Vortrag Vortrag von UN Women im Kloster Untermarchtal

Ursula Sautter (links) bekommt am Ende ihres Vortrags einen Geschenkkorb überreicht.
Ursula Sautter (links) bekommt am Ende ihres Vortrags einen Geschenkkorb überreicht. © Foto: Maria Bloching
Untermarchtal / MARIA BLOCHING 13.10.2018

Der Vortrag von Dr. Ursula Sautter, der stellvertretenden Vorsitzenden des UN Women Nationales Komitee Deutschland, hat im Rahmen des Literatursommers Untermarchtal gezeigt, was es braucht, um Frauen zu stärken. Denn mit starken Frauen gingen bessere Lebensbedingungen für alle Menschen einher, was sich sowohl auf Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Weltfrieden positiv auswirke, wie Sautter im Bildungsforum des Klosters Untermarchtal ausführte.

Ihr zufolge ist auch im Jahr 2018 die Ungleichheit zwischen Mann und Frau groß. Gut die Hälfte aller Frauen weltweit arbeiten in prekären, das heißt in informellen, unsicheren und schlecht bezahlten Beschäftigungsverhältnissen, oft ohne angemessen rechtlichen Schutz. In den meisten Ländern beträgt das Einkommen von Frauen 70 bis 90 Prozent des Einkommens der Männer.

Das Risiko, unter die Armutsgrenze zu fallen, ist auch in Deutschland für Frauen wesentlich höher als für Männer, insbesondere im Rentenalter, wie Sautter ausführte. Die Gründe hierfür seien vielfältig. Unter anderem gebe es eine Lohnlücke zwischen den Geschlechtern, die in Deutschland besonders groß sei und im Schnitt rund 21 Prozent betrage. „Die wirtschaftliche Stärkung von Frauen ist ein Grundstein für ihr Empowerment im Ganzen.“ Voraussetzungen dafür sind eine bessere Bildung und eine angemessen vergütete Arbeit, die sich dann positiv auf sie selbst, auf ihre Familie und die Gesellschaft auswirkt.

Laut Sautter arbeiten Frauen häufig in eher schlecht bezahlten Dienstleistungsberufen oder völlig unbezahlt, etwa in der Pflege Angehöriger. Außerdem seien lange Kindererziehungszeiten für prekäre Lebensverhältnisse im Alter verantwortlich. All diese geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Verteilung von Arbeit und somit letztlich der wirtschaftlichen Macht zählte die Referentin als ein wichtiger Faktor für die Ungleichstellung auf.

Darüber hinaus sind Frauen in politischen Ämtern selten zu finden, trotz der durch Studien belegten Erfolge, wenn Frauen an Regierungen beteiligt sind. „Sie wirken sachorientiert und setzen sich eher für Frauen- und Kinderrechte sowie für nachhaltige Projekte ein“, sagte Sautter. Leider sei auch bei Friedensverhandlungen, Konfliktlösungsbemühungen und ziviler Krisenprävention die Gleichstellung der Geschlechter Zukunftsmusik.

UN Women vertritt als eine unabhängige Nichtregierungsorganisation die Überzeugung, dass jede Frau ein Recht auf ein Leben frei von Gewalt, Armut und Diskriminierung hat und dass die Gleichstellung der Geschlechter die Voraussetzung für eine globale Entwicklung ist, wovon alle profitieren. 

Doch bis heute sind Frauen noch in keinem Land der Welt an den Entscheidungen zur Gestaltung der Welt und ihrer Gesellschaften gleichberechtigt beteiligt. Anerkennung und Wertschätzung erhalten sie für ihre Lebensarbeit in den wenigsten Gesellschaften.

UN Women setzt sich für die Stärkung von Frauen und die Achtung und Gewährleistung von Frauenrechten mit 15 Komitees weltweit ein. Sie bilden Netzwerke und arbeiten für Verhältnisse, in denen Männer und Frauen die gleichen Rechte und Lebenschancen haben.

Auf gesellschaftlicher Ebene bietet UN Women Bildung und Aufklärung, auf politischer Ebene Lobbying und Interessenvertretung, auf ökumenischer Ebene Stärkung von Frauen in der Wirtschaft. „In Ländern wie Deutschland wird Gleichberechtigung als Luxusproblem gesehen. Aber wir können alle etwas tun.“ Frauen könnten in Parlamente gewählt werden, das Thema könne allgemein und überall angesprochen werden. „Dann haben wir noch eine Chance“, meinte Sautter.

Der Vortrag war ganz im Sinne von Schwester Marzella Krieg, die das Bildungsforum im Kloster leitet: „Nehmen wir die Gleichberechtigung von Frau und Mann in den Blick. Denn es gibt keinen verständlichen Grund, warum das nicht so sein sollte.“

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