Lesung Vielleicht erledigt das Schicksal einfach sein Geschäft

Karl-Heinz Ott bei der Lesung aus seinem neuen Roman im Franziskanerkloster in Ehingen.
Karl-Heinz Ott bei der Lesung aus seinem neuen Roman im Franziskanerkloster in Ehingen. © Foto: Anne Hagenmeyer
Ehingen / Anne Hagenmeyer 03.12.2018

Für Karl-Heinz Ott ist Ehingen fast ein Heimspiel. Immer wenn der 1957 in Ehingen geborene Autor ein neues Buch vorstellt, kommen ehemalige Schulkameraden und Lehrer sowie Literaturinteressierte, diesmal ins Franziskanerkloster. „Und jeden Morgen das Meer“ heißt Otts Roman, in dem er den Wendepunkt im Leben einer Frau beschreibt, die alles verloren hat: den Mann, der sich das Leben genommen hat, ein Sterne-Lokal am Bodensee, Ansehen und Respekt. Sie fährt nach Wales, wo ihr ein ehemaliger Gast ein heruntergekommenes Lokal vermacht hat, und steht nun jeden Morgen an den Klippen am Meer mit den Gedanken zu springen.

Dort, in dieser unwirtlichen Gegend, lässt sie ihr Leben Revue passieren: ihre Kindheit bei der Großmutter, das katholische Internat, ihre Jahre in der Schweiz, ihre Ehe und der jähe Verlust. Ott lässt seine Lesung mit dem Sätzen enden: „Vielleicht hat alles seine Richtigkeit gehabt. Vielleicht gibt es doch eine Vorsehung. Vielleicht erledigt das Schicksal einfach sein Geschäft.“

Die Neugier im Publikum, ob es das Restaurant wirklich gegeben hat, nutzt Karl-Heinz Ott, um zu erklären, er könne sich nichts ausdenken, er habe davon gehört, folge aber mit seiner Literatur den inneren Gesetzen eines Romans wie Spannung, Stimmungen und Gegensätzen, und so müsse die Frau, die aus begrenzten und behüteten Umständen käme, ihre Selbstreflexion an einem wilden, wüsten und unbegrenzten Ort durchleben. Aus demselben Grund habe er das Restaurant in die Obstgärten des Bodensees verortet.

Ott las sich mit einer Auswahl signifikanter Stellen quer durch sein Buch und vermittelte damit das Stimmungsbild, das sich am Wendepunkt eines Lebens aufbaut.

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