohner hofft, dass das Land Munderkingen bei einer solchen Naturkatastrophe nicht allein lässt. Er will jedenfalls um Zuschüsse des Landes und vielleicht auch der EU werben, kündigte er an.

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