Personen Oliver Claß: Der neue Konrektor an der Ehinger Realschule

Zuletzt hat Oliver Claß in Ankara türkisch-deutsche Diplomatenkinder unterrichtet. Jetzt ist er der neue Konrektor an der Ehinger Realschule.
Zuletzt hat Oliver Claß in Ankara türkisch-deutsche Diplomatenkinder unterrichtet. Jetzt ist er der neue Konrektor an der Ehinger Realschule. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / Christina Kirsch 02.10.2018
Zuletzt hat Oliver Claß in Ankara Diplomatenkinder unterrichtet. Jetzt ist er der neue Konrektor an der Ehinger Realschule.

Die Spätzlepresse ging mit in die Türkei. Und das deutsche Spätzlemehl auch. Oliver Claß hat sich in der Türkei seine schwäbischen Spätzle selber gemacht. Der Schwabe war zuletzt Schulleiter einer Privatschule in Ankara und unterrichtete türkisch-deutsche Diplomatenkinder. Jetzt ist er Konrektor an der Ehinger Realschule und sieht sich weit größeren Klassen gegenüber als die, die er die vergangenen Jahre zu unterrichten hatte. „In Ankara waren es sechs bis zwölf Schüler“, berichtet der 51-Jährige, der sich jetzt auf mehr als 20 Kinder umstellen muss.

Nach fünf Jahren an einer Auslandsschule kommt der Blaubeurer gerne wieder nach Deutschland zurück. „Meine Eltern wohnen in Blaubeuren und da hat es mich wieder hingezogen“, sagt er. Den Wald habe er in der Türkei genauso vermisst wie die Butterbrezel. Oliver Claß wurde in Stuttgart geboren und wuchs in Blaubeuren auf. Nach dem Abitur studierte er in Freiburg Biologie, Geschichte und Technik. Als Referendar unterrichtete er im Badischen und war in Obrigheim stellvertretender Schulleiter an einer Realschule.

Einzige Tür ohne Adventskranz

Dann zog es den Lehrer ins Ausland und in Ankara wurde eine Stelle als Schulleiter frei. „Man hat dort viel mehr repräsentative Aufgaben“, sagt Oliver Claß. „Als Joachim Gauck als Bundespräsident in Ankara eine Rede hielt, haben die Fernsehteams mitbekommen, dass ich Deutscher bin und mir auch die Mikrofone vor den Mund gehalten“, erzählt er. Da habe er deutlich gespürt, dass er zwischen seiner persönlichen Meinung und dem, was er öffentlich sagt, gut zu unterscheiden hat. „Man passt in der Türkei schon verstärkt auf, was man sagt“, weiß Oliver Claß und bezieht da auch seine türkischen Freunde mit ein. Als Schulleiter wohnte er bewusst nicht im Botschaftsviertel, sondern in einem türkischen Mehrfamilienhaus, um nicht in einem abgeschlossenen Umfeld mit Sicherheitsleuten zu leben. „An meiner Türe hing als einziger Türe im ganzen Haus in der Vorweihnachtszeit kein Adventskranz“, erzählt Oliver Claß. „Die Türken hatten alle einen.“ Er sei zudem der einzige gewesen, der selber einkaufen ging. „Wer es sich in der Türkei leisten kann, nimmt Service in Anspruch“, sagt Oliver Claß, der die Sieben-Millionen-Stadt Ankara als „funktionierendes Chaos“ bezeichnet. „Ein Türke versteht ohnehin nicht, wieso ein Deutscher in der Türkei arbeiten will“, sagt er. Ankara sei jedoch nicht so hektisch wie Istanbul und auch nicht so interessant. „Es ist eine reine Behördenstadt“. Da ihn die Geschichte des Landes interessierte, fuhr er in seiner Freizeit zu den geschichtsträchtigen Orten, „und es war dort am schönsten, wo man vom Weg abkam“.

Die verschärfte politische Situation in der Türkei spürte auch der Schulleiter. „Wir mussten die Schule zweimal evakuieren und hatten auch einmal ein verdächtiges Paket vor der Schule, das die Polizei gesprengt hat“, berichtet er. Bei den Befugnissen muss sich Oliver Claß nun in Ehingen erheblich einschränken. So hat er nicht mehr darüber zu bestimmen, ob die Schüler bei Schnee schulfrei bekommen. „Als wir in Ankara Schnee hatten, waren wir die einzige Schule, die nicht schulfrei hatte“, schmunzelt er.

Stadt ohne Schneepflüge

Der Gouverneur von Ankara hatte allen Schülern frei gegeben, weil dort bei Schnee ohnehin der Verkehr zusammenbricht. Die Stadt ist nicht mit Schneepflügen ausgerüstet. Im nächsten Schnee-Winter bekamen jedoch auch die Privatschüler schulfrei. In Ankara müsse man mit Wintertemperaturen bis 20 Grad minus und mit Sommertemperaturen bis 40 Grad plus leben. Nicht nur die Temperaturen sind nun in Ehingen gemäßigter. Auch beim politischen Klima darf sich Oliver Claß wieder umstellen.

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