Historie Von Ehrenamt, armen Leuten und dem Most

Erste Besucher drehen ihre Runde durch die Ausstellung "Munderkingens historische Vereine".
Erste Besucher drehen ihre Runde durch die Ausstellung "Munderkingens historische Vereine". © Foto: Ingeborg Burkhardt
Munderkingen / Ingeborg Burkhardt 16.04.2018

Der Obstbauverein Munderkingen habe, so schilderte es der Vorsitzende des Geschichtsvereins Dr. Winfried Nuber am Freitagabend zur Vernissage, einst mit der Pflanzung von Bäumen an den Straßen den armen Leuten, die sich kein Bier im Wirtshaus hätten leisten können, das Obst für den Most zugänglich gemacht.

Mit solchen heiteren Begebenheiten stellte der Historiker die Geschichte der ältesten Vereine und deren Gründer vor, die in der Sonderausstellung „Munderkingens historische Vereine“ im Museum seit Freitag zu sehen sind. Bläser der Stadtkapelle mit Hubert Rupp umrahmten die Feierstunde im Raum am Alten Schulhof, zu der Bürgermeister Dr. Michael Lohner und der Vorsitzende des Handel- und Gewerbevereins, Otto-Martin Edel, sprachen.

Nuber beleuchtete in seiner Ansprache das 18. und 19. Jahrhundert, in dem die Vereine wie Pilze aus dem Boden geschossen seien und Geburtstage von Königen und Kaisern feierten. Salutschüsse von der Bürgermiliz gab es für die Vorsitzende der Stadtkapelle, Martina Schelkle,  nicht, doch einen kleinen Blumenstrauß von Werner Wald und Glückwünsche für das Geburtstagskind. Schelkle erfuhr, dass die Stadtkapelle aus der Bürgermiliz hervorging, die, wie die Schützengesellschaften, ins 16. Jahrhundert zurückdatiert.

Damals habe die Musik zu den Bürgern im bunten Rock gehört. Was die Bürgermiliz anbelange, so habe 1870 Carl Borromäus Weitzmann das Kommando der Miliz „etwas herablassend als Fronleichnam-Grenadier“ bezeichnet, da sie stets in den Prozessionen am Hochfest der Katholiken mitmarschierten. „Würden, die das heute hören, würden sie sich im Grab rumdrehen“, sagte der Historiker während der Runde durch die Ausstellung.

Lohner zollte den Ehrenämtlern  Respekt. Deren Engagement sei es zu verdanken, dass es heute noch so viele Vereine in der Stadt gibt. Er bedauerte, dass es unter dem Leistungsdruck in der Gesellschaft für Frauen und Männer schwieriger werde, ehrenamtlich tätig zu sein. Er wünschte sich für die Sonderausstellung einen guten Besuch.

Der Wunsch ging gestern zwar nicht in Erfüllung, doch die zwölf beteiligten Vereine übernehmen sonntags abwechselnd die Aufsicht. Dabei dürften deren Mitglieder und Freunde kommen, dann können sie die Geschichte ihrer Vereine betrachten. Und was Stadtarchivarin Ursula Erdt am meisten begeistert: Man kann in Alben blättern und Fotos einsehen. Wer Glück hat, trifft beim Besuch auf Winfried Nuber und erfährt dann eine Menge über den Kolping, die Feuerwehr, die Turner, die Fußballer oder den Liederkranz.

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