Ehingen / Stefan Bentele  Uhr
Peter Münch und die SÜDWEST PRESSE wandern auf dem Burgerlebnispfad im Lautertal, entdecken die Schönheit der Natur und suchen historische Bauten.

Die Hügel sind übersät mit Laub, Waldmeister und Weißwurz wachsen dazwischen, vereinzelt ragen verblühende Orchideen aus dem Grün hervor, hier und da liegt ein morscher Baumstamm. „Hier stehen sie auf einer Burg. Aber wo ist sie?“, fragt Peter Münch, blickt in die Runde, in der einige sich umschauen und fragende Gesichter auflegen. Münch weist auf den schmalen Pfad, über den die Wanderer zuvor liefen, deutet auf einen Hügel. Dort stand einst das Zentrum der Burg, die Kapelle St. Ruprecht.

Entgegen der üblichen Route

17 Wanderer haben sich am Samstag mit Peter Münch und der SÜDWEST PRESSE auf den Burgfelsenpfad im Lautertal begeben. Münch ist Wegebeauftragter des Fördervereins für den Besinnungsweg auf der Ehinger Alb. Anders als üblich, lief die Gruppe den Pfad in entgegengesetzter Richtung. Nach dem Start am Wanderparkplatz in Unterwilzingen nahmen die Wanderer die Steigung hoch zu St. Ruprecht.

Die Wanderung startet und endet am Wanderparkplatz bei Unterwilzingen. Zunächst führt der Weg die Große Lauter aufwärts, kreuzt den Fluss dann und führt direkt in die Kernzone. Von hier an führt der sich schlängelnde Pfad hinauf zur Ruine St. Ruprecht, durch naturbelassenen Wald zur Monsberg und von dort – wieder über steile Wege – zur Wartstein. Dort schlängelt sich der Pfad steil hinab in Tal, zurück geht’s entlang des Flusses.
© Foto: SWP GRAFIK

Dass von der Ruine nichts mehr zu sehen ist, liegt daran, dass Burgen im Frühmittelalter aus Holz bestanden. Ein paar Wehrtürme, Palisaden, „das war alles“, sagt Münch. Keramikfunde deuten auf eine Siedlung hin, deren Gründung in der Mitte des 11. Jahrhunderts datiert, so hat es Münch auf seinen laminierten Karten notiert. Die Burg wurde mehrmals zerstört, zuletzt 1359.

Als die Burg stand, war sie nicht von Bäumen umgeben, „das war freie Fläche“, sagt Münch. Heute hingegen soll sich die Natur ausbreiten, möglichst ohne Eingriff des Menschen. Der Pfad zu den Burgen führt in eine der Kernzonen des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, wie eine grüne Tafel informiert. Eigentlich dürfen solche Zonen nicht betreten werden, um Flora und Fauna nicht zu stören, alte Wanderwege ausgenommen. „Vielleicht haben wir in 100 Jahren dann einen mitteleuropäischen Urwald“, sagt Münch.

Historisches rund um die Burgruinen

Im Ansatz gibt es einen solchen schon, verkeilte Bäume sind zu sehen, Grillen zirpen, Vögel zwitschern, eine Teilnehmerin glaubt, eine Bachstelze gesehen zu haben. Die Große Lauter unten ist zu hören. „Im Winter ist der Blick hinunter ein echter Reiz“, sagt Wiebke Fischer, die Teilnehmer auf Pflanzen hinweist, die sie beim Namen kennt.

Von der Ruine Monsberg ist heute nichts mehr zu sehen. „Da war was, dort, da“, sagt Münch, dreht sich im Kreis, deutet auf Hügel. Um 1200 errichtet, wechselten die Besitzer, war die Burg in bayerischer Hand, 1495 wurde sie von Hans Speth von Granheim in einer Fehde mit Herzog Georg von Bayern zerstört. Münch lehrt Historie und Biologie. Die Biomasse, sagt er, befinde sich im Wald zu 70 Prozent im Boden. „Nur ein kleiner Teil ist der, den man oben sieht.“ Imposant ist es dennoch, was es zu sehen gibt, etwa eine 300 Jahre alte Buche.

Deutlich älter ist die Ruine Wartstein, im 13. Jahrhundert erbaut. Der Graf von Wartstein verkaufte sie an die Bayern, Speth von Granheim schleifte 1495 auch die Wartstein. Heute stehen noch Mauern im Wald. Durch eine führt ein Weg, in der Mauer prangt deswegen ein Loch, das die Wanderer für Erinnerungsfotos nutzen. Zwei Mädchen lassen sich von ihrer Mutter fotografieren. „Ladys and Gentleman, we proudly present: two Burgfräuleins“, scherzt Münch.

Der Turm, der heute an der Stelle der Wartstein steht, ist ein moderner Aussichtsturm. Wer die 58 Stufen nach oben überwunden hat, blickt bis zum Bussen und hinab ins Tal, wo die Lauter mäandriert. Wer der erste Graf der Burg war, ist ungewiss, sicher ist, dass sie an die Bayern verkauft und 1495 zerstört wurde.

Nun schlängelt sich der felsige Pfad steil ins Tal, wo ein Kunstwerk von Monika Geiselhart Touristen auf die Besonderheiten der Großen Lauter hinweist, Teil des Projekts „Lauter-Zeichen“. Von hier an schmiegt sich der Weg an die Lauter, ist Teil des Besinnungswegs.

Überall am Fluss sind Spuren des Bibers zu sehen – und wie versucht wird, die Bäume mit Metallzäunen zu schützen. „Die Lauter ist aber kein natürliches Wasser, nur noch naturnah“, sagt Münch, erklärt das mit den vielen Kläranlagen flussaufwärts.

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