Graf Zdenko Friedrich Franz Edmund Theophil Cajetan Maria, wurde am 22. April 1917 als Sohn des Zdenko Graf von Schönborn, ehemals Landtagsabgeordneter von Böhmen, und der Marie-Christine Gräfin von Schönborn, Gräfin von Coudenhove, als drittes von fünf Kindern geboren. Die Familie floh von Böhmen am Ende des Zweiten Weltkriegs ins Schwabenland, wo der junge Graf das Erbe seiner Großmutter in Oberstadion antrat und zur Entwicklung des Ortes am Rande des Raums Winkel beigetragen hat.

Der junge Zdenko, dessen Geschlecht im katholischen, rheinischen Uradel wurzelt, das urkundlich 1275 erstmals erwähnt wird und aus dem namhafte Fürstbischöfe, Kardinäle und Politiker hervorgingen, verbrachte die Kindheit und frühe Jugend auf Schloss Kauth und Choden in Böhmen. Er ging zunächst in Prag und später in München zur Schule, als feststand, dass ihm als zweitgeborenem Sohn der böhmischen Linie der Familie das Erbe seiner Großmutter, Gisela Gräfin von Stadion-Warthhausen und Thannhausen zufallen wird, da deren Erben kinderlos verstorben waren. Wie alle anderen Sudetendeutschen, so hatten auch die von Schönborns im Zweiten Weltkrieg ihren gesamten Besitz, die beiden Schlösser, Kirchen, 5000 Hektar Land und Forst, eine Brauerei mit vielen loyalen Mitarbeitern verloren, wie in der Chronik steht. „Bis heute hilft die Familie Verwandten, die flüchten mussten und aus diesem schrecklichen Teil der Geschichte gekommen sind“, erklären die heutigen Schlossherren in Oberstadion, Graf Alexander und seine Gattin Sissi, Gräfin von Schönborn.

Schon zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde der 22 Jahre junge Graf Zdenko von Schönborn als Soldat eingezogen, nach Russland und Italien geschickt, wo er in Kriegsgefangenschaft geriet. Wohl „aus dieser schweren Zeit heraus“, habe der nach Oberstadion heimgekehrte Graf wie selbstverständlich sein Altes Schloss in Oberstadion, das irgendwann nach zwei Bränden der hölzernen Burgen errichtet worden war, bis in die 1950er Jahre den Flüchtlingen als Wohnraum zur Verfügung gestellt. Viele dieser Menschen, die nach der Flucht aus dem Osten hier ankamen, genossen die Ruhe in den altehrwürdigen Räumen und die Stille des Parks und wurden in der Region sesshaft. Alexander Graf von Schönborn erinnert sich, dass manchmal noch frühere Bewohner zu seinem Vater gekommen sind und gefragt haben, ob sie ins Schloss gehen und schauen dürfen wo sie damals gewohnt haben.

Schnell erfüllte der Schlossherr auch die Bitte des damaligen Bürgermeisters Hartmut Schneider und stellte das Alte Schloss für die Einrichtung einer Hauswirtschaftsschule für Mädchen mit Flüchtlingshintergrund zur Verfügung, sodass diese mit ihrer Ausbildung in der neuen Heimat Fuß fassen konnten, wie berichtet wird. Zwei Jahre konnte die Piuspflege Oggelsbeuren nach einem Brand in ihrer Einrichtung hier die Gastfreundschaft genießen. „Durch seine Großherzigkeit konnte sich Oberstadion in großen Schritten zu dem entwickeln, was es heute darstellt“, sagte seine Schwiegertochter Sissi, Gräfin von Schönborn. So habe er neben dem Schloss im östlichen Bereich landwirtschaftlich genutzte Flächen zur Verfügung gestellt auf denen der großzügige Bau einer Grund- und Hauptschule mit Sporthalle, sowie die Erschließung für neues Bauland in östlicher Richtung möglich wurde.

Zudem förderte Graf Zdenko unter anderem mit Begeisterung die Musikvereinigung Lyra in Unterstadion, die heute noch mit Stolz seine gestiftete Fahne mit dem Schönborn’schen Wappen schwenkt. Die Gemeinde Oberstadion dankte dies dem Grafen mit der Ehrenbürgerwürde. Die katholische Kirchengemeinde gedenkt jährlich am Kirchweihfest neben den Grafen Stadion, den Erbauern von Kirche und Schloss (Vorfahren von Szdenkos Großmutter), seinem Ehrenbürger und Träger des Bundesverdienstkreuzes, der am 18. März 1993 verstarb und in der kirchlichen Familiengruft in St. Martin ruht. Sein Sohn Alexander Graf von Schönborn führt sein Erbe im Sinne der langen Ahnenreihe fort und stehe seit vielen Jahren mit der Gemeinde in Verhandlung um die Geschichte und das Wirken seines Vaters durch eine Benennung einer Straße in Oberstadion lebendig zu halten. Vielleicht sei der 100. Geburtstag bald ein Anlass dafür.