Ehingen Vortragsreihe "Älter werden in Ehingen" gut besucht

Referentin Ulrike Scherzer (links) mit Ursula von Helldorff.
Referentin Ulrike Scherzer (links) mit Ursula von Helldorff. © Foto: shs
SHS 28.06.2013
Älter werden und zu Hause wohnen bleiben können - was ist dafür wichtig? Darüber informierte Ulrike Scherzer in ihrem gutbesuchten Vortrag.

"50 plus. Da denkt man noch nicht ans Alter. Da fängt man aber an nachzudenken", sagte Ulrike Scherzer eingangs ihres Vortrages im fast vollen Sitzungssaal des Ehinger Rathauses. Scherzer hat an der Schnittstelle Architektur und Soziologie ihren Doktor gemacht. Sie beschäftigt sich mit Wohnkonzepten für ältere Menschen.

97 Prozent der 65- bis 80-Jährigen leben laut Scherzer zu Hause. In Deutschland gibt es 39,5 Millionen Wohnungen von denen 87 Prozent älter als fünfzehn Jahre sind. Die meisten dieser Wohnungen sind nicht auf ein Leben im Alter ausgerichtet, weil Barrieren, untaugliche Ausstattung oder Abgelegenheit das Leben erschweren können.

Nachdenken über die eigenen "Wohnbedürfnisse" sei wichtig, wenn man "wohnen bleiben" wolle. Dazu gehören die Einkaufsmöglichkeiten, die Erreichbarkeit eines Arztes und eine Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Die "soziale Integration" mit vertrauten Menschen und "Service und Sicherheit" sollten in die Überlegungen einbezogen werden.

"Optimale Umstände gibt es nicht immer", sagte Scherzer und gab Tipps, worauf es ankommt. Kurze Wege und ein barrierefreies, anregendes und kommunikationsförderndes Wohnumfeld sind anzustreben. Bei der Gebäudeerschließung sind Hauseingänge wichtig, "hier finden die meisten Kontakte statt", daher sollten diese überdacht, beleuchtet und sicher sein. Briefkästen könnten in 120 cm Höhe angebracht und damit erreichbar werden. "Das Schlafzimmer ist nicht nur zum Schlafen da", schmunzelte Scherzer und empfahl eine Mischung aus wohnen und schlafen. Dies schaffe Abwechslung für Menschen, die meist zu Hause sind. Als "neuralgische Zonen" bezeichnete die Fachfrau das Bad und WC. Eine "bodengleiche Dusche ist die Zauberformel" und die Badtür sollte nach außen aufgehen um Helfern Zutritt verschaffen zu können.

Die eigene Haushaltsführung sei bei Älteren sehr wichtig: "Das hält das Hirn unglaublich fit", sagte die Expertin. "Teuere Sonderlösungen sind nicht nötig", betonte sie und nahm damit manchem Gast wohl die Angst vor großen Geldausgaben, denn "kleine Maßnahmen zeigen große Wirkung." Für wen Umbauten keine Option sind, dem empfahl Scherzer Mehrgenerationenhäuser oder "gemeinschaftliches Wohnen" als gute Alternativen.

Gastgeberin Dr. Ursula von Helldorff verwies auf die 17 Ehinger Teilorte. Hinsichtlich des Wohnens im Alter gäbe es deswegen verschiedene Ansätze zu beachten. Von Helldorff kündigte hierzu einen "Workshop" an. Der Vortrag bildete den Abschluss der Reihe "Älter werden in Ehingen" organisiert von der Lokalen Agenda.