Museumsgesellschaft Von Fischbecken und Laufmaschen-Eildienst

Andreas Hacker 31.12.2016

Sie hieß „Der Stadtspiegel von Ehingen“, ist 1956 erschienen und dient Walter Schaupp von der Museumsgesellschaft als Material für einen Blick zurück um 60 Jahre. „Ein Handbuch für Einheimische und unsere Gäste“ wollte sie sein, die Werbebroschüre mit Anzeigen von knapp 100 Gewerbetreibenden in Ehingen. Erfreulich, sagt Schaupp, „dass es tatsächlich heute noch Betriebe in fast unveränderter Form gibt. Der überwiegende Teil aber ist verschwunden oder es ist bereits das Ende angekündigt, so zum Beispiel die baldige Schließung der Zimmerei Alois Bottenschein in der Heufelder Straße.“

Einen Großteil der 1956 aufgeführten Firmen hat die Museumgesellschaft Ehingen auch in ihren Büchern „Von einstigen Handwerkern und Händlern“ und „Handel, Handwerk & Gewerbe von einst bis jetzt“ berücksichtigt. Sie sind nach einer Idee von Albert Ackermann als Erinnerungsbuch angelegt, als Porträts alter Ehinger Geschäfte, zu denen die Autoren festgehalten haben, was über die Familien und Häuser erzählt worden ist. Im Stadtspiegel, mit dem sich Schaupp jetzt befasst hat, geht es eher um eine Momentaufnahme, um kleine Details, an denen Erinnerungen wieder wach werden. So wie bei der Anzeige von Josef Denkinger, dem Feinkosthändler in dem Haus an der Ecke Hauptstraße und Sonnengasse, in dem heute Frauenmoden Elle ihren Platz hat. Vor 60 Jahren gab es dort „ein echtes Fischbecken“, erzählt Schaupp. Denkinger Feinkost hat lebenden Fisch verkauft und ist den Ehingern in Erinnerung als der erste Supermarkt in der Stadt.

Längst Geschichte ist auch das Bekleidungshaus Nieß, das zu seinen besten Zeiten den Alleinverkauf für Loden-Frey in München hier hatte und mit einem „Laufmaschen-Eildienst“ warb. Nieß, Siessegger und Hohenadel als das „Haus des guten Einkaufs“ für Damen- und Mädchenkonfektionen waren vor 60 Jahren erste Adresse in Sachen Bekleidung, wobei Nieß sich als Fachgeschäft für gepflegte Herren, Sport- und Berufskleidung sowie für Burschen und Knaben positioniert hat. Kaim, später zentrales Modehaus vor allem für die Damen, war zur damaligen Zeit vor allem noch ein Kurzwarengeschäft, erzählt Walter Schaupp. Und Nieß hatte seine stärksten Jahre in dem Gebäude Hauptstraße 68, wo heute das Modehaus Hofmann ist.

Stoff für Geschichten bieten auch die meist kleinen Anzeigen der Gasthäuser. Willi Hieber war seinerzeit der Wirt „Zur Stadt“, die damals der Uttenweiler Brauerei gehört hat, und für Walter Schaupp gibt es keine Zweifel, dass es bei Hieber in der Unteren Hauptstraße die besten Pommes weit und breit gegeben hat. „Mit den roten Saukartoffeln vom Bauer Kiene“ seien die gemacht worden und hätten überhaupt nicht wässrig geschmeckt. 80 Pfennig hat eine Portion gekostet, 1 Mark die mit Ketchup.

Pelze und Hüftformer

Was die Werbebroschüre eines auswärtigen Verlags für Schaupp zu einem Stück Zeitgeschichte macht, sind Bebilderungen wie der Stich mit der Heckenmühle zwischen St. Blasius und dem Elektrizitätswerk, und vor allem die Namen, die es heute nicht mehr gibt: Radio Bloching, bei dem man auch Nähmaschinen, Fahrräder und Motorräder wie Horex, Maico oder Dürkopp kaufen konnte. Dina Steinhauser und ihr „Spezialgeschäft für Leibbinden, Hüftformer“. Elegante Pelze aus eigener Werkstätte gab es bei Pelz-Ertle.  Die Dampfwäscherei Bacher, seit mehr als 25 Jahren im Dienste der Hausfrau. Der Hut-Salon von Anni Dick und die Gasolin-Tankstelle am Opel-Autohaus Fritz Ebner. Und der Deutsche Kaiser des Dyonis Krumm hat noch eine Metzgerei dabei.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel