Ehingen Vor 100 Jahren am Marktplatz Krieg verkündet

Ehingen / INGEBORG BURKHARDT 20.06.2014
Um zwei Jahrestage ging es in der Rede von OB Baumann: Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, vor 10 Jahren die Patenschaft mit der Bundeswehr.

Vor 100 Jahren ist auf dem Marktplatz in Ehingen der Kriegszustand verkündet worden. Und vor 10 Jahren ist hier die Patenschaft zwischen dem Stabs- und Unterstützungsbataillon 200 der Bundeswehr und der Stadt Ehingen und der Bürgerwache besiegelt worden. Beides war für Oberbürgermeister Alexander Baumann beim Großen Zapfenstreich Anlass, die Geschichte in den Blick zu rücken. Das Militär habe 1914, abgesehen von den Aktivitäten des Krieger- und Militärvereins, kaum eine Rolle gespielt. Allenfalls die Offiziere und Unteroffiziere des Königlichen Bezirkskommandos, die für Musterung und Einberufung von Wehrpflichtigen zuständig waren, seien im öffentlichen Leben der Stadt in Erscheinung getreten. Doch auf Grund der vorausgegangenen Krisen und zunehmenden Spannungen wurde der Kriegsausbruch in Ehingen nicht als Überraschung empfunden, sagte Baumann und zitierte aus der Chronik: "Am Morgen des Freitags, dem 31. Juli um dreiviertelvier Uhr verkündete der Bezirkshauptmann an dieser Stelle, auf dem Marktplatz, den Kriegszustand."

Umgehend seien erste Maßnahmen zur Mobilmachung erfolgt, Militärpflichtige wurden eingezogen. Davon betroffen warauch das Gymnasium gewesen, das im Leben der Stadt eine besondere Rolle gespielt hat. Immer mehr Schüler, insgesamt 217, seien eingezogen worden oder hätten sich freiwillig gemeldet; Schulstunden seien ausgefallen weil 28 Lehrer einrücken mussten. Eine große Zahl von Feldpostbriefen und Karten im Archiv bezeugten die weiter enge Bindung der jungen Soldaten an ihre Schule.

Die Zivilbevölkerung habe im Laufe des Krieges immer mehr Einschränkungen hinnehmen müssen, das Leben sei von Versorgungsproblemen auf allen Gebieten geprägt gewesen. "Der Rohstoffknappheit fielen zuletzt noch 1917 im Juni die große Herz-Jesu-Glocke und im Oktober das kupferne Dach der Konviktskirche zum Opfer", sagte der OB. Das unermessliche menschliche Elend, das mit den Kämpfen und Kriegshandlungen verbunden war, sei den Ehingern nicht verborgen geblieben. Im Bezirkskrankenhauses an der Spitalstraße, im Vereinslazarett des Landesvereins vom Roten Kreuz, seien Verwundete behandelt worden.

Anfang September 1914 seien die ersten Nachrichten von Gefallenen in Ehingen eingetroffen. Karl Englert war das erste von 153 Kriegsopfern. Baumann: "Bis zum Kriegsende zählte man für Ehingen und seine heute 17 Teilorte 480 Gefallene oder Vermisste." Das Gymnasium hatte 40 gefallene Schüler und drei tote Lehrer zu beklagen, vermisst wurden vier Schüler und ein Lehrer. An sie und an die Opfer des vor 75 Jahren begonnenen Zweiten Weltkriegs erinnere das Kriegerdenkmal am Groggensee. Ein weiteres Denkmal auf dem Friedhof sei den in Ehingen verstorbenen Soldaten gewidmet, die nicht in ihre Heimat überführt wurden. "Diese Denkmale sind bleibende Mahnmale für den Frieden, für das Wohl in unserer Gesellschaft und auch den Wohlstand, der auf dem friedlichen Zusammenleben und der Vernunft der Menschen beruhe, sagte Baumann.

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