Zehn Minuten Warten auf die Bestimmung

Den neuen Zebrastreifen am Friedhof hat diese Spaziergängerin getestet.
Den neuen Zebrastreifen am Friedhof hat diese Spaziergängerin getestet. © Foto: Julia Deresko
Ehingen / Julia Deresko 23.08.2018

Es pickst ein wenig auf der Mauer mit den Tierfiguren in der Ulmer Straße. Es sind die Äste der sattgrünen Sträucher dahinter. Doch das wird in Kauf genommen. An diesem heißen Vormittag ist es das einzige schattige Plätzchen, das eine gute Aussicht auf das Gegenüber bietet. Der Autoverkehr macht auch in den Sommerferien keine große Ausnahme. Wollte man die Ulmer Straße kreuzen, müsste man schon ein Weilchen auf die Gelegenheit warten. Oder, viel besser, den neuen Zebrastreifen nutzen. Doch weit und breit ist erst mal kein Fußgänger zu sehen. Allein die Autofahrer scheinen kurz vor der verengten Stelle beim Friedhof bedächtiger zu fahren. Liegt es etwa an den vier dicken weißen Strichen, die seit neustem den Asphalt markieren?

Sobald der Verkehr eine kurze Pause macht, ist Vogelgezwitscher zu hören, das Rauschen der Baumkronen und der zaghafte Viertelstunden-Ton der Kirchenglocken. Ein Feuerkäfer läuft geschäftig über den Asphalt. Die hübsche Aufmachung des Insekts – Schwarz auf Rot – kommt auf dem Grau der Straße besonders gut zur Geltung. In der Ferne klingt Musik, erst leise, dann immer lauter quillt aus dem halb geöffneten Fenster ein türkischer Popsong. Während das Auto sich entfernt, werden die Beats immer langsamer, bis die Musik verhallt. Zwei Radfahrer fahren vorüber. Ein Augenblick der Stille. Plötzlich ein Klacken. Es sind Haselnüsse, die mal sanft, mal weniger sanft auf dem Boden aufschlagen.

Die meisten Menschen, die den Friedhof besuchen, kommen mit dem Auto. Auf dem Parkplatz wird ein- und ausgeparkt, gewendet und rangiert. Die neue Sitzbank an der Bushaltestelle glänzt derweil in der Sonne und bleibt leer. Auch der Zebrastreifen wartet auf seine Bestimmung. Doch dann steuert eine Frau mit Nordic-Walking-Stöcken zielsicher darauf zu. Sie sei auf dem Friedhof gewesen und wollte bei der Gelegenheit den neuen Zebrastreifen testen, erzählt sie und geht nach einem kurzen Gespräch ihres Weges. Sie hat ihn für gut befunden.

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